Leserbriefe zur KVB-Affäre„Dienstwagen sind out“

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Vor einer schwarzen Limousine steht ein Mann in Anzughose, Hemd und Schlips, der eine Aktentasche trägt. Oberkörper und Kopf des Mannes sind nicht zu sehen. Es handelt sich um ein Symbolbild zum Thema Firmenwagen.

Symbolfoto: Das Dienstwagenprivileg ist Gegenstand öffentlicher Kritik.

Dass ein KVB-Vorstand seiner Frau den Firmenwagen zur Nutzung überließ, entfacht die Dienstwagen-Diskussion unter Lesern neu.

KVB-Vor­­­stand steht unter Druck – Tho­mas Schaf­fer ver­spielt mit der um­strit­te­nen Nut­zung sei­nes Dienst­wa­gens wohl die Wie­der­wahl (11.5.)

Dienstwagen-Affäre: Fehlendes Fingerspitzengefühl

Selbst wenn die fast ausschließliche Nutzung des Dienstwagens durch seine Ehefrau dem Vertrag von Herrn Schaffer nicht widersprach, wird doch klar, dass er ihn gar nicht brauchte. Es zeugt von völlig fehlendem Fingerspitzen- und Ehrgefühl, eine Oberklassen-Limousine letzten Endes von den KVB-Kunden bezahlen zu lassen, obwohl sie gar nicht für die Tätigkeit benötigt wird. In solchen Fällen ist die Zusage eines Dienstwagens absurd! In einem solchen Fall sollte der Aufsichtsrat gar keinen Dienstwagen genehmigen! Die nicht-betriebliche Nutzung durch Frau Schaffer war doch seit langem bekannt. Die Versorgungsmentalität im öffentlichen Dienst kennt offenbar keine Grenzen. Gert Meyer-Jüres Köln

„Dr. Schaffer brennt für den ÖPNV“

Mit Erstaunen habe ich den Artikel zur angeblichen Dienstwagen-Affäre des KVB-Vorstandes Dr. Thomas Schaffer gelesen, die ihn seine Wiederwahl kosten soll. Erstaunen deshalb, weil ich Thomas Schaffer auf verschiedenen Veranstaltungen in den letzten beiden Jahren live erlebt habe, in denen er für den ÖPNV gebrannt und gekämpft hat, wie ich es so noch nie erlebt habe. Im Gegensatz zu vielen anderen – vor allem Politikern und Vorständen – hat mich besonders beeindruckt, dass Herr Schaffer lebt, wovon er spricht, denn er kam immer mit der KVB oder deren Leihfahrrädern und nicht im Dienstwagen mit Chauffeur vorgefahren.

Kritiker werden jetzt sagen, dass er auch keine andere Wahl hatte, da der Wagen ja in Frankfurt von seiner Frau genutzt wurde. Dies war allerdings nicht illegal, sondern offensichtlich durch den Vorstandsvertrag abgedeckt, für den wiederum der Aufsichtsrat verantwortlich zeichnet. An dieser Stelle von negativer Außenwirkung zu sprechen scheint mir paradox. Mit Dienstwagen – ob mit oder ohne Fahrer – zu erscheinen, ist der Sache des ÖPNV doch sicherlich abträglicher als die vorbildliche Nutzung des Verkehrsmittels, dessen Repräsentant Herr Dr. Schaffer ist.

Einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem hohen Krankenstand bei der KVB und der angeblich überheblichen Art des Vorstandes ist so abstrus, dass man ihn gar nicht weiter kommentieren darf. Politik ist ein schmutziges Geschäft. Da rollen Köpfe. Leider nicht immer die richtigen. Dr. Marc Prokop Brühl

Dienstwagen grundsätzlich überflüssig

Dem Vorstandsmitglied Thomas Schaffer wird zulasten der KVB ein Dienstwagen der Oberklasse zur Verfügung gestellt. Genutzt hat ihn überwiegend seine Ehefrau in Frankfurt. Er hat seinen Dienstwagen gemäß eigener Aussage in Köln nicht vermisst. Was sagt uns das? Dienstwagen sind grundsätzlich überflüssig und er braucht ihn schon gar nicht. Zu seiner Ehefrau: Wenn sie Auto fahren möchte, soll sie sich wie Millionen andere Frauen selbst ein Auto kaufen und nicht auf Kosten der Steuerzahler durch die Gegend fahren. Hans-Peter Erdtmann Bergisch Gladbach

Dienstwagen-Affäre: Vertragliche Regelungen ändern

Ein Unternehmen des ÖPNV stellt seinem Vorstand einen Dienstwagen zur Verfügung, so weit, so gut. Erforderlich scheint er nicht zu sein, wenn der Wagen für Dienstfahrten nicht zur Verfügung steht, sondern, von wem auch immer, dauerhaft oder überwiegend in Frankfurt genutzt wird. Die Rechtfertigung von Aufsichtsratsmitglied Lino Hammer von den Grünen, die Nutzung entspreche der vertraglichen Regelung, zeigt mal wieder, wie die hohen moralischen Ansprüche dieser Partei immer nur dann gelten, wenn man den Normalbürgern und -bürgerinnen damit die eigene Sichtweise überstülpen und vorschreiben will. Es geht doch darum, wer für solche Vertragswerke zuständig ist. Einem Dienstwagen, der für Dienstfahrten nicht dauerhaft zur Verfügung stehen kann, muss man diesen Status aberkennen. So einfach ist das – auf jeden Fall einfacher, als immer wieder die Fahrpreise zu erhöhen. Veronika Grünewald Köln

Dienstwagenprivileg gehört auf den Prüfstand

Wenn man liest, dass Herr Schaffer als Finanzvorstand der KVB seine dienstlichen Belange auch ohne den ihm zugestandenen Dienstwagen erfüllen konnte und der Dienstwagen nahezu ausschließlich von seiner Ehefrau in Frankfurt genutzt wurde, stellen sich mehrere Fragen: Wenn dienstliche Fahrten eher die Ausnahme sind, – und so muss man ja die Aussage des Herrn Schaffer wohl verstehen, dass die Abwesenheit des Wagens seine Dienstführung nicht beeinträchtigt hat, – sollte ein Verzicht auf einen Dienstwagen für diese Tätigkeit künftig festgeschrieben werden. Weiter stellt sich die Frage, auf welches Transportmittel Herr Schaffer zurückgegriffen hat, wenn doch Termine außerhalb der Diensträume wahrzunehmen waren.

Hat Herr Schaffer den ÖPNV genutzt? Wurde die Fahrbereitschaft der KVB in Anspruch genommen oder welches andere Transportmittel? Wer hat die hierfür notwendigen Kosten getragen? All diese Fragen sollten zeitnah geklärt werden und nicht wegen einer erst 2024 anstehenden Prüfung der Vertragsverlängerung aufgeschoben werden. Das jetzt bekannt gewordene Verhalten passt in die derzeit laufende Diskussion über das Dienstwagenprivileg und die Frage, ob dieses angesichts des Klimawandels nicht auf den Prüfstand gestellt werden muss – auch wenn das Herrn Lindner und weiten Kreisen der Politik nicht in den Kram passt. Ingo Kaschel Hürth

Dienstwagen für Auseinandersetzung instrumentalisiert?

Hier wird ein Thema diskutiert, über welches dem Leser jeglicher Hintergrund fehlt. Von einer fairen Beurteilung der Sachlage sind wir sicher alle weit entfernt. Es ist doch offensichtlich so, dass hier wieder einmal Zeitungen und Öffentlichkeit benutzt werden, um die Interessen einzelner Personen in einer firmeninternen Auseinandersetzung zu stärken. Entsprechend sehe ich hier nur eine ganz einfache Reaktion. Der Vorstand eines öffentlichen Verkehrsbetriebs sollte, soweit möglich, ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel nutzen. In der Hinsicht scheint Herr Dr. Schaffer ja Vorreiter und auch Vorbild zu sein. Dienstwagen sind out! Bernd Hoene Köln

Dienstwagen-Affäre: Moralisch fragwürdig

Wenn die KVB im Arbeitsvertrag für Vorstände eine private Nutzung vorsieht, ist ja anscheinend alles in Ordnung. Beinhaltet diese „private Nutzung“ auch die Überlassung des Fahrzeugs an eine andere Person an einem anderen Ort? Offenbar brauchte der Finanzvorstand der KVB keinen Dienstwagen – aber als Vorstandsmitglied stand ihm ein Dienstwagen zu. Also nahm er ihn und die Ehefrau freut sich, ein von mir als KVB-Nutzer finanziertes Auto fahren zu können. Aber rechtlich ist ja alles in Ordnung. Auch moralisch? Und was sagt die Stadt zu diesem Vorgehen?  Dieter Moll Köln

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