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Prozessauftakt in KölnVersuchter Raubmord von 1987 ist ab heute vor Gericht

Lesezeit 2 Minuten
Fahndungsplakat nach dem versuchten Raubmord 1987 in Köln-Ehrenfeld, Links das Bild des mutmaßlichen Täters, rechts Schreibmaschinentext auf gelblichem Papier

Mit diesem Fahndungsplakat suchte die Polizei 1987 nach dem Täter

Der  heute 56-jährige Angeklagte soll vor 36 Jahren einen Trinkkumpanen in Ehrenfeld ausgeraubt und schwer verletzt haben.

Es geht um einen oder mehrere Hiebe mit einem schweren Pokal, für die sich ein 56 Jahre alter Mann aus Köln-Vingst seit dem heutigen Dienstag, 14. März, wegen versuchten Raubmords vor dem Landgericht verantworten muss. Die Herausforderung für die Kammer besteht vor allem darin, dass das Geschehen fast 36 Jahre her ist, der Beschuldigte wurde erst im Oktober vorigen Jahres verhaftet. Neun Verhandlungstage sind angesetzt, dann soll das Urteil fallen. 

Den Pokal soll der Angeklagte an einem Abend im Mai 1987 einem Trinkkumpanen in dessen Wohnung an der Subbelrather Straße in Ehrenfeld auf den Kopf geschlagen haben. Der Angreifer flüchtete mit mehreren hundert D-Mark aus einem Versteck im Bettkasten und dem Portmonee. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Von den Schlägen gegen den Kopf habe sich der zum Tatzeitpunkt 50 Jahre alte Mann allerdings bis zu seinem Tod 2016 körperlich nie wieder ganz erholt, berichtete zuletzt der Leiter der Cold-Case-Einheit der Kölner Polizei, Markus Weber.

DNA des Angeklagten aus Köln-Vingst war in der Datenbank gespeichert

Bis 2022 blieb der mutmaßliche Täter auf freiem Fuß, dann wurde ihm ein DNA-Treffer zum Verhängnis. Die Cold-Case-Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) hatten bei der Polizei angeregt, den Pokal mit neuen Methoden noch einmal auf Genspuren untersuchen zu lassen. Das gelang, und mehr noch: Das Material an der Tatwaffe passt angeblich auf den 56-Jährigen, der wegen einer anderen Straftat vor vielen Jahren schon einmal seine DNA bei der Polizei abgeben musste. Im Ermittlungsverfahren äußerte sich der Mann nicht zu den Vorwürfen.

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Laut Anklage hatten sich der Angeklagte und sein Opfer Klaus-Dieter M. an jenem Abend in der Ehrenfelder Kneipe „Zur Alten Post“ kennen gelernt und waren danach weitergezogen ins „Haus Tutt“. Als M., der stark alkoholisiert gewesen sein soll, der weitere Alkoholausschank verwehrt wurde, zogen die beiden noch in M.'s Wohnung, um weiter zu trinken. Den schwer verletzten 50-jährigen Anstreicher fanden Nachbarn dann am nächsten Morgen.

Der Anklage zufolge belasten außer der DNA-Spur noch zwei weitere Indizien den Beschuldigten: So sagten Zeugen 1987 aus, der Begleiter von Klaus-Dieter M. habe den Spitznamen „Jimmy“ gehabt, dies soll auch auf den Angeklagten zutreffen. Außerdem soll er 1987 so ausgesehen haben wie der damals gesuchte Täter auf einem Phantombild der Polizei. 

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