Autobahn, Hallenbad, Forschung, Wissenschaft und Gesundheitspolitik: Karl Lauterbach erklärt in Leverkusen, was ihn umtreibt.
Verkehr und WissenschaftLauterbach hält Ausbau der Leverkusener Autobahn für unnötig

Karl Lauterbach erklärt auf dem roten SPD-Sofa, woran er gerade arbeitet.
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Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Leverkusen, will sich auch weiterhin in Sachen Autobahn in Leverkusen einbringen. Er sagt, dass es jetzt um Schadensbegrenzung gehe, weil die Option eines Tunnels nicht mehr bestehe. „Ich bin auf der Autobahn um Leverkusen im Dienstwagen unterwegs und wir stellen fest, dass wir inzwischen seltener im Stau stehen, außer vor den Baustellen.“
Lauterbach leitet den Forschungsausschuss im Bundestag, mit diesem Hintergrund schaut er auf den Autobahnausbau: Verschiedene Studien haben ergeben, dass die zur Zeit der Ausbauplanung der Autobahn auf Leverkusener Stadtgebiet zugrunde gelegte Verkehrssteigerung nicht eintrete. „Wir sind nicht mehr der Exportweltmeister und wir werden es auch niemals mehr sein“, sagt Lauterbach und meint damit: Die Massen an Lkw, für die man die Autobahn meinte, achtstreifig ausbauen zu müssen, kommen nicht. „Wir brauchen hier keine Autobahn à la Los Angeles.“

Die Autobahn durch Leverkusen ist bei den Anfragen, die Lauterbach erhält, mittlerweile seltener Thema.
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Wie Leverkusen dagegen konkret vorgehen kann? Das ist schwierig, Lauterbach sagt, das Thema Autobahn sei aus den Themen fast ganz herausgefallen, mit denen sich Bürger an ihn wenden. Viel öfter werde er angeschrieben, wenn es um konkrete gesundheitliche Probleme bei Einzelnen gehe. Lauterbach ist Mediziner und viele erhoffen sich einen Rat oder Hilfe. Dem Anfragenaufkommen zufolge hätten auch immer mehr Leverkusener Probleme, ihre Miete zu zahlen. Und es kämen vermehrt Bitten, bei einem Ausbildungs- oder Praktikumsplatz vermittelnd hilfreich zu sein. Damit geht er sehr individuell um.
Einsatz fürs Hallenbad versprochen
Aber auch der Leverkusener Oberbürgermeister Stefan Hebbel gehört zu denen, die bei Lauterbach um Mithilfe anfragen: Für das kleine Hallenbad in Bergisch Neukirchen hätte Leverkusen gerne ein paar Millionen aus dem Bundesfördertopf zur Sanierung kommunaler Sportstätten 2026. Mit dem Geld sollen insbesondere Schwimmbäder aufgearbeitet werden. Da will Lauterbach mit der zuständigen Ministerin reden, die die Liste der förderungsfähigen Bäder aufstellt. Die Entscheidung fällt im Sportausschuss in Berlin.
Ansonsten kümmert sich der Wissenschaftler und Karl Lauterbach derzeit viel um Wissenschaft in Berlin, sagt er. „Wir wollen wieder Anschluss an die Weltspitze gewinnen. Mir macht Sorge, dass andere Länder bei der Forschung viel schneller waren. Das Tempo von denen können wir zurzeit nicht mitgehen.“ Er nennt die USA, die in Medizin und Biotechnologie führend seien, und China, das in der Chemie, den Ingenieurwissenschaften und der Physik die Spitze bilde. Es gebe einen regelrechten China-Schock in der Wissenschaft. Aber es ist auch nicht alles schlecht in Deutschland. Die Universitäten Köln und Bonn seien hervorzuheben und auch an der Technischen Hochschule in Opladen hat Lauterbach am Donnerstag noch einen Termin. 18 Milliarden Euro sollen jetzt in die deutsche Forschung fließen.
Lauterbach plant, sich im Herbst erst in den USA an der Westküste und dann in China etwas von deren Erfolgsrezepten abzugucken. In Harvard habe er zudem auch einen Lehrauftrag, dem er nachkommen will.
Ganz hat Lauterbach seine eigentliche Fachrichtung, die Gesundheitspolitik, nicht aufgegeben. Er lehnt sich auf dem roten Sofa im SPD-Parteibüro in Wiesdorf zurück: Endlich, sagt er, sei ein Gesetz vor der Verabschiedung, das er als Gesundheitsminister nicht mehr habe durchbringen können, „weil die FDP vorher die Koalition platzen ließ“, wie er betont: das Herzinfarkt-Gesetz. Demnach soll demnächst jeder Erwachsene im Alter von 25, 40 und 50 Jahren von der Krankenkasse angeschrieben werden, um das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall mit einer Untersuchung abchecken zu lassen. Denn auch hier gebe es in Deutschland Nachholbedarf: In allen westeuropäischen Nachbarländern sei die Lebenserwartung höher als bei uns und das liege auch an der hohen Sterblichkeit durch Herz- und Kreislaufkrankheiten.
