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Kontaktverfolgung kaum möglichGesundheitsämter am Limit – und jetzt kommt Omikron

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Auch das Kölner Gesundheitsamt, das größte in Deutschland, ist überlastet.

  1. Ein Großteil der Gesundheitsämter in Deutschland ist nicht mehr in der Lage, Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen und Quarantäne anzuordnen.
  2. Durch Omikron entstehen für die Gesundheitsämter nun Herausforderungen auf mehreren Ebenen.
  3. Es droht der Komplettausfall.

In weiten Teilen Deutschlands sind die Gesundheitsämter aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen mit der Kontaktverfolgung überfordert. „Eine flächendeckende Nachverfolgung findet im Moment fast gar nicht mehr statt“, räumte die Verbandschefin der Amtsärzte, Ute Teichert, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ein.

Mehrere Länder hätten sogar vollständig die Suche nach Kontaktpersonen ausgesetzt, darunter Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg – zählte die Verbandschefin auf. Dort ordnen die Gesundheitsämter auch keine Quarantäne mehr nach jedem positiven Corona-Test an. Stattdessen setzen die Länder auf Eigenverantwortung: Positiv Getestete müssen sich selbst über Quarantäneregeln informieren und Kontaktpersonen informieren. „Die Frage ist, ob alle das tun“, gab Teichert zu bedenken. Werden Kontaktpersonen nicht informiert und lassen sich daher nicht testen, bleiben mögliche Infektionen unerkannt.

Dies sei vor allem bei der sehr ansteckenden Omikron-Variante ein Problem, so der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen. „Wir müssen deshalb wieder dahin zurückkommen, dass die Gesundheitsämter Kontakte nachverfolgen, Quarantäne aussprechen und Fälle tagesaktuell melden können.“

Omikron im Fokus der Gesundheitsämter

Laut Robert Koch-Institut melden inzwischen wieder 95 Prozent der Gesundheitsämter täglich die Zahlen. Doch dafür bleibt kaum Zeit für die Kontaktverfolgung. Dahmen warnte daher besonders vor der Gefahr, dass symptomlose Infizierte die Omikron-Variante unbemerkt weitergeben. „Wenn wir nicht frühzeitig bemerken, dass die tatsächlichen Fallzahlen steigen, kann die Politik darauf nicht angemessen reagieren.“

Die eigenverantwortliche Informierung der Kontakte endet nun aber mit der Omikron-Variante und sorgt für mehr Arbeit in den Gesundheitsämtern. Sie müssen unter allen Corona-Fällen die Omikron-Infizierten herausfiltern und ihnen sowie ihren Kontaktpersonen Quarantäne anordnen. Schon jetzt stehe Omikron im Fokus der Gesundheitsämter, erklärte Teichert. Dabei ist die Welle der neuen Variante noch gar nicht in Deutschland angekommen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erwartet erst zum Jahreswechsel einen großen Anstieg an Omikron-Fällen. Für Teichert stehen die Gesundheitsämter „womöglich vor einer so großen Belastung wie nie zuvor“.

Experten wie der Epidemiologe Hajo Zeeb schätzen, dass sich so viele Menschen infizieren und in Krankenhäusern behandelt werden müssen wie noch nie. Bei den zu erwartenden hohen Fallzahlen ist eine Kontaktverfolgung nicht mehr möglich, zumal sich auch die Angestellten der Gesundheitsämter infizieren können. Teichert warnte deshalb, Deutschland laufe auf eine Situation zu, in der die Ämter erkranktes Personal irgendwann nicht mehr kompensieren könnten. Es droht der Komplettausfall der Gesundheitsämter, wenn viele Angestellte erkranken oder als Kontaktperson in Quarantäne müssen.

Die Quarantänepflicht für das Personal in den Ämtern zu verkürzen sei aber keine Lösung, so Gesundheitspolitiker Dahmen. „Wir laufen sonst Gefahr, dass sich das Virus nur noch einfacher ausbreitet.“ Stattdessen würden die Gesundheitsämter gute Notfallpläne mit Urlaubssperren, getrennten Personalschichten und kommunenübergreifende Kooperationen benötigen. „Beim Ausfall eines ganzen Gesundheitsamtes muss die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Gesundheitsdienstes aufrechterhalten werden können“, so Dahmen. Ärzteverbandschefin Teichert hält zusätzlich eine zentrale Plattform für sinnvoll, über die Gesundheitsämter bei Bedarf weiteres Personal anfordern können.

Wie die Kontaktverfolgung besser gelingen kann, beschäftigt die Politik schon seit Beginn der Pandemie. Die Bundesregierung hatte den Gesundheitsämtern mit Sormas eine Software für eine leichtere Nachverfolgung zur Verfügung gestellt. Sie erhalten darüber positive Corona-Testergebnisse aus den Laboren, können Kontakte nachverfolgen und Quarantänebescheide ausstellen. Wie das Gesundheitsministerium auf RND-Nachfrage mitteilte, sind bisher 93 Prozent der Gesundheitsämter an das System angeschlossen. Doch nur 40 Prozent aller Ämter verwenden die Software auch, die wegen technischer Probleme immer wieder in der Kritik steht.

Fachpersonal fehlt

Doch die Technik ist nicht das einzige Problem in den Gesundheitsämtern. Vor allem fehle dauerhaftes Fachpersonal, so Teichert. Dass es nur bei hohen Inzidenzen kurzzeitige Unterstützung durch Studierende, die Bundeswehr oder anderen Verwaltungskräften und eine hohe Fluktuation gebe, zermürbe viele Mitarbeiter. „Seit Beginn der Pandemie beobachte ich neben der Fluktuation auch eine Flucht des Personals aus den Gesundheitsämtern.“

Neben der Arbeitsbelastung liege dies an der vergleichsweisen schlechten Bezahlung, so die Verbandschefin der Amtsärzte. Im Krankenhaus würden Ärzte deutlich mehr verdienen als im Gesundheitsamt. Gesundheitspolitiker Dahmen kennt das Problem. „Die Kommunen bestehen darauf, die Ärzte wie Verwaltungsangestellte zu bezahlen und so wundert es mich nicht, dass die Gesundheitsämter kaum geeignetes Personal finden“, kritisiert er und fordert einen besseren Tarifvertrag. „Dass die Mitarbeitenden der Gesundheitsämter auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie noch so schlecht bezahlt werden, ist beschämend für unser Land.“