Rund 9300 Schüler seien betroffen, sagen die Pädagogen. Die Stadt Köln solle daher prüfen, ob sich nicht doch ein anderer Standort finden lässt.
Brief an den OBSechs Schulleiter lehnen Pläne für Suchthilfezentrum in der Kölner Innenstadt ab

Die Stadt Köln will an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße ein Suchthilfezentrum bauen.
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Nachdem in der vergangenen Woche bereits die Anwohner im Panateonsviertel gegen ein neues Suchthilfezentrum für drogenabhängige Menschen Sturm gelaufen waren, haben sich jetzt auch sechs Schulleiterinnen und -leiter gegen die Pläne der Stadt ausgesprochen. Sie wandten sich mit einem Brief an Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) und äußerten ihre Sorgen um die Sicherheit der Schüler. „Wir befürchten die Entwicklung einer Dealer-Szene und von Kleinkriminalität“, heißt es in dem Schreiben. Die Stadt Köln solle daher prüfen, ob sich nicht doch ein anderer Standort finden lässt.
Zürcher Modell dient in Köln als Vorbild
Die Stadt Köln will das Suchthilfezentrum auf einer Fläche an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße bauen, die auf der Internetseite der Stadt Köln noch als Spielplatz ausgewiesen ist. Dort soll entweder ein Gebäude aus fertigen Modulen oder Containern entstehen, in dem suchtkranke Menschen einerseits Drogen konsumieren und andererseits Zuflucht und Betreuung finden sollen. Als Vorbild dafür dient das sogenannte Zürcher Modell. Im Gegenzug will die Stadt Köln den bisherigen Drogenkonsumraum im Gesundheitsamt am Neumarkt schließen.
Die sechs Schulleiter kritisieren in ihrem Brief, dass die Stadt Köln öffentlich kommuniziert habe, dass allgemeinbildende Schulen vermeintlich nicht betroffen seien. „Das ist offensichtlich nicht zutreffend und wirkt tendenziös“, schreiben sie. Tatsächlich gibt es in einem Radius von 500 Metern insgesamt neun Schulen: das Berufskolleg Humboldtstraße (Außenstelle Perlengarben), das Richard-Riemerschmid-Berufskolleg, die Grundschule Trierer Straße, das Berufskolleg Kartäuserwall, das Berufskolleg Ulrepforte, das Humboldt-Gymansium, die LVR-Severin-Schule, das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und die Kaiserin-Augusta-Schule. Betroffen seien insgesamt rund 9300 Kinder und Jugendliche.
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Für besonders problematisch halten es die Pädagogen, dass alle Schülerinnen und Schüler, welche die KVB-Haltestelle Severinstraße nutzen, an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße vorbeilaufen müssten. Insbesondere Teenager befänden sich in einem besonders beeinflussbaren Alter, ein direkter Kontakt zur Drogenszene wäre somit schwierig.
„Wir erlauben uns darauf hinzuweisen, dass die Königin-Luise-Schule an der Alten Wallgasse ähnliche Erfahrungen gemacht hat, als Suchtkranke zunehmend vom Ebertplatz zum Friesenplatz ausgewichen sind und die Schülerinnen und Schüler sich auf dem Schulweg von ihnen belästigt fühlten beziehungsweise schlichtweg Angst hatten“, schreiben die sechs Schulleiter. Man befürchte zudem, dass suchtkranke Menschen die Wärme der Schulgebäude und die Toiletten nutzen werden.
Große Sorgen um mögliche Drogenkriminalität
Ein individuelles Problem ergibt sich für das Richard-Riemerschmid-Berufskolleg, da die Fläche an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße als Sammelpunkt genutzt wird, wenn es in der Schule einen Brandalarm oder einen anderen Notfall gibt. Zwei von drei Notausgängen sowie sämtliche Fluchtpläne in dem Schulgebäude verweisen als Fluchtpunkt auf die Fläche, auf der das Suchthilfezentrum entstehen soll. Das würde bei Notfällen und auch bei den jährlichen Brandschutzübungen dazu führen, dass Schüler und Klienten des Suchthilfezentrums direkt aufeinander treffen – „was wir für wenig glücklich halten“, so die Schulleiter. Die Stadt Köln kündigte auf Nachfrage an, mit der Feuerwehr und der Schulleitung alternative Sammelplätze prüfen zu wollen.
Anwohner hatten in der vergangenen Woche bei einer Versammlung im Berufskolleg am Perlengraben, zu der die kürzlich gegründete IG Pantaleonsviertel eingeladen hatte, darauf hingewiesen, dass sich im Umfeld des geplanten Suchthilfezentrums neben den Schulen auch Kindertagespflegestellen und eine Kindertagesstätte befinden. In der Nachbarschaft gibt es außerdem große Sorgen, dass die Drogenkriminalität zunehmen würde.
Infoveranstaltung der Stadt Köln am Dienstag
Die Stadt Köln will am Dienstag (20. Januar) um 18 Uhr bei einer eigenen Infoveranstaltung mit den Anwohnerinnen und Anwohnern über das Suchthilfezentrum diskutieren. Die Verwaltung hat diese vom VHS-Saal im Rautenstrauch-Joest-Museum in die Aula des Berufskollegs am Perlengraben verlegt, da mit einem großen Besucherandrang zu rechnen ist.
Bei der Veranstaltung der Interessengemeinschaft konnten 200 Menschen nicht eingelassen werden, weil der Saal bereits überfüllt war. „Die Stadt Köln arbeitet derzeit an einem ein Sicherheitskonzept für die Umgebung des zukünftigen Suchthilfezentrums am Perlengraben. Einzelheiten werden der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident bei der Veranstaltung am Dienstag erläutern“, teilte eine Stadtsprecherin am Montag auf Anfrage mit.
Oberbürgermeister Torsten Burmester hat das neue Suchthilfezentrum zur Chefsache erklärt, die Verbesserung der Situation am Drogenhotspot Neumarkt war eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen. Deshalb soll das Zentrum noch in diesem Jahr eröffnen, und der Stadtrat soll bereits in seiner nächsten Sitzung am 5. Februar einen Beschluss fassen. „Mit dem neuen Angebot machen wir einen wichtigen Schritt in der Hilfe für Schwerstsuchtkranke und tragen zum anderen dem berechtigten Wunsch der Kölnerinnen und Kölner nach mehr Sicherheit und Sauberkeit Rechnung“, sagte Burmester Mitte Dezember.

