Vorstand zieht Notbremse1. Efferener KG sagt alle sieben Karnevalssitzungen ab

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In einer mobilen Veranstaltungshalle feierten die Efferener zuletzt im Jahr 2020. Diesmal sollten die Sitzungen auf dem Euronova Campus stattfinden.

Hürth – Die Vorfreude bei den Karnevalisten aus Efferen auf die kommende Session war groß: Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wollte die 1. Efferener KG wieder vor vollen Reihen mit den Jecken Fastelovend feiern. Doch der Kartenverkauf lief schlecht. Jetzt hat der Vorstand die Notbremse gezogen und alle sieben Sitzungen für die kommende Session abgesagt.

Die Absage kommt selbst für viele Karnevalisten überraschend. Erst kürzlich hatten die Efferener noch Plakate an die Laternen gehängt, um für die vier Damen- und zwei Herrensitzungen sowie die Prunksitzung zu werben und auf den neuen Veranstaltungsort hinzuweisen. Weil die Standorte für eine mobile Veranstaltungshalle in Efferen, in die die EKG nach der Schließung von Haus Burgpark ausgewichen war, nicht mehr bereitstehen, sollten die Sitzungen in die Eventhalle Studio 1 auf dem Euronova Campus in Kalscheuren verlegt werden.

Absage an Brings, Höhner, Cat Ballou, Kasalla und Guido Cantz

Dort hätten jeweils gut 1200 Besucherinnen und Besucher mit den Stars des Kölner Karnevals wie Brings, Höhner, Cat Ballou, Kasalla und Guido Cantz feiern können. Kartenpreis: 45 Euro.

Doch Ende vergangener Woche beschloss der Vorstand die Absage. Die Mitglieder wurden darüber am Wochenende per E-Mail informiert. Darin heißt es: „Die momentan schwierige Lage im Zuge der stetig steigenden Kosten spiegelt sich leider auch in der Auslastung unserer Veranstaltungen wider, weshalb diese wirtschaftlich nicht mehr durchführbar sind.“

Weniger als 500 der 1200 Karten für Prunksitzung in Hürth waren verkauft

„Der Kartenverkauf lief schlecht, das wirtschaftliche Risiko ist für uns nicht tragbar“, sagt Norbert Matt, Vorsitzender und Präsident. „Bis dato hatten wir immer schon im April 70 Prozent der Karten für die neue Session verkauft. Das war sogar noch 2020 so. Davon sind wir kilometerweit entfernt.“

Zahlen wollte Matt nicht nennen, aber das Buchungssystem, das am Montag noch auf der Internetseite der KG einzusehen war, zeigte für alle Sitzungen jede Menge verfügbare Plätze an. Laut System waren etwa für die Prunksitzung am 21. Januar weniger als 500 Karten verkauft. „Wir haben die Buchungszahlen täglich verfolgt“, erklärt Matt. Dem Vorstand sei nichts anderes übrig geblieben, als die Reißleine zu ziehen. Schließlich müsse auch den Künstlern abgesagt werden. Darum kümmere sich die beauftragte Agentur. Die Kartenkäufer sollen angeschrieben und informiert werden.

Hürther KG macht Wirtschaftslage für die schwache Nachfrage verantwortlich

Die Gründe für den schlechten Kartenverkauf sieht der KG-Vorsitzende in den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Die Leute haben schlicht und ergreifend Angst. Wenn die an ihre Gas- und Nebenkostenabrechnungen denken, dann sagen die sich: Karneval feiern geht eben nicht.“

Die Zurückhaltung spüren auch andere Gesellschaften. So hat die Große Knapsacker KG nach Angaben ihres Vorsitzenden Thomas Georg erst zwei Drittel der Karten für die fünf Sitzungen im Feierabendhaus – eine Damen- und vier Prunksitzungen – verkauft. Jeweils 720 Jecke können dort feiern. „Früher waren am Ende der Session schon die Sitzungen für die nächste Session ausverkauft“, erinnert sich Georg.

Corona, Preissteigerungen und der Krieg hätten aber zu einer großen Verunsicherung geführt. „Mit dem Problem haben ja alle Veranstalter zu kämpfen, nicht nur im Karneval.“ Aktuell zögen die Kartenverkäufe aber wieder an. „Wir gehen auf drei Viertel zu“, so Georg. „Stand jetzt werden alle Sitzungen stattfinden.“

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Der Kartenverkauf laufe schleppend, das berichtet auch Frank Tesch, Vorsitzender der Funken Rot-Weiß Gleuel. Obwohl bereits zwei Sitzungen abgesagt werden mussten, weil die 600 Besucher fassende Festhalle in Gleuel wegen der Dachsanierung erst im neuen Jahr wieder zur Verfügung stehen wird, sind auch für die Damen-, Herren- und Kostümsitzungen dort im Januar und Februar erst 75 Prozent der Karten verkauft.

„Wir hoffen, noch auf 100 Prozent zu kommen“, so Tesch. Er sieht den Karneval vor einigen schwierigen Jahren: „Wir müssen uns Gedanken machen über neue Konzepte mit weniger Programmpunkten, dafür aber günstigeren Karten.“

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