Hyperscaler sollen Jobs im Revier schaffen. Volker Mießeler, Sascha Solbach und Andreas Heller sagen, was die Ansiedlung bedeuten kann.
Microsoft-SpatenstichDie Vision der Bürgermeister für Bergheim, Bedburg und Elsdorf

Im Rampenlicht: Die Bürgermeister von Bergheim, Elsdorf und Bedburg, Volker Mießeler, Andreas Heller und Sascha Solbach im Gespräch mit Agnes Heftberger (l.), Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland.
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Der Spatenstich am Donnerstag, 12. März, für ein Rechenzentrum von Microsoft zwischen Bergheim-Paffendorf und -Glesch markiert den sichtbaren Auftakt für den Strukturwandel unter dem Motto „Von der Kohle zur KI“. Nicht nur in Bergheim, auch in Bedburg und Elsdorf sollen solche Hyperscaler entstehen und weitere Unternehmen anlocken – und so neue Arbeitsplätze als Ersatz für die wegfallenden Jobs in der Braunkohle schaffen. Die drei Bürgermeister haben für uns skizziert, wie ihre Stadt in zehn Jahren aussehen könnte.
Volker Mießeler (CDU), Bürgermeister von Bergheim
Die Ansiedlung von Microsoft ist für Bergheim ein zentraler Schritt für die zukünftige Entwicklung unserer Stadt und der gesamten Region. Sie steht beispielhaft für den Wandel, den das Rheinische Revier derzeit erlebt. Jahrzehntelang war unsere Region stark vom Tagebau geprägt. Jetzt entstehen Schritt für Schritt neue wirtschaftliche Perspektiven.

Volker Mießeler (CDU) ist Bürgermeister von Bergheim.
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Rechenzentren sind heute ein elementarer Bestandteil der digitalen Infrastruktur. Sie bilden das Rückgrat für Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz und viele Anwendungen, die in Wirtschaft, Verwaltung und Alltag selbstverständlich geworden sind. Dass ein weltweit führendes Unternehmen wie Microsoft diesen Standort wählt, zeigt, dass unsere Stadt und unsere Region im Strukturwandel attraktiv ist und international wahrgenommen wird.
Die Auswirkungen gehen weit über das einzelne Projekt hinaus. Diese Ansiedlung in dieser Größenordnung wird eine echte Sogwirkung entfalten. Sie stärkt den Standort und schafft neue Anknüpfungspunkte für Innovation, Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und weitere wirtschaftliche Entwicklungen in der Region. Damit entstehen auch neue Perspektiven für Projekte und Initiativen, die den digitalen und technologischen Wandel im Rheinischen Revier voranbringen. Der Strukturwandel wird dadurch Schritt für Schritt greifbar.
In zehn Jahren wird Bergheim eine wirtschaftlich starke Stadt sein, die weiterhin ihren lebenswerten und liebenswerten Charme erhält, mit starker regionaler Identität. Gleichzeitig werden digitale Infrastruktur, neue Technologien und innovative Unternehmen eine deutlich größere Rolle spielen. Entscheidend ist für mich, dass dieser Wandel konkrete Perspektiven für die Menschen vor Ort schafft. So wird zum Beispiel die Entstehung eines hochmodernen, innovativen Digitalparks bis zu 2500 Arbeitsplätze schaffen, vornehmlich in den Segmenten Energie, Landwirtschaft 4.0 und eisenbahnaffine Leistungen.
Die Entwicklung der 240 ha großen Fläche des heutigen Kraftwerks wird unserer Stadt einen neuen multifunktionalen Mittelpunkt verschaffen. Moderne Neubaugebiete – dezentral in den Stadtteilen verteilt – sorgen für notwendigen attraktiven und bezahlbaren Wohnraum. Infrastruktur, sei es Freizeit, Sport, Bildung oder Kultur werden von Anfang an mitgedacht. Mobilität wird durch schienengebundene und autonom fahrende Angebote ergänzt. Bei alledem wird die Ansiedlung eines weltweit führenden Tech-Unternehmens diese Entwicklung durch seine enorme Sogwirkung und Strahlkraft positiv beeinflussen.
Sascha Solbach (SPD), Bürgermeister von Bedburg
Wenn wir über den „Gamechanger“ Microsoft sprechen, dann geht es für mich nicht nur um ein einzelnes Unternehmen oder ein großes Rechenzentrum. Es geht um eine Entwicklung, die unsere gesamte Region prägen wird. Der oft zitierte Satz „Von der Kohle zur KI“ wird dann tatsächlich Wirklichkeit geworden sein.

Sascha Solbach (SPD) ist Bürgermeister von Bedburg.
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Heute sind noch rund 3000 Bedburgerinnen und Bedburger in ihrem Job von der Braunkohle abhängig. Das zeigt, wie tief diese Industrie unsere Region geprägt hat. In zehn Jahren werden wir hier eine neue Perspektive geschaffen haben – für genau diese Menschen, aber auch für die jungen Menschen, die heute noch zur Schule gehen. Denn mit dem grundlegenden Wandel des Arbeitsmarktes entstehen auch neue Jobprofile. Der Strukturwandel ist dann nicht mehr nur ein politisches Schlagwort, sondern gelebter Alltag.
Die Ansiedlung von Microsoft entfaltet dabei eine enorme Sogwirkung. Wir werden Unternehmen aus der Cloud-Technologie, der digitalen Logistik oder aus forschungsnahen Bereichen in Bedburg finden. Vielleicht arbeitet dann jemand, der früher im Umfeld des Tagebaus beschäftigt war, in der technischen Betreuung eines Rechenzentrums, bei einem IT-Dienstleister oder in einem Unternehmen, das digitale Infrastruktur betreibt.
Gleichzeitig verändert sich auch das Gesicht unserer Landschaft. Die Tagebaue Hambach und Garzweiler verwandeln sich Schritt für Schritt in große Seenlandschaften. Die Bedburgerinnen und Bedburger nutzen erste Radwege und Freizeitangebote rund um das Wasser. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die Internationale Gartenausstellung 2037 rund um den Tagebau Garzweiler, die viele Besucherinnen und Besucher zu uns bringen wird.
Die Zeit der Braunkohle wird längst Vergangenheit sein, die Rechenzentren sind dann unsere Kraftwerke der Zukunft. Aus dieser Transformation entsteht eine neue Identität für unsere Region. Bedburg wird in zehn Jahren deshalb immer noch Bedburg sein – aber eine Stadt, die ihre Vergangenheit kennt und gleichzeitig mutig in die Zukunft gegangen ist.
Andreas Heller (CDU), Bürgermeister von Elsdorf
Microsoft in Elsdorf? Darüber hätte man vor zehn Jahren doch sicherlich nur gelacht. Tatsächlich gehen wir in Elsdorf aber seit rund einem Jahrzehnt sehr konsequent und mit großer Beständigkeit unseren Weg. Wir haben früh begonnen, uns strategisch auf den Strukturwandel vorzubereiten und die Chancen zu nutzen, die sich aus dieser Entwicklung ergeben. Was jetzt bei uns passiert, kommt für viele vielleicht überraschend – für uns ist es jedoch das Ergebnis einer langfristigen und klar verfolgten Strategie.

Andreas Heller (CDU) ist Bürgermeister von Elsdorf.
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Die Ansiedlung von Microsoft ist dabei ein bedeutender Baustein unseres Gesamtplans für die Zukunft der Stadt. Sie zeigt, welches Potenzial unser Standort heute hat und welches Vertrauen internationale Unternehmen inzwischen in Elsdorf setzen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, weitere großflächige Gewerbegebiete zu entwickeln, um auch anderen innovativen Unternehmen Raum für Wachstum und Ansiedlung zu bieten.
Parallel dazu treiben wir ein umfangreiches Stadtentwicklungsprogramm voran. Schritt für Schritt wird Elsdorf dadurch ein neues Gesicht bekommen – mit neuen Aufenthaltsqualitäten und einer Infrastruktur, die den Anforderungen der Zukunft gerecht wird. Besonders sichtbar wird der Wandel auch in unserer Landschaft. Dort, wo über Jahrzehnte der Tagebau das Bild geprägt hat, entstehen neue Räume für Natur, Freizeit und Lebensqualität. Hier wird künftig der Rhein in den Tagebau fließen.
Wir schaffen damit eine einzigartige Landschaft im Zeichen des Strukturwandels, die weit über die Region hinaus Strahlkraft entwickeln wird. Bis vor kurzem kannten wahrscheinlich nur wenige Menschen in Nordrhein-Westfalen die Stadt Elsdorf. Ich bin jedoch überzeugt: In zehn Jahren wird sie jeder kennen. An Elsdorf wird kein Weg vorbeiführen. Unser neues Stadtlogo bringt das treffend auf den Punkt: ELS – nowhere else. Oder, um es ganz kurz zu sagen: Elsdorf läuft.

