In unserer Serie „Köln früher und heute“ stellen wir wichtige Kölner Bauwerke, Plätze und Siedlungen vor. Diesmal: Das „Haus Balchem“.
Köln früher und heuteWie das Haus Balchem zu seinem Namen kam

Historisches Bild von 1910: Jahrhundertelang war "Haus Balchem" an der Severinstraße 15 ein Brauhaus.
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Der Dreißigjährige Krieg und die letzte Pestepidemie sind noch nicht lange vorbei, als Heinrich Deutz unweit der Severinstorburg ein außergewöhnliches Haus errichten lässt. Es ist das heutige „Haus Balchem“, das an der Severinstraße 15 unverändert seine Pracht entfaltet. Beziehungsweise fast unverändert.

Die Maueranker sind nicht mehr vergoldet, ansonsten konnte die barocke Fassade von "Haus Balchem" nach dem Krieg rekonstruiert werden. Deshalb schmückt sie noch heute die Südstadt.
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Ratsherr und Bierbrauer Deutz kauft im Jahr 1670 an dieser Stelle eine alte Schmiede, weil er von hier aus freie Sicht auf den Rhein hat. Mit viel Geld ersetzt er die Schmiede durch ein barockes Brauhaus, das seinesgleichen sucht im Severinsviertel. Die Voluten, also die schmückenden Elemente des mächtigen Giebels ähnelten damaligen Kirchen, so der frühere Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings.
Seinen Namen verdankt das Haus seinem letzten Privateigentümer
Vergoldete Maueranker verwiesen auf das Fertigstellungsjahr 1676 mit dem lateinischen Zusatz „Soli deo Gloria“ – „Allein Gott zur Ehre“. Kutscher und Reisende bekamen nach der Fahrt durch das Severinstor also als Erstes ein architektonisches Highlight zu Gesicht. „Dieses Gebäude zeigt, dass es zumindest einzelne Bürger gab, die sich so etwas leisten konnten“, so der Kunsthistoriker: „Das ist ein enormes Ding.“
Heute befindet sich im Haus Balchem, das seinen Namen dem späteren Besitzer Johann Balchem verdankt, die Stadtteilbibliothek. Heinrich Deutz startete 1676 mit der Gaststätte „Zum goldenen Bären“. Seine Erben führten sie nach seinem Tod als „Deutzer Brauhaus“ fort. Letzter Privateigentümer war dann Johann Balchem, der das Anwesen in ein modernes Brauhaus umfunktionierte und die Gastwirtschaft „Haus Balchem“ nannte, im Kölschen „Em Balge“ genannt.
1943 überstanden nur Teile von Haus Balchem einen Brand
„Was diese große Fassade neben diesen riesigen Voluten noch auszeichnet, ist der Erker über dem Eingang“, sagt Ulrich Krings. Für den geschlossenen Vorbau mit seinen korinthischen Säulen und Ornamenten aus Naturstein musste Heinrich Deutz eine Sondergenehmigung einholen, denn im Baugestaltungsrecht waren Erker nicht vorgesehen. Ulrich Krings kann sich an einen Vorfall in den 1980er Jahren erinnern, als ein Lkw den Erker beschädigte und aufwendige Reparaturarbeiten notwendig wurden. „Den Krieg hat der Erker überstanden, aber nicht den Verkehr.“
Große Teile des Gebäudes überstanden den Krieg jedoch nicht. 1943 brannte Haus Balchem aus, nur Teile der Fassade und der Umfassungsmauer blieben stehen. Doch die Stadt ließ es nach historischem Vorbild wiederauferstehen. Die Fassade konnte rekonstruiert werden. Im Inneren wurde improvisiert, indem Teile wie Deckenbalken oder Türen aus anderen Bürgerhäusern eingebaut wurden. Die Wendeltreppe zum Erker stammt etwa aus dem 1911 abgebrochenen Rinkenhof aus dem 15. Jahrhundert.
Sie zeigt eine Davidsfigur, die den Kopf von Goliath in der linken Hand hält. Die Verkleidung der Deckenbalken sei damals nachgegossen worden, so Krings. Es handele sich um eine sogenannte Kölner Decke, die mittlerweile nur noch selten zu finden sei. „Man kann aus meiner Sicht nur dankbar sein, dass die Generationen nach dem Krieg wenigstens einige von diesen Bauten gerettet haben“, so Ulrich Krings: „Wenn sie das damals nicht gemacht hätten, hätten wir überhaupt nichts mehr.“
Auch nach dem Krieg war Haus Balchem noch einmal als Gaststätte gefragt, bis dann 1975 die Stadtteilbibliothek einzog. Im Erker von Heinrich Deutz kann heute geschmökert werden. „Aus meiner Sicht wäre es wirklich toll, wenn es eines Tages wieder ein richtig schönes kölsches Brauhaus werden würde“, sagt Ulrich Krings. Gemütlich genug sei Haus Balchem auf jeden Fall.
