Zwei Sporthallen stehen auf der Bezirkssportanlage Bocklemünd. Eine von beiden sollte längst abgebrochen sein, die andere ist ein Dauerprovisorium.
Kostenfrage seit 2010 ungelöstSportanlage Bocklemünd – Bürger fordern Neubau der Turnhalle

Die alte Dreifachhalle in Bocklemünd soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
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Als „verheerend“ beschreibt Ute Kuntze vom Handballverein HSV Bocklemünd die Situation an der Bezirkssportanlage Bocklemünd: „Die alte Halle verfällt zusehends, und die Ersatzhalle ist auch schon wieder in einem desolaten Zustand.“ Auch die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Ehrenfeld sieht Handlungsbedarf: „Die Ersatzhalle ist nun in die Jahre gekommen und insbesondere die Tribünen stellen eine Verletzungsgefahr dar, da die Metallabschlüsse lose sind und zum Teil hochstehen.“ In einer Anfrage an die Verwaltung möchte der Fraktionsvorsitzende Martin Berg wissen, weshalb die „baulichen Schäden“ nicht behoben werden, um den Spielbetrieb zu sichern.
Probleme bereitet die Bezirkssportanlage seit Langem. Schon 2010 war klar, dass eine Generalsanierung der heute knapp 50 Jahre alten Dreifachsporthalle unumgänglich sein würde. Neu ist allerdings, dass die Beschwerden die erst 2017 gleich nebenan für 2,4 Millionen Euro aus Fertigteilen hochgezogene Ersatzhalle betreffen. Die sollte ursprünglich lediglich als Ausweichmöglichkeit für die Dauer der Sanierungsarbeiten genutzt werden, und dann wieder abgebaut werden.
Ersatzhalle seit 2017 auf Bezirkssportanlage Bocklemünd
Sie ist aber zu einem Dauerprovisorium geworden, denn damals wurde schnell klar, dass die zunächst einkalkulierten Kosten von 3,3 Millionen Euro für die Sanierung nicht ausreichen würden. Nach genaueren Untersuchungen des Gebäudes wurden 6,5 Millionen veranschlagt. Dann könne man die Halle gleich abreißen und durch einen Neubau ersetzen, das sei vermutlich sogar kostengünstiger, rechnete die Verwaltung vor. Das leuchtete den politischen Gremien ein, und so wurde es beschlossen.

Auch schon in die Jahre gekommen ist die 2017 erbaute Ersatzhalle, an der sich erste Schäden zeigen.
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Doch in den Folgejahren machten sich erhebliche Löcher im Stadtsäckel bemerkbar. Ein Sprecher der Stadt teilt nun auf Anfrage mit: „Mit Blick auf die gesamtstädtische Haushaltlage und die Tatsache, dass der Haushalt 2027 und folgende Jahre noch nicht beschlossen ist, kann derzeit keine Aussage zur Umsetzbarkeit eines Neubaus getroffen werden.“
Was den Zustand der Ersatzhalle angeht, sieht die Stadt aber keinen Grund zur Panik. Aktuell, so der Sprecher, seien lediglich Schäden an den Prallschutzwänden sowie drei defekte Lampen bekannt: „In beiden Fällen hat die Stadt Köln eine Instandsetzung beauftragt und ist mit den ausführenden Firmen im Austausch. Nach qualifizierter Schätzung liegen die Kosten bei rund 150 Euro für die Lampen und rund 6000 Euro für die Prallschutzwand.“ Derzeit bestehe „kein weiterer Sanierungsbedarf in der Halle.“
Inlinehockey-Klub ist zufrieden mit dem technischen Zustand der Halle
Hans-Hermann Merkel, Vorsitzender des Inlinehockey-Klubs HC Köln-West, dessen erste Herrenmannschaft in der Bundesliga spielt, stimmt der Darstellung von Ute Kuntze ebenfalls nicht zu: „Der Austausch mit unserem Sportsachbearbeiter der Stadt Köln ist sehr gut, und alle Beanstandungen werden aufgenommen und fristgerecht erledigt.“ Was die defekten Lampen und die Prallschutzwand angehe, habe die Stadt sofort reagiert: „Wir sind grundsätzlich mit dem technischen Zustand der Halle sehr zufrieden.“
Allerdings hofft man beim Inlinehockey-Klub auch auf die möglichst baldige Rückkehr in eine reguläre Halle, in den angekündigten Neubau also: „Hier bewegt sich leider nicht sehr viel“, sagt Merkel. „Wir hoffen da auf schnelle Entscheidungen durch die Stadt, damit wir den Standort Inlinehockey in Köln noch lange professionell fortführen können.“
Dann ist da die Frage des Bedarfs: Schon beim Bau der Ersatzhalle hatte die damalige Vorsitzende des Stadtbezirkssportverbands 4 die Hoffnung ausgesprochen, dass beide Hallen den Sportvereinen und Schulen in der Umgebung zur Verfügung stehen. Die Ersatzhalle sollte neben dem Neubau weitergenutzt werden können. Auch Ute Kuntze vom HSV weist darauf hin, dass viele Kinder und Jugendliche ihres Vereins zum Trainieren derzeit auf andere Hallen ausweichen müssen.
Nun hat sich auch der Bürgerverein Bocklemünd/Mengenich eingeschaltet und auf der Plattform We Act eine Kampagne samt Unterschriftenliste gestartet. Die Forderung: In den Haushalt 2027 sollten endlich die Mittel für den Neubau eingestellt werden. „Die Zeit des Wartens muss ein Ende haben. Die Pläne liegen vor – es fehlt am politischen Willen, sie umzusetzen“, heißt es da. Die alte Halle sei als immer weiter verfallende Ruine „ein Symbol für gebrochene Versprechen“. 803 Unterschriften hat der Verein schon zusammen.
