Alle in Bad Honnef aktiven Hilfs- und Rettungsorganisationen waren beim Bevölkerungschutztag in Aegidienberg aktiv.
BevölkerungsschutzAktionstag in Bad Honnef beweist Leistungsfähigkeit der Hilfsorganisationen

Mit ihren Rettungshunden: Nicole Herzog, Anja Opdenberg und Stephanie Ruhe vom DRK.
Copyright: Ralf Klodt
Diese Menschenretter haben eine feine Spürnase, tragen Fell, kommen auf vier Beinen daher und hören auf Namen wie Snoopy oder Woodstock: Stephanie Ruhe schaffte es am Sonntag in Aegidienberg, ihre insgesamt vier Hunde, die jedermann freundlich begrüßten, an Leinen zu führen, ohne dass sie sich verhedderten.
Ihre Rettungshunde sind – ebenso wie die übrigen zwölf schon geprüften „Kollegen“ des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Rhein-Sieg – gefordert, wenn Menschen in Not sind. Zum Einsatz kommen sie sowohl in der Fläche (beispielsweise bei der Suche nach orientierungslosen Menschen) oder in Trümmern (zum Beispiel bei eingestürzten Gebäuden). Und sie müssen alle ein freundliches Gemüt mitbringen, wie Anja Opdenberg, Leiterin der Rettungshundestaffel Rhein-Sieg, am Sonntag auf dem Aegidiusplatz erläuterte.
Die Leistungsfähigkeit der Hilfsorganisationen unter Beweis gestellt
Dort hatten alle in Bad Honnef aktiven Rettungs- und Hilfsorganisationen ihre Ausrüstung, ihre Fahrzeuge und ihre aktiven Männer und Frauen versammelt beim ersten Bad Honnefer Bevölkerungsschutztag. Die Stadt wolle damit die Leistungsfähigkeit und Vielfalt des Bevölkerungsschutzes in Bad Honnef deutlich machen, sagte Bürgermeister Philipp Herzog.
Die Botschaft sei: „Bad Honnef nimmt die Verantwortung für den Bevölkerungsschutz ernst.“ Zugleich wolle man die Bürgerinnen und Bürger für das Thema sensibilisieren, was den selbstverantwortlichen Schutz vor Krisen angeht. Das fängt beim Bevorraten von Trinkwasser und einigen Lebensmitteln an, wie Hilfsorganisationen seit Jahren an die Bürger appellieren.
Der Ortsverband Bad Honnef des Technischen Hilfswerks (THW) hatte in einem kleinen Regal, das neben dem tonnenschweren Gerätewagen unscheinbar wirkte, ein paar haltbare Lebensmittel aufgestellt. Auch Mieter kleiner Wohnungen könnten zumindest für ein paar Tage Vorräte lagern, betonte Christian Hoffmann, Leiter des THW Bad Honnef, dem rund 80 Aktive angehören.
Er erinnerte an – nur ein Beispiel – den Stromausfall in Berlin vor einigen Monaten. Ohne Elektrizität funktioniert in einer modernen Gesellschaft buchstäblich nichts mehr – kein Licht, keine Supermarktkasse, keine Tankstelle, kein Geldautomat und Internet sowieso nicht.

An der Reanimationspuppe konnten sich Besucher beim Malteser Hilfsdienst Bad Honnef versuchen.
Copyright: Ralf Klodt
Zur Vorsorge gehört auch das Thema Erste Hilfe, auf das der Sanitätsdienst des Malteser Hilfsdienstes (MHD) Bad Honnef aufmerksam machte. Mit auffälligen Kartons erinnerten die MHD-Mitstreiter daran, was in eine Hausapotheke gehört – unter anderem Verbandsmaterial, persönliche Medikamente, ein Fieberthermometer oder Schmerzmittel.
An zwei Reanimationspuppen konnten sich Besucher in der Wiederbelebung versuchen, ein Bestandteil jedes Erste-Hilfe-Kurses, dessen Absolvieren ebenfalls ein Beitrag zum Eigenschutz ist. 50 Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen in Königswinter und Bad Honnef sind zurzeit fit in Erster Hilfe – sie sind vom THW-Dienst als Schulsanitäter ausgebildet worden. „Da sind wir stolz drauf“, betonten Stadtbeauftragte Carina Frings und Zugführer Max Kornfeld.
Hochwasserboot der DLRG bei der Flut an der Erft im Einsatz
Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Bad Honnef/Unkel machte wie im Vorfeld angekündigt deutlich, dass sie viel mehr ist als ein Schwimmverein. Die Aktiven hatten ein Hochwasserboot des Kreisverbandes in den Bergstadtteil gebracht. Es war unter anderem 2021 bei der Flut in Erftstadt zur Evakuierung von Menschen im Einsatz, wie Jannis Knaden, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim rund 600 Mitglieder starken Ortsverband (davon 30 Aktive), erklärte.
Eine Spezialität des Gefährts: Es verfügt über Rollen und kann bei niedrigem Wasserstand, wenn der Außenborder nicht mehr hilft, geschoben werden. Dass die Ausstattung eines ehrenamtlich aktiven DLRG-Strömungsretters keine preiswerte Angelegenheit ist, machte die Mitglieder des Ortsvereins Bad Honnef/Unkel mit Preisschildern an einzelnen Komponenten deutlich: Helm 216 Euro, Prallschutzweste 254 Euro, Handschuhe 47 Euro...
Breiten Raum nahm beim Bevölkerungsschutztag das Deutsche Rote Kreuz – sowohl der Ortsverband Bad Honnef als auch der Kreisverband Rhein-Sieg – ein, zu dem weit mehr als die anfangs erwähnte Rettungshundestaffel gehört. So haben die Honnefer mit ihrer Spezialausrüstung die Bergrettung im Siebengebirge übernommen – ihr All-Terrain-Vehicel (ATV) war auf dem Aegidiusplatz geparkt. Sie stellen ferner über ihre Bereitschaft bei sogenannten Großschadenslagen die Verpflegung von Einsatzkräften wie der Feuerwehr sicher, aber auch die der Bevölkerung.
Die fahrbare Großküche des DRK Rhein-Sieg, die in nur 20 Minuten betriebsbereit ist und über die pro Stunde rund 500 Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen – oder im Katastrophenfall auch Bürgerinnen und Bürger – mit Getränken und Mahlzeiten versorgt werden können, war ebenfalls vor Ort.
Feuerwehr Aegidienberg rückte zu Einsatz auf der A3 aus
Natürlich war auch die Freiwillige Feuerwehr Bad Honnef mit Booten und Fahrzeugen dabei – die ausgefahrene Drehleiter war Blickfang des Bevölkerungsschutztages. Die Männer und Frauen leisten Hunderte Einsätze im Jahr und hatten für den Aktionstag den Schwerpunkt Waldbrandgefahr ausgewählt.
Während des Programms musste am Nachmittag der Löschzug Aegidienberg ausrücken: Auf der Autobahn 3 brannte ein Mercedes aus. Die Autobahn war über Stunden gesperrt, weil die Fahrbahn aufwendig gereinigt werden musste. Die Veranstaltung diente nach Aussage von Bürgermeister Philipp Herzog, der vor seiner Wahl beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) tätig war, nicht zuletzt auch dem Kennenlernen und Vernetzen der Hilfsorganisationen. Das Motto: „In der Krise muss man Köpfe kennen.“

