Im Nationaltrikot übernimmt der Mittelfeldspieler Verantwortung und trifft. Bei der Werkself fehlen ihm bislang Konstanz und eine feste Position.
Bayer 04 LeverkusenMalik Tillman glänzt für die USA – bei der Werkself bleibt er ein Rätsel

Grund zum Lächeln: Malik Tillman überzeugt im Dress der US-amerikanischen Nationalmannschaft.
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Im Sommer hat Leverkusens Offensivakteur Malik Tillman dieser Redaktion erzählt, dass ihm in seiner ersten Saison bei Bayer 04 der Spaß gefehlt habe. Er sei nicht richtig angekommen; mit Ex-Trainer Kasper Hjulmand habe es nicht gepasst. Auch die Kommunikation mit der Vereinsführung bewertete er kritisch. Seine Zukunft ließ er damals offen. Am Ende blieb er bei der Werkself, zeigte in der Vorbereitung gute Leistungen. Doch seit Pflichtspielbeginn kommt Tillman nicht mehr in Fahrt.
Tillman trifft für die USA
Anders als für die US-amerikanische Nationalmannschaft. Im Test gegen Peru verwandelte der 24-Jährige einen Elfmeter zum 2:1 (Endstand 4:1) und traf damit im dritten Länderspiel in Folge. Eine solche Serie war zuletzt US-Nationalspieler Clint Dempsey gelungen. „Das Tor freut uns sehr für Malik. Er hatte ja auch in der amerikanischen Nationalmannschaft einen schweren Start und sich dort reingearbeitet. Reisen zum Nationalteam sind immer wichtig, um Selbstvertrauen zu tanken“, sagte Leverkusens Sportgeschäftsführer Simon Rolfes der „Rheinischen Post“ und der „Bild“.
In der Nationalelf hat Tillman eine klare Aufgabe. Er soll das Mittelfeld mit der Offensive verbinden, wird früh ins Spiel eingebunden und kann seine technischen Fähigkeiten in einer offensiveren, freieren, Rolle einsetzen. Er sucht den Ball, tritt Standards, geht in die Zweikämpfe und kommt häufiger in Situationen, in denen er mit dem Gesicht zum gegnerischen Tor spielen kann. Das verleiht seinem Spiel Sicherheit.
Bei der Werkself ist sein Platz dagegen offen. In den ersten beiden Bundesligaspielen stand er noch in der Startelf, gegen Augsburg wurde er spät eingewechselt, beim 2:0 gegen RB Leipzig saß er 90 Minuten auf der Bank. In rund 300 Pflichtspielminuten dieser Saison blieb er ohne eigenen Treffer. Seine einzige Torbeteiligung entstand in Augsburg, als Patrik Schick seinen Schuss per Hacke ins Tor lenkte.
Tillmans Qualitäten sind unbestritten
Tillman kam im Sommer 2025 für 35 Millionen Euro von der PSV Eindhoven, ist damit Leverkusens Rekordtransfer und übernahm die Rückennummer zehn von Florian Wirtz. Nach dem Ende der Ära Xabi Alonso sollte Erik ten Hag die Mannschaft neu formieren. Tillman war als zentrale Figur dieses Neuaufbaus vorgesehen. Doch der frühe Trainerwechsel veränderte die Voraussetzungen. Unter Hjulmand spielte er nur eine Nebenrolle.
Seine fußballerischen Voraussetzungen sind unbestritten. Tillman ist passsicher, technisch versiert, verfügt über einen guten Blick für Räume und kann aus der Distanz Gefahr erzeugen. Er kann sich zwischen den Linien anbieten und mit wenigen Kontakten Lösungen finden. Bei Bayer gelingt es ihm aber zu selten, die Fähigkeiten über längere Phasen zur Geltung zu bringen. Seine guten Aktionen bleiben häufig einzelne Momente. Was fehlt, ist Konstanz, die einen offensiven Mittelfeldspieler zum dauerhaften Bezugspunkt einer Mannschaft macht.
Ein Grund dafür ist die fehlende feste Position. Im offensiven Mittelfeld konkurriert Tillman mit Ibrahim Maza, Afonso Moreira, Moussa Diaby, Nathan Tella und Eliesse Ben Seghir um Plätze in der offensiven Reihe. Montrell Culbreath könnte nach seiner Rückkehr hinzukommen. Auch eine defensivere Rolle ist möglich. Dort stehen Aleix García, Ezequiel Fernández und Robert Andrich für ähnliche Aufgaben bereit.
Die Zweikampfwerte liefern einen zusätzlichen Hinweis. Nach dem aktuellen Datenstand gewann Tillman nur 44,7 Prozent seiner Duelle. Damit lag er hinter Maza, Fernández, García und Andrich. Für einen offensiven Mittelfeldspieler ist die Zahl nur ein Maßstab unter mehreren. Sie deutet aber darauf hin, dass Tillman im Spiel gegen und mit dem Ball noch nicht die Verlässlichkeit seiner Konkurrenten besitzt.
Große Konkurrenz bei Bayer 04
Dabei geht es nicht nur um gewonnene Duelle. Entscheidend ist, ob ein Spieler den Gegner früh stellt, nach einem Ballverlust sofort reagiert und sich in Situationen behauptet, in denen es körperlich unangenehm wird. Genau dort wirkt Tillman mitunter zu spät oder zu wenig entschlossen.
Seine Körpersprache wird häufig kritisiert. Tillman ist selten laut oder aufbrausend und reißt Mitspieler und Publikum kaum mit. Daraus lässt sich zwar nicht auf seinen Einsatzwillen schließen. Doch für die Wahrnehmung im Stadion spielt es eine Rolle. Wenn ein Spieler wenige prägende Aktionen hat, nach Fehlern kaum reagiert und scheinbar nicht mit vollen Einsatz dabei ist, kann das als Distanz oder Lustlosigkeit erscheinen.
Dass Tillman in Leverkusen geblieben ist, lässt jedoch darauf schließen, dass er sich bei Bayer durchsetzen und in die Mannschaft einbringen will. Dafür muss er nicht in jedem Spiel glänzen und auch keine anderer Profi werden. Er muss aber sichtbarer werden: in seinen Wegen gegen den Ball, in seinen Zweikämpfen, in der Reaktion auf Fehler und in der Bereitschaft, das Spiel auch dann zu suchen, wenn es ihm nicht entgegenkommt. In Orlando zeigte Tillman nach seinem Elfmeter ein breites Lächeln. Er hatte Verantwortung übernommen und den Moment genossen. In Leverkusen dürfte man auf ein ähnliches Bild hoffen.

