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Großer Andrang auf GesamtschulenZehn Prozent der Kölner Kinder von Wunschschule abgelehnt

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Schüler des Genoveva-Gymnasiums während einer Demonstration im Jahr 2024

Schüler des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums während einer Demonstration im Jahr 2024. Im Bezirk Mülheim fehlten besonders viele Plätze an Gymnasien. 

Die Stadt Köln hat die Anmeldezahlen der weiterführenden Schulen veröffentlicht: Die Gesamtschulplätze reichen nicht annähernd.

Für viele Kölner Familien begann die Suche nach der weiterführenden Schule mit einer Enttäuschung. 905 Kinder – oder zehn Prozent der betroffenen Schülerinnen und Schüler – haben im Anmeldeverfahren für das Schuljahr 2026/27 zunächst keinen Platz an ihrer Wunschschule erhalten. Besonders begehrt blieben die Gesamtschulen: Allein dort kamen 668 Schülerinnen und Schüler nicht unter. An den Gymnasien blieben 237 Kinder ohne ihren Wunschplatz. Die aktuelle Auswertung der Stadtverwaltung zeigt einmal mehr das Dilemma des Kölner Schulsystems: Während an einigen Schulformen die Plätze knapp sind, bleiben an anderen Hunderte Stühle frei.

Im Vergleich zum Vorjahr deutet sich damit keine Entspannung bei den Anmeldungen an. 2025 gingen knapp 1000 von 9062 Schülerinnen und Schülern leer an ihren Wunschschulen aus. Besonders betroffen waren ebenfalls die Gesamtschulen, an denen jede fünfte Bewerbung an der Wunschschule scheiterte. Bei den Gymnasien erhielten 293 Kölner Kinder keinen Wunschplatz.

Das diesjährige Anmeldeverfahren, das Anfang Februar startete und Ende März beendet war, wurde in drei Phasen unterteilt. Wer in der ersten Runde für sein Kind an der Wunschschule keinen Platz erhielt, konnte sich in den beiden weiteren Runden auf die verbliebenen Plätze bewerben. Insgesamt wechseln in diesem Jahr nach den Sommerferien 8966 Kinder von einer Grundschule auf eine weiterführende Schule. Dafür standen an den städtischen Gymnasien, Gesamt-, Real- und Hauptschulen 9571 Plätze zur Verfügung – rechnerisch also mehr, als benötigt wurden. Doch die Nachfrage verteilt sich seit Jahren sehr ungleich.

Nachfrage übersteigt Angebot von Gesamtschulplätzen in Köln deutlich

Besonders deutlich wird das bei den Gesamtschulen. Für die 2808 vorgesehenen Plätze an den städtischen Einrichtungen gingen in der ersten Runde insgesamt 3264 Anmeldungen ein, was zu 2596 Aufnahmen führte. Damit konnten 668 Kinder im ersten Durchgang nicht an ihrer Wunschschule aufgenommen werden. Nach allen drei Runden konnten 2726 Kinder bei 3433 Anmeldungen aufgenommen werden. Für viele Familien platzte damit die Hoffnung auf einen Platz an ihrer bevorzugten Schulform. Zwar fanden zahlreiche abgelehnte Schülerinnen und Schüler in den anschließenden Anmelderunden noch einen Platz an einer anderen Gesamtschule oder einer anderen Schulform. Die hohe Nachfrage nach Gesamtschulen bleibt jedoch ungebrochen und die Plätze in Köln zu wenige, um dem nachzukommen.

Gemessen an den Kapazitäten sind die Gesamtschulen in sieben der neun Kölner Stadtbezirke überbucht, Ausnahmen bilden lediglich Lindenthal und die Innenstadt. So gab es in Mülheim 842 Anfragen, aber nur 621 Plätze. In Nippes fehlten 130, in Ehrenfeld 110 Plätze und in Chorweiler 105. Spitzenreiter bei den fehlenden Plätzen sind die Willy-Brandt-Gesamtschule in Höhenhaus, an der 132 Plätze mehr nachgefragt wurden als vorhanden waren, und die Chorweiler Heinrich-Böll-Gesamtschule, an der 105 Plätze fehlten.

237 Kinder an Wunsch-Gymnasium in Köln abgelehnt

Auch die Gymnasien erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. An den städtischen Gymnasien wurden 3978 Kinder bei einer Kapazität von 4198 Plätzen und bei 4262 Anmeldungen aufgenommen. In der ersten Runde gab es 3958 Anmeldungen, die zu 3721 Aufnahmen führten. Für 237 Kinder mussten Eltern also einen anderen Platz als an der Wunschschule suchen. Besonders hoch war die Nachfrage in der Innenstadt (1103) und in Lindenthal (977), wo auch die höchsten Defizite zu verzeichnen waren. Besonders viele Ablehnungen gab es an den Gymnasien Brügelmannstraße in Deutz (35) und dem Sülzer Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium (34).

Deutlich entspannter ist die Lage an den Realschulen. Dort wurden 1340 Schülerinnen und Schüler aufgenommen, während 361 Plätze unbesetzt blieben. Noch größer fällt die Lücke an den Hauptschulen aus: Lediglich 251 Kinder meldeten sich erfolgreich an, gleichzeitig blieben 613 Plätze frei. Auch die Anmeldezahlen blieben deutlich unter der Kapazität in beiden Schulformen.

Die Zahlen spiegeln eine Entwicklung wider, die Köln seit Jahren begleitet. Eltern entscheiden sich zunehmend für Gesamtschulen und Gymnasien, während Realschulen und vor allem Hauptschulen deutlich weniger nachgefragt werden. Dadurch entsteht ein paradoxes Bild: Obwohl es stadtweit genügend Schulplätze gibt, erhalten zahlreiche Kinder zunächst eine Absage – nicht weil Plätze fehlen, sondern weil sie an den besonders gefragten Schulen fehlen.

Kölner Stadtverwaltung will neuen Schulentwicklungsplan nach dem Sommer vorlegen

Oliver Seeck, schulpolitischer Sprecher der SPD, nimmt die erneut hohe Zahl an Ablehnungen der Gesamtschulen zum Anlass, weiter den massiven Ausbau dieser Schulform zu propagieren. „Eltern wünschen sich längeres gemeinsames Lernen und moderne Schulkonzepte“, deshalb wählten sie Gesamtschulen, glaubt Seeck. „Ich halte es für unverantwortlich, dass der tatsächliche Bedarf der Familien über Jahre hinweg ignoriert wurde“, wirft er Grünen und CDU vor.

Helge Schlieben (CDU) sitzt dem Schulausschuss des Stadtrates vor und sagt, er würde die Zahlen der Gesamtschulablehnungen anders interpretieren, weil das Verfahren für diese Schulform schon vor den anderen beginnt – und einige Eltern die zugesagten Plätze dann einfach nicht annehmen. „Außer Frage ist, dass es in Nippes, Mülheim, Chorweiler und auch Kalk einen Fehlbedarf gibt.“ Angesichts eines Defizits von mehr als 1000 Plätzen noch vor ein paar Jahren, schließe sich die Lücke aber bereits: In Kalk etwa geht mit dem umgebauten Odysseum 2028 auch eine weitere Gesamtschule an den Start.

Bärbel Hölzing, schulpolitische Sprecherin der Grünen, sagt, „wir wissen, dass viel Bewegung in der Schullandschaft ist“, und hofft auf die baldige Veröffentlichung des neuen Schulentwicklungsplans der Stadtverwaltung. Der setzt unter anderem Ziele, Plätze welcher Schulform es wie oft in Köln geben soll. Laut einer Stadtsprecherin ist geplant, ihn „unmittelbar nach den Sommerferien“ der Politik vorzulegen.