Zuerst hallte nur noch ein Name nach Abpfiff durch die Bay-Arena. „Eddy Tapsoba, Tapsoba, Eddy Tapsoba.“ Dem Fan-Gesang aus der Leverkusener Nordkurve stimmten bald viele weitere Zuschauer mit ein, kaum dass der 5:2-Sieg im Pokal gegen Nürnberg feststand. Der Gesang galt einem Mann, der nach einem 0:2-Rückstand selbst zwei Tore erzielte und den Weg zum Sieg ebnete. Es war die Bestätigung für einen Kapitän, dessen Mannschaft am vergangenen Mittwochabend ihre Schwächen nicht verbergen konnte.
Absoluter Führungsspieler
Tapsoba hat seinen Vertrag im April bis 2031 verlängert und trägt seit Saisonbeginn die Binde. Unter Trainer Carles Martínez ist der 27-Jährige zum klaren Führungsspieler geworden. Der Burkiner bringt den Ball nach vorn, spielt häufig den ersten Pass und wirkt dabei ruhig und souverän. Ausreißer nach unten gibt es aber auch. Beim 0:3 bei der TSG Hoffenheim am letzten Sonntag verschuldete er einen Elfmeter, erlebte allgemein einen schwarzen Nachmittag. Umso mehr fällt ins Gewicht, dass die Defensive der Werkself als Ganzes nicht immer hält, was der Kapitän vorlebt.
Gegen Nürnberg stand die Mannschaft in der ersten Hälfte passiv gegen den Ball, ähnlich wie beim 2:3 zum Bundesliga-Auftakt in Elversberg oder in Sinsheim. Zwischenzeitlich stabilisierte sich die Abwehr, bis zum Spiel in Hoffenheim kassierte Leverkusen in acht Pflichtspielen nur sechs Gegentore, nun in den vergangenen beiden Partien insgesamt fünf. In den letzten beiden Spielen kehrte auch jene Passivität zurück. Eine der Gründe, warum Leverkusen in der vergangenen Saison die Königsklasse verpasst hat. Das Muster ist also bekannt und unbequem. Die Abstände zu den Gegenspielern werden zu groß, Zweikampfführung und Anlaufverhalten wirken halbherzig.
Die Fans quittierten das gegen Nürnberg sogar mit Pfiffen. Im Spiel selbst war Tapsoba der Einzige, der in der schwachen ersten Hälfte stabil blieb. Der Abwehrhüne klärte, schaltete sich in die Zweikämpfe ein und gab seinen Vorderleuten zumindest etwas Sicherheit. Spielt er gut, zieht er die anderen mit. Spielt er schlecht, fällt das derzeit sofort auf. „Ich habe es bereits nach dem Spiel am Mittwoch gesagt. Es war unsere Entscheidung, Eddy zum Kapitän zu machen. Ich bin sehr glücklich, wie er uns hilft. Er ist einer der Führungsspieler. Wenn er verbunden ist, wenn er von hinten dirigiert, wenn er kommuniziert und Druck macht“, lobt Martínez seinen Schützling, der am Samstag in Hochform sein muss.
Denn dann (Bay-Arena,15.30 Uhr) wartet mit dem VfB Stuttgart ein Gegner, der seine Gegner früh unter Druck setzt und hoch presst. Gegen eine Mannschaft mit diesem Ansatz kann es sich Leverkusen nicht leisten, Abstände zuzulassen. Die letzten Begegnungen beider Teams versprachen stets Spektakel. Genau darin liegt die Gefahr: Ein offenes Spiel belohnt Mut, und es bestraft Passivität sofort.
Keine Passivität mehr bei Bayer 04 Leverkusen
Jene Passivität will der Trainer nicht mehr zulassen: „Wir sprechen seit dem ersten Tag darüber. Ich werde mein Leben lang akzeptieren, dass man sich an manchen Tagen besser oder schlechter fühlt und technisch oder taktisch besser sein kann. Aber in unserer Einstellung müssen wir perfekt sein. Manchmal ist jemand ein bisschen müde oder nicht ganz da. Dann ist es unsere Aufgabe als Staff und Spieler, diesen Spieler wieder einzubinden. Wenn wir zu elft konzentriert auf dem Platz stehen, bin ich mir sicher, dass wir stärker sind. Das ist eines unserer Ziele.“
Mit Blick auf Stuttgart fiel die Analyse knapp aus: „Sie sind ein sehr gutes Team, und in den vergangenen Jahren war es schwer gegen sie.“ Dahinter steht seine Vorstellung, die Martínez mehrfach formuliert hat: „Fußball ist sehr mental. Wenn einer individuell perfekt ist, gut. Wenn nicht, sind wir da, um ihm zu helfen, wenn er ein wenig neben der Spur ist.“ Der Katalane erklärt seinen derzeitigen Ansatz: „Das Wichtigste für mich ist, dass wir verbunden sind: zwischen den Spielern und mir, dem Stab und dem Verein. Ich komme jeden Tag hierher in dem Glauben, dass wir wachsen und besser werden. Meine Aufgabe ist es, Energie zu übertragen.“
Bayer 04 Leverkusen: Flekken – Quansah, Tapsoba, Medina, Gutiérrez – García, Fernández – Hofmann, Maza, Moreira. – Schick; VfB Stuttgart: Seimen – Assignon, Jeltsch, Chabot, Mittelstädt – Prömel, Karazor – El Khannouss, Undav, Führich – Demirovic; Schiedsrichter: Brand (Schwebheim).


