Vor 40 Jahren wurde die Offene Jugendberufshilfe gegründet, rund 600 Jugendliche nehmen das Angebot im Jahr wahr.
40 Jahre OJBWie Leverkusen versucht, Jugendliche in Berufe zu bekommen

Feiern 40 Jahre Offene Jugendberufshilfe: Ansgar Lutz, Karl Lauterbach und Thomas Fischer-Wesselmann
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Offene Jugendberufshilfe ist nicht nur Hilfe beim Bewerbungen schreiben und Ausbildungsplatz suchen. „Im Kern geht es darum, dass da jemand ist, der sagt: Du musst das nicht alleine schaffen“, sagt Thomas Fischer-Wesselmann, Geschäftsführer der Katholischen Jugendagentur, die der Träger der Offenen Jugendberufshilfe (OJB) in Leverkusen ist.
Es war Mitte der 1980er-Jahre, als in Deutschland erstmals Jugendarbeitslosigkeit auftrat. „Das kannten wir vorher gar nicht“, sagt Karl Lauterbach, der zur Feier des 40-jährigen Bestehens als Gratulant in die Räume an der Opladener Neustadtstraße gekommen war. 1986 also wurde die OJB gegründet – mit zwei Mitarbeitenden in den Räumen eines ehemaligen Lebensmittelgeschäftes in der Wilhelmstraße, erinnert sich Fischer-Wesselmann. Heute arbeiten 14 Pädagogen auf neun Stellen mit jährlich rund 600 Jugendlichen zusammen, eine gigantische Zahl, betont auch Lauterbach: „Das sind ja nicht nur 600 junge Menschen, sondern auch noch die ganzen Familien, die mit dranhängen. Das ist ein Riesenbeitrag für die ganze Stadt.“
Permanenter Kampf um Fördermittel
Und doch will sie keiner so richtig bezahlen. „Wir finanzieren uns aus neun bis zehn unterschiedlichen Projektfinanzierungen“, erklärt Einrichtungsleiter Ansgar Lutz. Bundes- und Landesprogramme, dazu zwei kommunal finanzierte Stellen, von denen eine auf der Streichliste der Personalberatung PD steht. Im Auftrag der Stadt Leverkusen fungiert die OJB als Clearingstelle im Verbundsystem Jugendberufshilfe. „Es ist ein ständiger Kampf um Fördermittel und Anerkennung. Sowohl für unsere Arbeit als auch um Anerkennung für die Jugendlichen“, sagt Lutz. Finanzen, Dokumentation, Berichtswesen, befristete Stellen, all das belaste seine Kollegen sehr.
Dabei sollte der Kampf eigentlich alleine den Jugendlichen gelten, die schon genug Baustellen mitbringen. „Viele Jugendliche laufen Gefahr, aus dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden“, sagt Lutz. Und damit auch vom gesellschaftlichen Leben. Es heiße zwar immer, dass überall Fachkräfte und Auszubildende gesucht werden. „Viele Jugendliche erleben das aber ganz anders. Sie schreiben zwanzig Bewerbungen und bekommen, wenn es gut läuft, drei Eingangsbestätigungen.“
Die Jugendlichen, die zum Teil über Bekannte, zum Teil über Institutionen zu ihm kommen, bringen oft eine hohe Hypothek mit: Geflüchtete mit unklarem Aufenthaltsstatus, beengte Wohnverhältnisse, Probleme mit Drogen oder Schulden, nicht die besten schulischen Abschlüsse. Dazu die psychische Belastung durch Corona-Pandemie, Sorgen wegen Kriegen und Klimawandel. „Viele haben in ihrer bisherigen Ausbildung nur mitbekommen, was sie alles nicht können, woran sie scheitern“, sagt Lutz. Da gehe es erst einmal darum, eine Sicherheit und Tagesstruktur zu schaffen. Oder, wie Fischer-Wesselmann es ausdrückt: „Ihnen klarmachen, dass nicht jeder Umweg ein Irrweg ist.“
Lauterbach gab selbst Nachhilfe
Lauterbach kennt das aus eigener Erfahrung. Als junger Student habe er einem jungen Mann Nachhilfe in Naturwissenschaften gegeben. „Der brauchte aber eigentlich keine Nachhilfe, der war sehr schlau“, sagt Lauterbach. „Aber er saß da alleine, war abgehängt, fand einfach nicht hinein in diese Gesellschaft.“ Leider wisse er nicht, wie es mit dem jungen Mann weitergegangen sei. Klar ist für ihn: Dass überhaupt jährlich 600 junge Menschen in Leverkusen bei der Offenen Jugendberufshilfe landen, ist ein Versagen der Politik. „Ich wünsche mir, dass wir irgendwann mal ein tragfähiges Schul- und Ausbildungssystem haben.“ Noch sei man aber nicht so weit, umso wichtiger die Arbeit der Offenen Berufshilfe. Gegen Kürzungen in dem Bereich werde er sich auch in Berlin vehement einsetzen, verspricht Lauterbach. „Scheuen Sie sich nicht, mich anzurufen“, bietet er vor 150 Gästen bei der Jubiläumsfeier an. Das werde er wahrnehmen, verspricht Ansgar Lutz.
„Ihre Arbeit ist unendlich wertvoll“, schließt Lauterbach. Am Ende gehe es darum, die Jugendlichen auf einen Weg zu bringen, sagt Fischer-Wesselmann: „Von: ‚Ich kann das sowieso nicht‘ zu ‚Ich probiere es nochmal‘.“
