Das techHAUS ist vor allem ein Angebot für Unternehmen im Rheinischen Revier, aber auch für Kommunen, Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürger.
Einsatz von KI & Co.Im techHAUS in Hürth können Firmen Technologien testen

Die Antenne für die Katastrophenkommunikation auf einem Gebäude am Euronova Campus.
Copyright: FIT
Hürth wächst als Standort für zukunftsweisende Technologien: Am gestrigen Donnerstag wurde das sogenannte techHAUS.NRW in Hürth eröffnet, ein neues Projekt des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT).
Eröffnung mit Wirtschaftsministerin Neubaur
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur eröffnete es auf dem Euronova-Campus und überreichte Prof. Wolfgang Prinz und Lisa Klug vom Fraunhofer-Institut, die das techHAUS leiten, einen Förderbescheid über 7,15 Millionen Euro. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen des Bundes.
Ministerin Neubaur wird in einer Mitteilung des Ministeriums wie folgt zitiert: „Kein Betrieb sollte erst Geld ausgeben müssen, um herauszufinden, ob sich KI für ihn lohnt.“ Im techHAUS gehe es andersherum: „Erst ausprobieren, dann entscheiden“, so Neubaur.
Klug betont: „Der Druck zu digitalisieren ist groß, doch zwischen Tagesgeschäft und rasantem Technologiefortschritt fehlt oft der Überblick, wo man anfangen soll.“ Den Einstieg finde man gemeinsam, und zwar nicht über die Technologie, sondern über die Frage, welches Problem ein Unternehmen lösen möchte. Innerhalb von zwei Wochen zeige man dann mit einem Prototypen, wie die Lösung in der Praxis aussehen könnte. Die Erkenntnisse daraus mache man auch für andere Betriebe nutzbar. „So profitiert die ganze Region.“
Nicht nur eine Technologie im Vordergrund
Wie Wolfgang Prinz im Gespräch mitteilte, sei der Vorgänger des techHAUS das Blockchain-Reallabor, das im Rahmen des Strukturwandels gegründet wurde. Statt einer einzelnen Technologie wolle man nun ein Angebot für die Wirtschaft und für die Unternehmen machen, sagte Prinz, der aus Hürth kommt und in Knapsack aufgewachsen ist. Damit stehe nicht mehr eine Technologie im Vordergrund. Der Ansatz sei, die Probleme von Unternehmen auszumachen, um dann zu schauen, welche Technologien ihnen helfen können.
Das techHAUS soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen im Rheinischen Revier helfen, digitale Technologien kennenzulernen und sinnvoll einzusetzen, heißt es vonseiten des FIT. Dazu gehören beispielsweise künstliche Intelligenz, Automatisierung und Technologien, die digitale Inhalte mit der realen Welt verbinden. In Workshops und bei Vorführungen können Betriebe die Möglichkeiten ausprobieren und prüfen, ob sich deren Einsatz für sie lohnt. So sollen Fehlinvestitionen vermieden und neue Ideen schneller umgesetzt werden. Das Angebot richtet sich auch an Kommunen, Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürger.
Praxisbeispiele aus dem techHAUS
Wie die Arbeit im techHAUS aussehen kann, zeigt ein Projekt zur Suche nach der Ursache der wiederkehrenden Geruchsbelästigungen vor allem in Hürth und Brühl. Bürgermeister Dirk Breuer sei dafür auf das AI Village und das techHAUS zugegangen, so Prinz. Mit dem AI Village haben die Experten eine Anwendung entwickelt, die Geruchsmeldungen mit Wetterdaten verknüpft. Dafür wurden zunächst 817 Meldungen von Anfang Juli bis Mitte August aus Brühl und Hürth ausgewertet. Eine Künstliche Intelligenz hilft dabei, die beschriebenen Gerüche zu vergleichen. Die Ergebnisse sollen schließlich den Behörden helfen, die Ursache einzugrenzen.

Prinz (l.) und Breuer (M.).
Copyright: Stadt Hürth
Ein weiteres Projekt: Die Kommunikation bei Katastrophen. Bei einer größeren Katastrophe müsse man damit rechnen, dass mit dem Strom auch das Internet ausfällt und die Menschen nicht mehr kommunizieren können, erläutert Prinz. Nun habe man eine Lösung, die auch noch breitbandig Datenkommunikation zulasse. Dafür habe man bereits testweise eine Verbindung zwischen dem Fraunhofer-Institut in Bonn und dem Euronova-Campus über eine Entfernung von fast 40 Kilometern aufgebaut. Auf einem Gebäude sei eine Antenne installiert und nach Bonn ausgerichtet worden. Das soll in Hürth weiter ausgebaut werden. Die Geräte können mit Solarpanels und Batterien betrieben werden.
Im Hinblick auf die Entwicklung von Software mit Hilfe von KI spricht Wolfgang Prinz von einem Quantensprung. Früher habe man wochenlang an irgendwelchen Dingen programmiert, inzwischen gehe das in Stunden. „Das Limit ist eigentlich nur noch die eigene Kreativität.“ Er sieht jedoch auch die Gefahren. Natürlich könne die KI auch dazu genutzt werden, Dinge mit vernichtendem Charakter zu entwickeln. „Man müsste sie abschalten können. Es darf nicht so sein, dass, wenn wir sie abschalten, gewisse Prozesse nicht mehr funktionieren, die lebensnotwendig sind.“ (eva mit rag)
