Vor dem Amtsgericht in Opladen kommen immer mehr Details ans Licht.
ProzessVideo zeigt Messerattacke in Leverkusen

Vor dem Amtsgericht muss sich ein 24-jähriger Deutsch-Jordanier wegen einer Messerattacke verantworten.
Copyright: Ralf Krieger
Das Video aus dem Kiosk ist entlarvend: Es zeigt, wie gegen 13.20 Uhr ein Mann hereinstürmt und drei schnelle Stiche ausführt. Der Angeklagte Yasser S. (Name geändert) ist recht gut zu erkennen. Die Sequenz ist lang. Sie zeigt, wie das Opfer aufgeregt herumrennt, telefoniert. Durch sein T-Shirt sickert offenkundig immer mehr Blut, die Flecken auf dem Rücken werden größer und größer.
Später im Klinikum bestätigt sich der Eindruck aus dem Video: Das 23 Jahre alte Opfer hat eine Wunde am rechten Schulterblatt, außerdem eine in der rechten Achselhöhle. „Lebensbedrohlich” seien Sie nicht gewesen, erinnert sich Christina Grafe. „Das waren Fleischwunden.”
Die Ärztin hatte am 25. April Dienst in der Notaufnahme. Denkbar sei, dass einer der Stiche durch eine Rippe gestoppt worden ist, aber sicher sei das nicht. Gut möglich, dass für die Attacke eben jenes Messer benutzt wurde, das Richter Dietmar Adam der Zeugin ebenfalls zeigt: Es hat eine gut elf Zentimeter lange Klinge. „Das könnte passen”, sagt die Ärztin, schränkt aber ein: „Ich bin keine Forensikerin.” Auch in der Notaufnahme sei der Patient noch sehr aufgeregt gewesen, habe von einem Angriff im Kiosk gesprochen, erinnert sich Grafe.
An der Attacke besteht kein Zweifel
Dass er den Mann im Frühjahr angegriffen hat, das hatte der Angeklagte vor drei Wochen schon freimütig eingeräumt. Die Frage ist allerdings, ob er für diese schwere Gefährliche Körperverletzung auch verantwortlich gemacht werden kann. Zur Tatzeit habe er Alkohol und Kokain intus gehabt, so sein Verteidiger Daniel Woelky. Der Cocktail habe Yasser S. aggressiv gemacht, er sei nicht bei Sinnen gewesen.
Die Staatsanwältin sieht das anders und beruft sich dabei auf die Aussage des Kioskbesitzers. Der habe von einer „zielgerichteten” Attacke gesprochen. Das Video ist in dieser Frage nicht eindeutig: Man sieht, dass Yasser S. in den Laden hineinspringt und zwei, drei schnelle Stiche macht.
Warten auf das Gutachten
Auch deshalb hat Richter Adam im ersten Termin eine Gutachterin beauftragt und ist insoweit dem Vorstoß des Verteidigers gefolgt. Die Frau hatte allerdings bisher nur einen ganz kurzen Kontakt mit Yasser S., und zwar am Dienstag: Sie hatte sich zwar im Kölner Gefängnis angemeldet, aber dort sei man nicht im Bilde gewesen, berichtete sie am Mittwoch im Opladener Amtsgericht.
Yasser S. sitzt in Ossendorf in Untersuchungshaft und das beeinflusst die Verhandlung sehr: Die gesamte Familie des Deutsch-Jordaniers nimmt an regen Anteil. Immer wieder sucht der 24-Jährige den Blickkontakt mit seinem jüngsten Kind. In einer Pause und zum Ende des Verhandlungstages darf er das Kind kurz auf den Arm nehmen. Mehr geht nicht: „Die Sicherheitsvorschriften”, erklärt der Wachtmeister. „Das tut mir auch weh.”
Bis auf Weiteres wird die Familie allerdings getrennt bleiben. Weitere Verhandlungstermine sind angesetzt. Der nächste ist erst am 28. Oktober. Bis zu einem Urteil dürfte also noch einige Zeit vergehen.
