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Bauprojekt an SeverinsbrückeBezirksvertretung fordert Wohnraum statt Büro-Hochhaus

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Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen. Es liegt zwischen der Helenenwallstraße und der Siegburger Straße nördlich der Brücke.

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen. 

An der Severinsbrücke in Deutz soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen. Die Bezirksvertretung möchte stattdessen Wohnraum schaffen.

Mit großer Mehrheit stellt sich die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt gegen das Vorhaben der Stadt, an der Auffahrtsrampe der Severinsbrücke ein Hochhaus errichten zu lassen. Der geplante Neubau an der Helenenwallstraße würde als Hotel- und Bürogebäude dienen. Statt dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen, die Aufstellung eines Bebauungsplans zu beschließen, der den Weg für eine gewerbliche Nutzung des Geländes frei machen würde, beharrt eine Mehrheit der Bezirkspolitiker darauf, dort Wohnraum zu schaffen. Die bindende Entscheidung obliegt jedoch dem Stadtentwicklungsausschuss des Rates, der das Thema bislang vertagte.

Änderungsantrag: Fläche soll für Wohnungsbau verwendet werden

Mit einem von Grünen, Linken, SPD und Volt eingebrachten Änderungsantrag beauftragten sie die Verwaltung, diese Alternative zu prüfen. Das Bebauungsplanverfahren solle gestoppt und die nahezu vollständig in städtischem Eigentum befindliche Fläche dauerhaft für sozial gebundenen Wohnungsbau entwickelt werden. „Köln hat ein Wohnungsproblem – kein Bürobauproblem“, heißt es in der Begründung des Antrags, der gegen die Stimmen von zwei Christdemokraten und der AfD bei Enthaltung der FDP verabschiedet wurde.

Schon vor etlichen Jahren war eine Bebauung mit Wohnungen vorgesehen, doch der damalige Investor hatte sich zurückgezogen. Danach, von 2020 bis 2022, prüfte die Verwaltung, ob sich das Areal für eine Wohnbebauung eignet. Besonders wegen des Lärms, der von der Severinsbrücke ausgeht, wich man davon aber ab. Nach einem Beschluss des Liegenschaftsausschusses im Mai 2023 stellte die Stadt dem neuen Investor, einem Kölner Immobilienunternehmen, das Grundstück für seine Planung zur Verfügung. Weil das bestehende Planungsrecht der Entwicklung eines Gebäudes mit gewerblicher Nutzung entgegensteht, ist es nötig, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Antragsteller plädieren für Erbbaurecht statt Verkauf

Die BV plädiert jetzt dafür, das städtische Grundstück nicht zu verkaufen, sondern nach Erbbaurecht für 80 Jahre zu vergeben. Dies habe den Vorteil, dass die Mieten nach Auslaufen der Sozialbindung an die Richtlinien zur öffentlichen Wohnraumförderung des Landes NRW gebunden werden müssten. Bei der Vergabe sollten ausschließlich „Bestandshalter“ wie etwa gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaften berücksichtigt werden. Besonderes Augenmerk sei unter anderem auf den Bedarf von Studierenden an günstigem Wohnraum zu richten. Köln müsse als Hochschulstandort attraktiv bleiben, sagte dazu Reinold Goss, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Weil die Innenstadt und Deutz zu den am stärksten versiegelten und im Sommer am meisten überhitzten Bereichen Kölns gehören würden, gelte es zudem, die Fläche als „klimapolitische Chance“ zu nutzen, lautet eine der weiteren Forderungen. Frühzeitig solle die TH Köln in den Planungsprozess eingebunden werden. Um das Vorhaben als „praxisnahes Lehrobjekt für gemeinwohlorientierten, klimaresilienten Wohnungsbau zu gestalten“, sollten Studierende der Hochschule im Rahmen eines Workshops Bebauungsmodelle entwickeln und vorstellen.

Problem des Wohnungsmangels lösen

Man müsse fair mit Investoren umgehen und sollte möglichst „nicht auf einmal die Pferde wechseln“, sagte Goss. Andererseits habe sich in den zurückliegenden drei Jahren so viel getan, dass man gut beraten sei, „genauer hinzugucken, wie man Projekte vorantreibt“. Dringender denn je müssten Köln und andere große Städte das Problem des Wohnungsmangels lösen. Dagegen sagte Florian Weber, Vorsitzender der CDU-Fraktion, man solle nach einem jahrelangen Verfahren, das durch mehrere Ausschüsse gegangen sei, „ein Projekt nicht stoppen, kurz bevor es losgeht“. Dies untergrabe das Vertrauen derjenigen, die in Köln etwas entwickeln wollten.

Dem hielt Tim Cremer, der die SPD-Fraktion anführt, entgegen, Stadtrat und BV hätten sich inzwischen neu zusammengesetzt, und es sei ein „anderer politischer Wille eingezogen“. Die SPD-Fraktion habe „den Willen der Deutzer Bevölkerung aufgegriffen“ und sei zu dem Schluss gekommen: „Das muss man stoppen.“