Auf den ersten Blick wirkt das Feld von Betonblöcken auf der Sohle der etwa fußballfeldgroßen Senke fast unheimlich, denn durch ihre gleichmäßige Anordnung erinnern sie an die Grabstelen eines Soldatenfriedhofs. „Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Tode wir während des Genehmigungsprozesses gestorben sind, ist der Vergleich gar nicht so falsch“, scherzt Stefan Schiffmann, Abteilungsleiter der Ressourcensicherheit Wasser der Rhein-Energie.
Wenn morbide Assoziationen auch naheliegend erscheinen mögen, dienen die Blöcke doch einem lebensbejahenden Zweck: Sie bilden die Fundamente für die Photovoltaik-Anlage, die hier zurzeit in zwei ehemaligen Versickerungsbecken entsteht. Wenn die Solarmodule installiert sind, werden sie insgesamt über 10.000 Quadratmeter Fläche einnehmen und sollen im Jahr bis zu 2,7 Megavoltampere (MVA) oder 1,4 Gigawattstunden Leistung erzeugen, mit der das nahe gelegene Wasserwerk Weiler versorgt werden soll. An die 20 Prozent des Energiebedarfs des Wasserwerks soll die Anlage decken können.

Die Betonelemente dienen als Fundamente für die Solarmodule.
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Die insgesamt vier Versickerungsbecken, die, von Waldstreifen vor den Blicken von Spaziergängern versteckt, auf einem umzäunten Grundstück an der Thenhovener Straße liegen, gehören bereits zum Wasserwerk: Seit 1968 werden sie genutzt, um Uferfiltrat noch einmal zu filtrieren, bevor es der Trinkwasseraufbereitung zugeführt wird. Das funktioniert so gut, dass stets nur eines oder zwei der Becken gleichzeitig genutzt werden. „Die Erfahrung der letzten 50 Jahre hat gezeigt: Die Becken sind so großzügig bemessen, dass sie nicht alle gebraucht werden. Wir können also einen Teil des Areals auch für die Energiegewinnung nutzen“, so Aykut Aysul, Leiter des Projekts.
Wassermengen können im Werk gespeichert werden
Die Anlage werde in der Landschaft nicht zu sehen sein und auch keine landwirtschaftlichen Flächen besetzen. Vor allem aber entspricht der Energiebedarf des Wasserwerks in etwa der typischen Leistungskurve einer Photovoltaik-Anlage. „Wir haben im Werk nachts weniger Energiebedarf als tagsüber, im Sommer einen höheren Bedarf als im Winter. Das heißt, wir können die hohen Energiemengen, die im Sommer erzeugt werden, dann auch wirklich brauchen“, sagt Schiffmann. Die bei hohem Energieangebot geförderten Wassermengen können dank Speicherbehältern im Wasserwerk auch gelagert werden. „Das ist auch eine Form der Energiespeicherung“, so Schiffmann.
Natürlich hat der Standort nicht nur Vorteile: Wie von Schiffmann angedeutet, war der Genehmigungsprozess ausgesprochen langwierig, denn das Areal ist nicht nur Wasserschutz-, sondern auch Landschaftsschutzgebiet. „Darum war die Genehmigungsbehörde sehr sorgfältig und hat uns zwei, drei Ehrenrunden drehen lassen, bevor wir die Genehmigung schwarz auf weiß in den Händen hatten.“ Der Grund für die Sorgfalt liegt etwa im Untergrund: Weil die Beckensohlen deutlich tiefer liegen, liegt der Grundwasserspiegel nur gut 1,50 Meter darunter. „Wir können darum nicht ins Erdreich eingreifen und etwa Stützelemente in den Boden treiben“, sagt Aykul, „denn dabei könnten Mikroorganismen aus dem Oberboden ins Grundwasser gelangen, die dort nicht hhingehören.“Durch die tiefe Lage und die Bäume um die Becken herum wird auch eine gewisse Verschattung der Anlagen nicht zu vermeiden sein. „Aber wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, immer auf maximale Produktion setzen zu können“, so Schiffmann, „in einem dicht besiedelten Raum wie Köln kann man nur eine Kompromisslösung umsetzen.“
Nun, da die Arbeiten begonnen haben, könnte es schnell gehen – nach dem derzeitigen Fahrplan soll die Anlage im Dezember stehen. Doch ob das klappt, hängt ausgerechnet vom Wasserstand des Rheins ab. „Um die Leitung zum Wasserwerk zu legen, müssen wir uns unter der A57 hindurchbohren“, erklärt Schiffmann. „Dafür müsste sie teilweise gesperrt werden – weil aber das Lkw-Fahrverbot am Wochenende gerade aufgehoben ist, muss auf vermeidbare Autobahnsperrungen verzichtet werden. Ob der angedachte Termin Anfang November gehalten werden kann, ist jetzt bisher nicht abzusehen.“

