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150 aus 150Günter Wand leitete 28 Jahre das Gürzenich-Orchester

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Der Dirigent Günter Wand Ende der 1980er-Jahre. (Archivfoto)

Der Dirigent Günter Wand Ende der 1980er-Jahre. (Archivfoto)

Günter Wand prägte als Dirigent das Kölner Musikleben über Jahrzehnte.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 137. Teil der Serie geht es um den Dirigenten Günter Wand.

Bedeutung

Günter Wand zählt zu den bedeutendsten deutschen Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Bereits als Sechsjähriger erhielt er Klavierunterricht. 1928 gründete er ein kleines Sinfonieorchester und dirigierte im nächsten Jahr erstmals. 1929 bis 1932 studierte Wand in Köln und München, anschließend war er bis 1934 in Wuppertal engagiert und dann bis 1938 als Kapellmeister in Allenstein. Er trat auch als Pianist auf und brachte eigene Kompositionen zur Aufführung.


Günter Wand

Geboren: 7. Januar 1912 in Elberfeld

Gestorben: 14. Februar 2002 in Ulmiz, Schweiz


Später unternahm er mit Orchestern Tourneen, unter anderem in Japan und – als erster Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg – in der Sowjetunion. Immer wieder übernahm er Gastdirigate. Von 1982 bis 1991 war er Dirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg. 1989 tourte er mit dem Chicago Symphony Orchestra durch die USA. Seine Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern begann 1996.

Wirken in Köln

1939 wurde Wand zum ersten Kapellmeister der Kölner Oper berufen. Im Sommer 1944 erfolgte die Berufung nach Salzburg als Opernchef. Nach Kriegsende kehrte Wand bis 1948 an die Kölner Oper zurück, absolvierte hier aber auch danach bis 1972 Gastauftritte. 1946 zum Generalmusikdirektor ernannt, übernahm er für 28 Jahre die Leitung des Gürzenich-Orchesters. Wand verschaffte dem Kölner Musikleben nach dem Krieg einen Neuanfang. Neben seinen vielen Konzerten, darunter 20 Ur- und 50 Erstaufführungen, ermöglichte er jungen Komponisten, dass ihre Stücke gespielt wurden.

In seiner Zeit gewann das Gürzenich-Orchester internationales Renommee. Allein 84-mal führte er mit dem Orchester Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion auf. In seinen späten Jahren widmete sich Wand besonders Bruckner und spielte alle Sinfonien mit dem WDR-Rundfunkorchester auf Schallplatte ein. Gustav Mahler ignorierte er dagegen völlig. Bis 1953 leitete Wand die Kapellmeisterklasse an der Musikhochschule.

Bemerkenswert

1942 wurde Wand, der als Nicht-Parteimitglied in der NS-Zeit Restriktionen erfuhr, „wegen der Verbreitung unwahrer Gerüchte“ von der Gestapo verhört. Ein musikbegeisterter Staatsanwalt kam ihm zur Hilfe.

Spuren in der Stadt

2009 widmete die Stadt ihm einen Platz an der Südseite des Gürzenichs.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.