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Köln früher und heuteDas Volkshaus an der Severinstraße war ein Treffpunkt der Arbeiterbewegung

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Volkshaus an der Severinstraße im Jahr 1915

Das Volkshaus an der Severinstraße war der Treffpunkt der Arbeiterbewegung, inklusive Bibliothek und Bierkeller. 1933 wurde es von den Nazis gestürmt (Bild von 1915)

Neben dem Parteivorstand der Kölner SPD waren hier die sozialdemokratischen Gewerkschaften und die „Rheinische Zeitung“ als Parteiorgan untergebracht.

Ende Juli 1914 geht es hoch her an der Severinstraße. Am und im sozialdemokratischen Volkshaus versammeln sich rund 10.000 Menschen, um gegen den drohenden Krieg zu protestieren. Wilhelm Sollmann, Redakteur und Mitglied des Kölner SPD-Vorstands, sieht die Gefahr eines „Weltbrandes“ naherücken. Kurze Zeit später, als der Krieg real wird, schwenkt die Parteiführung auf den Kurs der „Vaterlandsverteidiger“ um. Dennoch gehört die Protestkundgebung zu einer der größten Massenveranstaltungen in der Geschichte der Kölner Arbeiterbewegung.

Kölner SPD und freie Gewerkschaften bauen Volkshaus für eine Million Mark

Als 1890 die Sozialistengesetze aufgehoben werden, die sozialistische, sozialdemokratische oder kommunistische Aktivitäten untersagten, geht es allmählich bergauf für die Kölner SPD. Die Mitgliedszahlen steigen von 214 im Jahre 1890 auf rund 11.000 zu Beginn des Ersten Weltkriegs. „Die Sozialdemokratie war in Köln zwar immer nur die zweitstärkste Partei, weil das Zentrum dominierte“, so der frühere Kölner DGB-Vorsitzende und Historiker Wolfgang Uellenberg van Dawen: „Aber die SPD hat dann im Jahre 1912 den Reichstagswahlkreis erobert.“ Als erster Sozialdemokrat aus Köln zieht Adolf Hofrichter in den Reichstag ein. Tausende feiern den Erfolg am Volkshaus.

Das stattliche Gebäude an der Severinstraße 199 ist Sinnbild der aufstrebenden Arbeiterbewegung. Die Bauherren sind die Kölner SPD und freie Gewerkschaften, sie lassen sich das Volkshaus eine Million Mark kosten. 1906 ist der mitten im proletarischen Severinsviertel gelegene Treffpunkt bezugsfertig. Der Parteivorstand der Kölner SPD ist hier ebenso untergebracht wie die sozialdemokratischen Gewerkschaften, das für Rechtsberatungen zuständige Arbeitersekretariat und die Redaktion der „Rheinischen Zeitung“ als Parteiorgan.

„Die Leute haben sich dort versammelt, gelernt, diskutiert und getrunken“

Für das gesellige Beisammensein gibt es einen Bierkeller, für die Bildung eine Bibliothek, für Vorträge einen Saal mit 2500 Plätzen. „Die Leute haben sich dort versammelt, gelernt, diskutiert und getrunken“, so Uellenberg van Dawen. Das Reichsvereinsgesetz gestattet es ab 1908 auch Frauen, Mitglied in politischen Vereinen und Parteien zu werden. Das Volkshaus wird zu einem gemischtgeschlechtlichen Treffpunkt der Arbeiterbewegung.

Außenansicht eines Hotels an der Severinstraße

An der Severinstraße 199 befindet sich heute ein Hotel.

Politikerin und Agitatorin Clara Zetkin tritt schon 1906 als Referentin auf. Da ist das Volkshaus noch gar nicht richtig fertig. „Mit durchdringender Stimme, die bis in die äußersten Winkel des Saals verständlich war, redete sie eineinhalb Stunden lang über die russische Revolution und anderes mehr“, schreibt der „Kölner Lokal-Anzeiger“. 1919 schließt sich Zetkin der neugegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, die sich von der gemäßigten SPD absetzen will. Auch Teile der Kölner Sozialdemokratie wechseln in das radikalere Lager, das die Demokratie der Weimarer Republik ablehnt, oder in die USPD.

Nazis stürmen das Volkshaus im Mai 1933

Die beschaulichen Zeiten sind damit auch im Volkshaus vorbei. Als Wilhelm Sollmann, mittlerweile Reichstagsabgeordneter, im November 1921 die KPD als „Gefahr für die Arbeiterklasse“ bezeichnet, weil sie durch Verbrechen und Unbesonnenheiten zur Stärkung der rechten Parteien beitrage, kommt es zu Tumulten. „Die Versammlung nahm durch Zuruf von Anhängern der Kommunistischen Partei zeitweise einen stürmischen Verlauf“, heißt es in der Presse. Im April 1931 sprengen politisch Andersdenkende eine Frauenversammlung der SPD. Bei dem Vorfall, laut einem Zeitungsbericht ausgelöst durch Anhängerinnen der „linksradikalen“ Richtung, werden Polizeibeamte verletzt. Weil eine „zusammengerottete Menge“ auch von außen das Volkshaus stürmen will, muss ein Überfallkommando einschreiten.

Am 2. Mai 1933 sind es dann die Nazis, die das Volkshaus stürmen. Am 1. Mai, dem von den Nazis ausgerufenen „Tag der nationalen Arbeit“, hatten die Gewerkschaften noch ihre Mitglieder mobilisiert. Nun werden sie verboten, ihre Funktionäre kommen in „Schutzhaft“. Ziel der Aktion sei die „Überführung der Gewerkschaften in den Geist der nationalen Erhebung“, so der „Lokal-Anzeiger“. Im Volkshaus residiert fortan die „Deutsche Arbeitsfront“, auf dem Dach weht die Hakenkreuzfahne. Dem nationalsozialistischen Einheitsverband, dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber angehören mussten, wird das gesamte Gewerkschaftsvermögen zugeschlagen.

Während des Zweiten Weltkriegs wird das Volkshaus stark beschädigt, heute befindet sich hier ein Hotel. Einen Hinweis auf die Geschichte des Orts gibt es nicht. Wolfgang Uellenberg van Dawen bedauert dies: Eine Bodenplatte, ähnlich wie an anderen Stellen entlang der Severinstraße, wäre auch an dieser Stelle wünschenswert.