Das Schauspiel Köln organisiert in Kooperation mit dem Kölner Stadt-Anzeiger eine Solidaritätsveranstaltung für die Menschen im Iran.
Nach dem MassakerEin Kölner Solidaritäts-Abend für die Menschen im Iran

Auch die Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai wird Texte zur aktuellen Situation im Iran lesen.
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Hochrangige Beamte des iranischen Gesundheitsministeriums schätzen, dass bei den jüngsten Protesten gegen die Islamische Republik im Iran innerhalb von zwei Tagen bis zu 30.000 Menschen getötet worden sind, berichtete das „Time“-Magazin. Damit würde es sich um das weltweit blutigste Massaker an Demonstranten in einem derart kurzen Zeitraum handeln.
„Viele in Iran und vor allen Dingen auch in der Diaspora sind nicht nur in einem Wutzustand, sondern immer noch im Schock, weil man sich dieses Ausmaß an Brutalität nicht hat vorstellen können. Jeden Tag steigen die Zahlen der Getöteten. Leichensäcke, die aus Lastwagen gekippt werden wie Sand, Angehörige, die wie auf einem Flohmarkt umherlaufen und verzweifelt ihre Lieben suchen“, sagt die Kölner Journalistin Isabel Schayani. Bei dieser Art von Brutalität und Menschenverachtung, die eindeutig von dem Regime gegenüber den Bürgern, die es nicht mehr wollten, ausgehe, müsse man hinschauen. „Wann sonst? Vor allem, wenn man das Geschenk hat, wie wir in einer freien Gesellschaft zu leben, in der man darüber reden kann. Deswegen ist es ungemein wichtig, den Blick auf Iran zu richten.“
Aus diesem Anlass verändert das Schauspiel Köln sein Programm und lädt in Kooperation mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger “ am Sonntag, 8. Februar, im Rahmen des Brennpunkt-Formats „SPL KLN | Spezial #02“ zu einer Solidaritätsveranstaltung für die Menschen im Iran, um ihren Mut zu würdigen und über ihren Kampf für Freiheit zu informieren. Isabel Schayani wird den Abend moderieren.
Die Künstlerin Parastou Forouhar, der Politikwissenschaftler und Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad, der Filmemacher Ali Samadi Ahadi sowie die Schauspielerin Sarah Sandeh und die Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai lesen Texte zur aktuellen Situation im Iran, sprechen über die Notwendigkeit internationaler Solidarität, die Politik des Westens – und über den Einfluss, den das Regime auf ihre eigenen Biografien gehabt hat und noch immer hat. „Die verschiedenen Stimmen, die wir an dem Abend versammeln, versuchen das, was in Iran passiert, in die deutsche Welt herüberzuholen und zu übersetzen. Das ist eine wichtige Transferleistung. Wir wollen auch die Meinungsvielfalt unter den Iranern abbilden“, sagt WDR-Journalistin Schayani, die für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet wurde.
Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, ergänzt die politische Perspektive und bekennt sich zur internationalen Solidarität mit den Menschen im Iran. „Wir müssen darüber reden, an welchen Schrauben die deutsche Politik drehen kann. An welcher Stelle ist sie zu leise? Wo müsste sie klare Positionen beziehen? Es ist gut, wenn sich verantwortliche deutsche Politiker in eine solche Runde setzen, und wir haben das Glück, dass mit Serap Güler eine Staatsministerin aus Köln dabei ist“, sagt Isabel Schayani.
Außerdem wird die Ärztin Shabnam Fahimi-Weber von ihrem Engagement berichten: Sie betreute Menschen im Iran per Videocall medizinisch, die während ihrer friedlichen Proteste von den Revolutionsgarden angegriffen und verletzt worden sind.
„Wir machen diesen Abend an einem Ort, an dem sich Menschen, die sonst Herz und Ohren öffnen, um sich der Kultur zu widmen, dann mit der gleichen Konzentration für die Situation in Iran interessieren“, betont Isabel Schayani. „Wie ist es möglich, dass so etwas passiert, und hier rangiert das unter Position 10 der Nachrichten? Deswegen ist es für die Menschen iranischer Herkunft ein wichtiges Zeichen, wenn sie sehen: Es gibt öffentliches Interesse, und zwar sehr konzentriertes an einem so wichtigen Ort wie dem Schauspiel. Und das wird vielleicht sogar in den Iran getragen. Dieses Echo, das wir aus der freien Welt in diese dunkle Welt schicken, ist wenigstens etwas, das man tun kann.“
„Nach dem Massaker im Iran – wie muss die Welt handeln?“ geht auf eine Initiative von Sarah Sandeh zurück, Ensemblemitglied am Schauspiel Köln, und wurde von ihr gemeinsam mit der Dramaturgin Traudl Bünger kuratiert. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und findet im Depot 1 auf dem Carlswerk-Gelände statt. Die Tickets kosten 10 Euro und sind an der Vorverkaufskasse in den Opernpassagen, unter www.splkln.de oder 0221/221-28400 erhältlich. Hinweis: Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.
Der Erlös der Veranstaltung geht an ParsiMed e.V., ein Netzwerk von Ärztinnen und Ärzten, in dem auch Shabnam Fahimi-Weber tätig ist. Darüber hinaus gibt es am Abend die Möglichkeit, ParsiMed e.V. zu spenden.


