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Nach drei JahrenProzess um überfahrenen Jungen in Pulheim soll im Herbst beginnen

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Ein weiß lackiertes Geisterfahrrad am Paul-Decker-Platz erinnert an den tödlichen Unfall.

Ein weiß lackiertes Geisterfahrrad am Paul-Decker-Platz erinnert an den tödlichen Unfall.

Der Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Bergheim hatte sich mehrfach verzögert, unter anderem, weil eine Richterin befangen war.

Ein konkretes Datum nennt die Direktorin des Amtsgerichts Bergheim, Dr. Gabriele Schotten, nicht. Auf wiederholte Anfrage dieser Redaktion teilte sie nun schriftlich mit, dass der Prozess um den Tod des zehnjährigen Schülers Henry in den nächsten Monaten beginnen wird (Az: 50 Ds 73/24). „Aktuell wird ein Termin für eine Hauptverhandlung abgesprochen, angedacht ist der Herbst.“

Pulheim: Lange Verfahrensdauer ist „sehr belastend“

Am 18. September 2023 hat ein Lkw den Zehnjährigen am Paul-Decker-Platz in Pulheim überrollt. Der Junge, der das Geschwister-Scholl-Gymnasium besucht hat, starb wenige Stunden später in einem Krankenhaus. Im Herbst 2024 hatte die Staatsanwaltschaft Köln gegen den Fahrer Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Die Direktorin des Amtsgerichts räumt ein, dass die lange Verfahrensdauer für alle Beteiligten „sehr belastend“ sei. In einer E-Mail an die Redaktion geht sie auf die Gründe ein. Ein Richterwechsel in der zuständigen Abteilung und „der Umstand, dass bei der dann zuständigen Richterin eine persönliche Nähe zu einem der Verfahrensbeteiligten bestand, sodass einem Ablehnungsgesuch stattgegeben worden ist, haben dazu beigetragen, dass das Verfahren im Jahr 2025 noch nicht verhandelt werden konnte“.

Ferner sei der ehemals zuständige Richter zum Ende des Jahres 2025 in den Ruhestand gegangen, sodass es einen erneuten Richterwechsel gegeben habe. „Der nunmehr zuständige Richter hat mit Beschluss vom 5. Mai 2026 das Hauptverfahren eröffnet und damit deutlich gemacht, dass nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen der Angeklagte einer Straftat hinreichend verdächtig erscheint.“

Die Nachricht vom Tod des Jungen hatte viele Menschen erschüttert. Zu Hunderten waren Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer einem Aufruf des Aktionsbündnisses Kidical Mass gefolgt. In einer kilometerlangen Demonstration forderten sie sichere Schulwege für Pulheim. Einer gleichnamigen Petition schlossen sich in kürzester Zeit mehr als 10.000 Unterstützer an. An das Unglück erinnern auch nach all den Jahren ein weiß lackiertes Fahrrad und eine Gedenkstätte mit Zeichnungen, Plüschtieren, Tafeln mit Sprüchen und batteriebetriebenen Grablichtern.