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150 aus 150Wilhelm Sollmann war einer der führenden Sozialdemokraten in der Weimarer Republik

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Wilhelm Sollmann

Wilhelm Sollmann kämpfte bis zum Schluss gegen den aufkommenden Nationalsozialismus.

Der Politiker kämpfte bis zum Ende der Weimarer Republik gegen den aufkommenden Nationalsozialismus.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 15. Teil der Serie geht es um den Politiker Wilhelm Sollmann.

Bedeutung

Wilhelm Sollmann war einer der führenden Sozialdemokraten in der Weimarer Republik. 1919 war er Mitglied der Nationalversammlung und gehörte anschließend bis 1933 dem Reichstag an. 1923 war er für drei Monate Reichsinnenminister. Innerhalb der SPD vertrat er bis zum Schluss die parlamentarische Demokratie und kämpfte an deren Ende entschieden gegen den aufkommenden Nationalsozialismus.

In der Wahl am 5. März 1933, die bereits unter diktatorischen Bedingungen stattfand, erzielte er dennoch ein Reichstagsmandat. Vier Tage später überfielen SA- und SS-Leute Sollmann in seinem Haus in Rath und zerstörten die Einrichtung. Sollmann selbst wurde unter Morddrohungen schwer misshandelt und in das Haus der NSDAP-Gauleitung gebracht, wo er gemeinsam mit dem Redakteur Hugo Efferoth stundenlang gefoltert wurde.

Nach der Freilassung emigrierte Sollmann zunächst in das Saarland und dann in die USA. Dort arbeitete er als Professor an einer Quäker-Hochschule. Seit 1943 US-Staatsbürger, reiste er nach dem Krieg mehrfach nach Deutschland. 1949 nahm er an der Eröffnungssitzung des Bundestages als Gast teil. 1950 erkrankte Sollmann an Magenkrebs.


Wilhelm Sollmann

Geboren: 1. April 1881 in Oberlind, Thüringen

Gestorben: 6. Januar 1951 in Hamden, Connecticut/USA


Wirken in Köln

Sollmann lebte seit 1897 in Köln. 1903 trat er in die SPD ein und war hier vier Jahre später Mitgründer der „Freien Jugend“, Vorläuferin der Jungsozialisten. 1911 wurde er Redakteur des SPD-Organs „Rheinische Zeitung“, die er seit 1920 als Chefredakteur leitete. Am 10. Januar 1918 wurde Sollmann als einer von den ersten drei SPD-Ratsmitgliedern in sein Amt eingeführt. Er übernahm den Fraktionsvorsitz, bis er 1924 nicht mehr kandidierte. In der Revolution 1918 verhinderte er gemeinsam mit Konrad Adenauer, dass es zu Gewalt der Militärs gegen die Revolutionäre kam. Er war Mitgründer des Arbeiter- und Soldatenrates.

Bemerkenswert

Seit 1903 war Sollmann in der Anti-Alkohol-Bewegung aktiv. Seine Frau Anna Katharina Grümmer lernte er bei den Guttemplern kennen.

Spuren in der Stadt

1956 benannte der Stadtrat eine Straße in Longerich nach Sollmann. Am Ratsturm ist er mit einer Figur verewigt. Sein Nachlass wird im Historischen Archiv aufbewahrt.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.