Jugendhilfeausschuss vertagt Entschluss für Offene Kinder- und Jugendarbeit aus Mangel an Informationen
SozialesTrägerfrage der Offenen Kinder- und Jugendarbeit weiterhin offen

Ob die Stadt ab 2027 für die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Overath zuständig sein wird, ein freier Träger oder sogar beides, steht noch nicht fest.
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Wie soll es mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit weitergehen? Mit dieser Frage hat sich der Overather Jugendhilfeausschuss jüngst beschäftigt. Nachdem vergangenes Jahr die Katholische Kirchengemeinde den Trägervertrag aus Kostengründen kündigte, entschied sich der Stadtrat dafür, dass die Stadt sich für ein Jahr dieser Aufgabe annimmt (wir berichteten). Wie Jens Volkmer, Amtsleiter für Jugend, Bildung und Sport, erklärte, muss die Politik nun im Laufe dieses Monats entscheiden, wie es weitergehen soll, damit, für den Fall einer Ausschreibung, noch rechtzeitig ein neuer Träger gefunden werden kann. Die vorläufige Trägerschaft der Stadt beläuft sich nämlich auf ein Jahr und somit auch der Stellenplan für das Personal.
Die Verwaltung hat deshalb drei Vorgehensweisen präsentiert. In Variante eins wird ein neuer freier Träger gesucht. Variante zwei wäre, dass die Stadt Träger bleibt und Variante drei stellt eine Mischlösung dar. Dabei wäre die Stadt Overath „mit reduziertem Personalaufwand, verantwortlich und federführend, ergänzt aber das Angebot indem zusätzlich freie Träger beauftragt werden“, heißt es in der Vorlage.
Vor- und Nachteile im Blick
Die Verwaltung stellte auch Vor- und Nachteile der Varianten dar. So wären die Kosten bei einem freien Träger kalkulierbar und die Verwaltung würde entlastet, allerdings hätte die Stadt begrenzte Steuerungsmöglichkeiten, was das Konzept betreffe, weniger Reaktionsmöglichkeiten auf finanzielle Probleme und jugendpolitische Veränderungen und die Vergabe und das Controlling wären aufwendig.
Mehr Steuerungsmöglichkeit hätte die Stadt, wenn sie selbst Träger bleibt und die Kosten seien ebenfalls übersichtlicher. Allerdings seien die Mittel durch Personal- und Sachkosten gebunden, so dass finanzielle Flexibilität nur eingeschränkt möglich wäre. Zudem wären freie Träger und Bürger weniger eingebunden und die Kosten für das städtische Personal seien recht hoch. Wenn Personal ausfalle, sei das nur schwer zu kompensieren.
Deshalb bevorzugt die Verwaltung eine Hybridlösung. Die Hauptsteuerung übernähme die Kommune und Angebot und Konzept könnten flexibel gestaltet werden. Wie Volkmer erklärte, sei das auch hinsichtlich der Evaluation, die von 2022 bis 2024 durchgeführt wurde, woraufhin man sich einigte, das Angebot flächendeckender zu gestalten, von Vorteil. Es könnten mehrere freie Träger nach Bedarf beauftragt werden, ohne aufwendige Vergabeverfahren und Haushaltsmittel könnten direkt in Angebote, Projekte und Beteiligungsformate fließen. So könne man laut Volkmer auch das Ehrenamt stärken. Wenn Personal ausfalle, könnte das durch freie Träger mitkompensiert werden. Der Nachteil sei, dass das Modell eine intensive und flexible Steuerung von der Verwaltung verlange und man von den Kapazitäten freier Träger abhängig wäre.
Hans Schlömer (SPD) erklärte, dass sich seine Fraktion schwer tue mit dem Vorschlag. „Wir haben vergangenes Jahr im Rat beschlossen, die Trägerschaft neu auszuschreiben. Damals hatten wir noch genügend Zeit, aber es war nicht so gemeint, dass sich die Verwaltung bis Juni Zeit lässt mit der Ausschreibung.“ Schlömer erklärte, dass die SPD erheblichen Beratungsbedarf habe und man vorerst nicht abstimmen wolle. Mit einer so kurzen Vorlage und ohne lange Bedenkzeit sei das Risiko zu hoch, die falsche Entscheidung zu treffen. Die SPD bat auch, den Arbeitskreis Jugendarbeit mit einzubeziehen. Wenn bis zum Stichtag keine Entscheidung gefallen sei, falle man eben auf den Beschluss zurück und müsse ausschreiben. Volkmer meinte, dass im Beschluss nur die Trägerschaft der Stadt festgehalten sei, nicht die Ausschreibung.
Fragenkatalog erstellt
Als nicht konkret genug empfand auch die FDP die Vorlage, wie Petra Schaun-De Jong sagte. „Welchen Bereich übernimmt die Stadt und welche freie Träger, gibt es bereits Kontakt zu freien Trägern, die sich bereit erklärt haben? Uns fehlt das Konzept für einen Beschluss“, sagte sie zur Hybridvariante und verkündete ebenfalls Beratungsbedarf. Ihre Fraktion habe einen Fragenkatalog erstellt, den die Verwaltung nutzen könne, um Klarheit zu schaffen.
Frank Jilly (Grüne) sah das genauso und wollte nichts „übers Knie brechen“. Auch er fand, dass der Arbeitskreis dazu befragt werden sollte, schließlich seien sie die Experten und bisher maßgeblich an den Entscheidungen rund um die Offene Kinder- und Jugendarbeit beteiligt gewesen. Außerdem beantragte er, dass noch einmal jemand aus der Jugendarbeit in den Ausschuss kommt, um über die Entwicklungen unter der Trägerschaft der Stadt zu berichten.
Träger müssen Expertise haben
Für Hartmut Kohkemper (CDU) stand fest, dass es sinnvoll sei, den Arbeitskreis zu befragen. „Das sind wichtige Fragen, die gestellt werden müssen.“ Zudem hielt er es für entscheidend, dass die freien Träger, die flexibel eingesetzt würden, auch Expertise in der Jugendarbeit vorweisen könnten, denn „Jugendhilfe ist nicht gleich Jugendhilfe“.
Volkmer berichtete, dass die Ausschreibung vorbereitet sei und schlug vor, dass man sie startklar mache, falls es nicht zur einer Entscheidung vor Fristablauf komme. Für den Arbeitskreis werde ein neuer Termin angesetzt und er würde die Kollegen der Ojo bitten, noch einmal zu berichten.
Von Seiten der freien Träger merkte Rita Stegmann-Rönz vom Paritätischen Wohlfahrtsverband an, dass es das Ziel sein sollte, einen freien Träger zu gewinnen. Schließlich hätten auch diese Schwierigkeiten mit der Finanzlage und Personal. „Ich würde als Träger bei Ausdrücken wie, Steuerungshoheit bleibt bei der Stadt’ oder ,flexibles Budget’ gerne vorher wissen, wie viel Trägerhoheit ich habe, wenn ich mich bereit erkläre, so etwas zu machen.“ Volkmer gab Stegmann-Rönz recht und versicherte, dass solche Fragen mit den Trägern durchgesprochen würden.
