Im Künstlerbunker zeigen Nelly und Tobias Schmücking, wie faszinierend ähnlich ihre künstlerischen Blicke auf die Welt sind.
Pinguine, einsame Hunde und die ZeitZwei Cousins zeigen ihre Sicht auf Tiere im Künstlerbunker

Tobias Schmücking vor seiner Videoarbeit mit drei japanischen Winkekatzen, die fragmentarisch auf alten Studiomonitoren zu sehen sind.
Copyright: Charlotte Breidohr
Öffnen Besucher die Tür zum Künstlerbunker auf der Karlstraße in Opladen, um sich die neue Ausstellung „Pinguine, einsame Hunde und die Zeit“ anzusehen, begegnen ihnen zunächst Tiere: ein Hund, geformt aus Holz und transparentem Kunststoff, eine Gruppe Pinguinskulpturen oder verpixelte japanische Winkekatzen als Videodauerschleife auf alten Studiomonitoren. Man muss häufig genau hinschauen, um die Tierdarstellungen zu entdecken – bei einigen löst man das Rätsel erst, wenn man die Objektbeschreibung liest. Tiere, das sind eines der verbindenden thematischen Elemente der neuen Ausstellung der Cousins Nelly und Tobias Schmücking im Künstlerbunker Opladen, die von Erinnerung, Vergänglichkeit und der Frage, wie sich Zeit sichtbar machen lässt, erzählt.
Für Tobias Schmücking (56) ist die Rückkehr nach Leverkusen auch eine persönliche: Der heute in Köln lebende Künstler und Filmemacher hat bis 2007 hier gelebt und kennt den Künstlerbunker seit vielen Jahren. „Ich habe schon an vielen Orten ausgestellt, diese Location hat mir noch gefehlt“, sagt er. Umso mehr freue er sich, nun gemeinsam und zum ersten Mal mit seiner Cousine Nelly auszustellen, die in Leipzig wohnt.
Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Obwohl beide künstlerisch sehr unterschiedlich arbeiten, haben sie sich zuletzt mit ähnlichen Themen beschäftigt: dem Tier. Während Nelly Schmücking dessen Gestalt plastisch erforscht, nähert sich Tobias Schmücking dem Motiv über Fotografie, Zeichnung, Film und digitale Bildbearbeitung.
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Tiere zwischen Präsenz und Fragment
Nelly Schmücking (41), die als Biologin und Kunsthistorikerin ausgebildet wurde, zeigt im Künstlerbunker zwölf Tierplastiken. Ihre Arbeiten bestehen aus Holzstücken, Draht oder transparentem Kunststoff. Die Tiere wirken zugleich vollständig und fragmentarisch. Obwohl Teile ihrer Körper fehlen oder nur angedeutet sind, erkennt man sie sofort. Ein lebensgroßer Hund gehört ebenso zur Ausstellung wie eine Gruppe von Pinguinen und verschiedenen Vogelarten. Andere Arbeiten sind deutlich kleiner. Gerade dieser Wechsel zwischen Präsenz und Fragilität mache den Reiz ihrer Skulpturen aus.

Der „Little Black Dog“ von Nelly Schmücking ist eine der rund zwölf Tierplastiken, die gezeigt werden.
Copyright: Charlotte Breidohr
„Man wird durch diese Poetik hin und her geworfen“, beschreibt Tobias Schmücking die Arbeiten seiner Cousine. Die Tiere erscheinen vertraut und zugleich rätselhaft. Ihre Körper wirken durchlässig, dennoch strahlen sie in der kargen Architektur des Künstlerbunkers eine überraschende Lebendigkeit aus. Die Verbindung zwischen den Werken der beiden Künstler zeigt sich sogar in einem Motiv, das unabhängig voneinander entstanden ist: der einsame Hund. Bei beiden taucht er auf, einmal als plastische Figur und einmal als Bildmotiv. Ein Zufall, der die gemeinsame Themenwelt der Ausstellung unterstreicht.
Wenn Zeit sichtbar wird
Während Nelly Schmücking Tiere formt, versucht Tobias Schmücking, künstlerisch etwas festzuhalten, das sich eigentlich nicht greifen lässt: Zeit. „Auf verschiedene Arten und Weisen beschäftige ich mich mit dem Thema. Ich habe aber keine Uhren fotografiert oder sonst etwas“, sagt der Kölner. Stattdessen steckt Zeit oder Zeitfährten in seinen Arbeitsprozessen selbst. In Fotografien werden Bewegungen zu Spuren. In Zeichnungen entsteht Raum erst durch die Dauer des Entstehens. In einem fünfminütigen Videoloop wachsen digital entstandene Linien langsam zusammen und werden so zu einem Kunstwerk.
Besonders experimentell sind Schmückings jüngste Arbeiten. Sie entstanden in einer Dunkelkammer auf klassischem Fotopapier. Dort zeichnet Schmücking – ohne selbst etwas zu sehen – mit eigens umgebauten Mini-Taschenlampen. Die Lichtpunkte erzeugen schwarze Linien und mit chemischem Fixiermittel entstehen weiße Linien. „Ich habe noch niemanden getroffen, der das gemacht hat. Ich sehe erst nach einer Stunde, was ich da gemacht habe“, erzählt er.
Neben diesen neuen Zeichnungen zeigt der Künstler Fotografien und zwei Videoinstallationen. Einige Arbeiten beschäftigen sich mit Erinnerungen, andere mit Bewegungsunschärfen oder digitalen Verfremdungen. Eine Serie entstand aus Tierfilmen: Schmücking montierte jeweils 25 Bilder desselben Tieres zu einer neuen, eigenständigen Gestalt. Aus den Einzelbildern entsteht so etwas völlig Neues, irgendwo zwischen Dokumentation und Fantasie.
Wer sich jedoch auf die Arbeiten einlässt, entdeckt eine Ausstellung voller Details und überraschender Verbindungen. Die meisten Kunstwerke sind käuflich zu erwerben. Eine Preisliste liegt im Künstlerbunker aus.
Info und Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Pinguine, einsame Hunde und die Zeit“ wird vom 21. Juni bis 8. Juli 2026 in der Galerie Künstlerbunker in Leverkusen-Opladen gezeigt. Zur Vernissage am Sonntag, 21. Juni, sind von 11.30 bis 15 Uhr alle Interessierten eingeladen. Die Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag und Samstag von 16 bis 18 Uhr, Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Einer der Künstler wird an den Sonntagen anwesend sein. Bei der Eröffnung sind beide Künstler vor Ort. Die Finissage findet am Mittwoch, 8. Juli, um 19.30 Uhr statt. (chb)
