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Eigene Pferderasse gezüchtetWalter Feldmann gibt in Bad Honnef die Zügel aus der Hand

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Gestüt Feldmann richtet sich neu aus:  Walter Feldmann (r.) zieht sich langsam zurück, Sohn Frederic übernimmt.

Das Gestüt Feldmann richtet sich neu aus: Walter Feldmann (r.) zieht sich langsam zurück, Sohn Frederic übernimmt.

Das international renommierte Gangpferdezentrum Aegidienberg im Siebengebirge soll auf den Sohn Frederic (28) übergehen.

Welches Gestüt kann sich schon rühmen, eine eigene Pferderasse entwickelt zu haben? Das international renommierte Gangpferdezentrum in Bad Honnef-Aegidienberg jedenfalls kann’s: Auf der Anlage im Siebengbirge wird seit den 80er Jahren der Aegidienberger gezüchtet, eine Kreuzung aus Islandpferd und südamerikanischem Paso Peruano. Die Idee dazu hatte Gestütsgründer Walter Feldmann Senior, der in den 60ern den Betrieb gegründet hatte und zu den ersten gehörte, die Islandpferde von der nordischen Insel nach Deutschland importierten.

Eine Bronzestatue des Islandshengstes Vordur, Stammvater der Zucht, steht mitten auf dem Hof. Eine kleine Ausgabe werde noch heute vom Islandpferde Reiter- und Züchterverband IPZV an das beste deutsch gezogene Pferd verliehen, berichtet Walter Feldmann Junior. Er selber etablierte die Rasse sowohl als Züchter wie auch als erfolgreicher Turnierreiter und trug maßgeblich dazu bei, dass Islandpferde und Aegidienberger heute zu den beliebtesten Pferderassen in Deutschland gehören.

Die Statue des Hengstes Vordur, Stammvaters der Zucht, steht zentral auf der Anlage in Bad Honnef.

Die Statue des Hengstes Vordur, Stammvaters der Zucht, steht zentral auf der Anlage in Bad Honnef. Eine kleinere Ausgabe wird noch heute an erfolgreiche Züchter verliehen.

Nach 40 Jahren stellt sich das Gangpferdezentrum in Bad Honnef neu auf

Denn die kleinen, robusten Tiere, die vom Stockmaß her den Ponys zugeordnet werden, überzeugen nicht nur durch ihren Charakter, sondern vor allem durch ihr Gangvermögen: Haben „normale“ Pferde drei Gänge, legen diese Gangpferde noch einen vierten (Tölt) und oft noch einen fünften (Rennpass) drauf.

Das Gestüt Feldmann ist seit Jahrzehnten das Mekka für Gangpferdereiter. Rund 200 Pensionspferde leben hier.

Das Gestüt Feldmann ist seit Jahrzehnten das Mekka für Gangpferdereiter. Rund 200 Pensionspferde leben hier.

Nach 40 Jahren stellt sich das Gangpferdezentrum ein weiteres Mal neu auf: Der Junior, mittlerweile 76 Jahre alt, gibt den Betrieb in die Hände seines jüngsten Sohns Frederic (28). „Ein Übergang, kein Peng“, beschreibt es Walter Feldmann. „Die Idee ist, dass ich mich zurückziehen möchte.“ So ganz von den Pferden und der Arbeit lassen kann er noch nicht: Morgens um 6 Uhr ist er bereits auf Achse. „Da fahre ich los, nach den Pferden auf den Weiden gucken – das ist einfach schön.“

Zu groß geworden sei der Betrieb in den vergangenen Jahren, schildern Vater und Sohn. Im November 2023 übernahmen sie rund 100 Pferde des befreundeten Züchters Andreas Trappe, dazu die eigenen – viel Arbeit und Verantwortung, die Zucht immer auch ein finanzielles Risiko. Beide entschlossen sich daher, im Frühjahr, den Bestand deutlich zu reduzieren. 60 bis 80 eigene Pferde haben sie noch, „die Zucht ist ein Hobby“, sagt Walter Feldmann. „Aber Aegidienberger machen wir noch!“

Wellness auch fürs Pferd: Wassertreten gehört zur vielseitigen Anlage.

Wellness auch fürs Pferd: Wassertreten gehört zur vielseitigen Anlage.

Der Schwerpunkt soll in Zukunft auf dem Pensionsbetrieb liegen: 200 Pensionspferde sind auf dem großen Areal untergebracht, das große Gruppenpaddocks ebenso wie kleine Parzellen anbietet. Über die Jahre bauten die Feldmanns das Angebot für die Einsteller aus: verschiedene, teils überdachte Reitbahnen, Trailparcours, Longiermöglichkeiten, Reitschule, ein gemütliches Hofcafé, gemeinsame Ritte, Reitkurse, Turniere. Die Anlage sei „mit Herzblut“ angelegt, sagt Walter Feldmann, dessen vor drei Jahren gestorbene Ehefrau Marlies einen erheblichen Anteil daran trug.

Das Café richtete die verstorbene Marlies Feldmann liebevoll ein, es wird in ihrem Sinn weitergeführt.

Das Café richtete die verstorbene Marlies Feldmann liebevoll ein, es wird in ihrem Sinn weitergeführt.

Frederic Feldmann bereiste vier Jahre die Welt, um sich reiterlich fortzubilden

Beliebt ist die Anlage, die rund um das Gestüt zwei bis drei Hektar Weidefläche und weitere 100 Hektar in den näheren Region hat. Morgens um sechs Uhr, schildert Frederic Feldmann, komme der erste, um Mitternacht gehe der letzte. „Wir finden das schön!“ Anders als sein Bruder Simon, der zwar die Liebe zu den Pferden teilt und auch züchtet, aber lieber Steuerberater geworden sei, habe er Pferde zu seinem Beruf machen wollen. „Für mich war es immer klar, den Hof zu übernehmen.“

Nachdem er vor vier Jahren die Schule beendete, bildete er sich reiterlich fort: „Ich bin vier Jahre durch die Welt getingelt und habe Pferde geritten“, erzählt Frederic. Ihm sei es wichtig, über den Tellerrand zu schauen, sagt der 28-Jährige. Er war in Portugal, in den USA und sogar in Indien. Island fehlte natürlich nicht, aber: „Da war es mir zu kalt!“ Er absolvierte verschiedene Trainerausbildungen, ist Mitglied des österreichischen Nationalkaders, reiste vergangenes Jahr als Reservereiter zur Weltmeisterschaft und gehört zu den 20 besten Islandpferdereitern Deutschlands. „Das ist mein Leben!“