Druck auf PolitikVereine drängen auf Baustopp im Sülztal bei Rösrath und Overath

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Gewerbegebiet Untereschbach 120821

Seit März 2017 ist bekannt, dass Overath ein neues Gewerbegebiet in der Sülzaue plant, seither gibt es auch Proteste.

Overath/Rösrath – Sülzauen und Sülzbogen sind seit der Hochwasser-Katastrophe im Juli ein großes Thema in Overath und Rösrath, gegen eine mögliche Bebauung der Flächen formiert sich noch vehementerer Widerstand, als bereits in der Vergangenheit.

Blühwiesen könnten zur Naherholung entstehen

Der Bergische Naturschutzverein (RBN) verweist auf ein Schreiben, das er in Bezug auf die Sülzauen zwischen Untereschbach und dem ehemaligen Fröling-Gelände bereits 2019 an den damaligen Overather Bürgermeister Jörg Weigt gerichtet hatte. Darin schreibt der RBN-Vorsitzende Mark vom Hofe: „Uns ist bekannt, dass die Stadtentwicklungsgesellschaft Sego dort Grundstücke aufkauft mit dem Ziel, sie für ein Gewerbegebiet nutzen zu können. Diese Planung lehnen wir ab.“

Stattdessen solle der Bereich zu einem Muster-Biotop entwickelt werden. Das Sülztal in West-Ost-Ausrichtung müsse von weiteren Barrieren wie Lager- oder Produktionshallen offen gehalten werden, um den für die Siedlungsbereiche notwendigen Luftaustausch sicherzustellen. Zudem entstehe durch das Wasser Kaltluft, die in den immer weiter zunehmenden Wärmeperioden als Klima- und Temperatursenke fungiere.

Das landwirtschaftliche Gelände sei hervorragend zu bewirtschaften, hier könnten artenreiche Blühwiesen entstehen. Dies ließe sich auch im Sinne der Naherholung für die Bevölkerung umsetzen, Menschen aus Untereschbach und Steinenbrück sowie Lehmbach und Hellenthal frequentierten den Ort häufig, erst recht, wenn der Agger-Sülz-Radweg verwirklicht werde, schreibt der RBN.

Neuer Flächennutzungsplan von Verein befürwortet

Der Verein „Lebenswertes Sülztal“ begrüßt den Vorstoß von Bürgermeisterin Bondina Schulze und Bauezernent Christoph Herrmann, den Flächennutzungsplan so zu ändern, dass im Sülzbogen keine Bebauung mehr zulässig ist. Der Vorschlag sei nicht neu, dies werde schon seit Jahren gefordert. Vorangegangen sei eine Politik, mit der seit vielen Jahren die Bebauung Schritt für Schritt in Richtung Sülz vorangetrieben und die komplette Bebauung des Sülzbogens angestrebt wurde.

Dies sei, schreibt der Verein, zum Glück immer wieder am Widerstand der Anwohner gescheitert – sonst wäre jetzt schon wie in anderen Teilen der Sülzaue alles zugebaut und versiegelt. Klar sei, dass der Retentionsraum am Sülzbogen einen Beitrag zum Hochwasserschutz leiste, aber alleine völlig unzureichend sei. Trotz des Damms würden diese Flächen im Sülzbogen bei Hochwasser schon immer durch Regen und aufsteigendes Grundhochwasser überflutet.

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Die beabsichtigte Änderung des FNP, so der Verein „Lebenswertes Sülztal“, erkenne endlich den Raum an, den die Sülz sich bei Hochwasser schon selber nehme. Es sei nur folgerichtig, den Sülzbogen von Bebauung freizuhalten, auch wenn dies als Maßnahme gegen Hochwasser noch nicht genüge. Der Verein weiter: „Wir erwarten, dass alle Fraktionen in den politischen Gremien den Weg freimachen für diese notwendige Änderung des FNP. Wir werden, vor, während und nach den Hochwasser-Informationstagen am 11./12. September zusätzlich zu unseren bisherigen Forderungen weitere Vorschläge unterbreiten, um Leib, Leben und Vermögen der betroffenen Anwohner zu schützen und ein lebenswertes Sülztal zu sichern.“

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