Sensationelle FundstückeExklusive Führungen für Leser in der Kölner Domschatzkammer

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Stele vor dem Eingang zur Schatzkammer des Kölner Doms

Stele vor dem Eingang zur Schatzkammer des Kölner Doms

Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner zeigt Leserinnen und Lesern in Sonderführungen die Ausstellung „Ausgegraben“ der Kölner Domschatzkammer.

Die Domschatzkammer trägt ihren Namen völlig zu Recht. Schon als Bau ist sie ein Juwel, und auch die Sammlung ist mit ihren vielen Glanzstücken eine echte Pretiose. Im ersten Untergeschoss der Schatzkammer gibt es die sogenannte Bibliothek. Hier werden von Zeit zu Zeit liturgische Bücher gezeigt, aber auch gelegentliche Sonderausstellungen. Noch bis Mitte März widmet sich eine kleine, exquisite Schau den Fundstücken, die bei den Ausgrabungen unter dem Dom zutage kamen.

Die Kuratoren haben die Exponate entlang eines Zeitstrahls von den römischen Anfängen und dem frühen Christentum in Köln bis ins 19. Jahrhundert angeordnet. Der sensationellste Fund ist eine Goldmünze aus der Zeit von Erzbischof Wilhelm von Gennep (1349 bis 1362). Ihre Existenz war mir aus meiner Zeit am Dom natürlich bekannt. Ich habe sie aber tatsächlich erst jetzt in der Ausstellung zum ersten Mal gesehen. Und ich muss ehrlich sagen: Ich hätte sie mir deutlich größer vorgestellt.

Aber das liegt wahrscheinlich an ihrer Bedeutung für die Domhistorie. Der prägefrische Viertelgulden im Verfüllmaterial des Südturm-Fundaments hat nämlich zu einer präziseren Datierung der Bauzeit beigetragen. Da er nur wenige Jahre im Umlauf war, ist der Fund der Beleg dafür, dass das Fundament um 1357 zugeschüttet worden sein muss.

Alles zum Thema Barbara Schock-Werner

Die Münze hatte seinerzeit sicher den Gegenwert des Jahressalärs, das ein Arbeiter auf der Dombaustelle erhielt. Nichts also, was man mal so eben fallenlässt. Das hat zu Spekulationen Anlass gegeben, es könnte sich um eine Art Bauopfer gehandelt haben. Aber hätte man solch eine Opfergabe einfach in den Fundamentschutt geworfen? Das wird sich wohl nie klären lassen.

37.000 Scherben von Krügen und Trinkbechern im Domfundament

Ganz eindeutig zuordnen lassen sich die – sage und schreibe – 37.000 Scherben von Krügen und Trinkbechern: Bauarbeiter haben einen staubigen Job und müssen immer viel trinken. Dass in Köln so riesige Mengen von Trinkgefäßen gefunden wurden, liegt nun aber nicht am übergroßen Durst der hiesigen Hüttenarbeiter, sondern an der Nähe zu den Siegburger Keramikwerkstätten. Deren Produkte waren schlicht am billigsten. Andernorts trank man aus hölzernen Bechern, von denen nichts erhalten ist.

Reste von Brillenfassungen des 15. Jahrhunderts aus Tierknochen zeugen von der Werkstatt eines Brillenmachers in der Nähe des Südturms. Offenbar entsorgten die Handwerker alles, was ihnen misslang, als Abfall auf der Dombaustelle.

Ein Kinderhelm als Grabbeigabe

Ungefähr 900 Jahr älter ist der Helm als Beigabe im sogenannten Merowingergrab eines um 540 gestorbenen Knaben mutmaßlich adeliger Herkunft. Die Größe des Helms ist dem Kopf des Sechsjährigen angepasst. Von Nahem ist sehr schön die Machart zu erkennen: einzelne Hornplatten, die mit Stäben aus vergoldeter Bronze verbunden sind.

Die Vitrinen in der Mittelachse der Ausstellung zeigen, wie kostbar der Alte Dom des Erzbischofs Hildebold aus der Karolingerzeit (9. Jahrhundert) ausgestattet war: von sorgfältigen Steinmetzarbeiten über aufwändigen Wandbemalungen und Fußbodenmosaike bis hin zu – was ich besonders bemerkenswert finde – farbigen Glasfenstern. In jüngster Zeit hat man damit begonnen, die Fragmente des Bodenmosaiks und der Wandmalereien mit Hilfe des Computers wieder zu den ursprünglichen Ornamenten zusammenzufügen. Einige Teile dieses Puzzles für Fortgeschrittene sind in der Ausstellung zu sehen.

Auch eine Flasche für Messwein wurde bei den Dom-Ausgrabungen gefunden

Zu den jüngsten Fundgegenständen gehört eine – rekonstruierte – Flasche für den Messwein aus dem Sakristeikeller des Doms. Sie stammt wohl von 1842 und wurde 1993 bei den Bauarbeiten für die Schatzkammer im mittelalterlichen Gewölbekeller auf der Nordseite des Doms entdeckt. Der Schriftzug „im Domkeller zu Coeln“ zusammen mit Ansichten des unvollendeten Doms ist auf dem Etikett des 19. Jahrhunderts noch gut zu sehen.

Ein Begleitheft erschließt alle Exponate in Wort und Bild. Auf meine alten Tage hätte ich mir gewünscht, dass die Bedürfnisse der Lesenden Vorrang vor den Ideen der Designer bekommen hätten: Wie kann man für eine so kleine Drucktype die Schriftfarbe grau wählen? Im Dämmerlicht der Ausstellung ist das für Menschen wie mich kaum entzifferbar. Aber das ist auch schon die einzige Mäkelei an einer ansonsten feinen Ausstellung.


Sonderführungen mit Barbara Schock-Werner und Leonie Becks, Leiterin der Domschatzkammer

Für Leserinnen und Leser des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bieten wir zwei exklusive Führungen durch die Ausstellung „Ausgegraben“ in der Domschatzkammer an.

Donnerstag, 29. Februar, um 16 Uhr mit Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner.

Freitag, 1. März, um 16 Uhr mit Dr. Leonie Becks, Leiterin der Domschatzkammer.

Interessierte bewerben sich bitte bis einschließlich Freitag, 23. Februar, mit Angabe des gewünschten Tages und der Teilnehmerzahl (maximal 2 Personen) per Mail an gewinner-koeln@kstamedien.de. Übersteigt die Anzahl der Interessierten die Obergrenze von 2x25 Teilnehmenden, entscheidet das Los. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden per Mail informiert. Eine Absage erfolgt nicht. Bitte bringen Sie einen Ausdruck der Benachrichtigung mit. Nur diese berechtigt zur Teilnahme an den Führungen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer zahlen lediglich den Eintrittspreis für die Domschatzkammer (7 Euro, Kombikarte mit Besteigung der Domtürme 10 Euro). Die Führung selbst ist kostenlos.

Die Domschatzkammer liegt sich an der Nordseite des Doms (Bahnhofseite). Im Dom befindet sich ein Eingang zur Schatzkammer im nördlichen Querhaus. (jf)

Lektüre-Tipp

Ulrich Back: Archäologie im Kölner Dom. Forschungsergebnisse zu seiner Vor- und Baugeschichte, Kölner Domverlag, 252 mit zahlreichen Abbildungen, 56 Euro.

Der Autor war 37 Jahre lang als Domarchäologe tätig. „Seine Forschungen haben uns die Herausforderungen des hochmittelalterlichen Baubetriebes ebenso nähergebracht wie die architektonische Umsetzung frühmittelalterlicher Liturgie oder die Statussymbolik in der Ausstattung merowingerzeitlicher Frauengräber“, schreibt Leonie Becks, Leiterin der Domschatzkammer, im Begleitheft zur Ausstellung „Ausgegraben“. Diese ist Back zum Abschied gewidmet. (jf)

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