Abo

SterblichkeitsrateWarum sich die Zahlen der Behörden nur scheinbar widersprechen

3 min
Corona-Test

Köln – Eine Erkenntnis, die durch die Corona-Krise so gut wie täglich bestätigt wird: Statistiken bergen die Gefahr einer Fehldeutung – und lassen sich, je nach Absicht, unterschiedlich zur Begründung von Entscheidungen auslegen.

Am vorigen Dienstag beispielsweise teilte der Landesbetrieb IT.NRW mit, „Hinweise auf eine durch die COVID-19-Pandemie erhöhte Sterblichkeit“ seien in NRW aus den Daten für März 2020 nicht abzulesen. Zwei Tage später vermeldete das Statistische Bundesamt dann das: Die Zahl der Sterbefälle seit der letzten Märzwoche liegen „tendenziell über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019“. Es sei „naheliegend, dass diese vergleichsweise hohen Werte in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen“.

Scheinbarer Widerspruch in den Zahlen

Ein bisschen Entwarnung also oder Anlass zu nicht nachlassender Besorgnis? Beide Behörden arbeiten mit den Daten, die von den Standesämtern der Städte und Kreise geliefert werden. Sowohl die Statistiker des Bundes als auch deren nordrhein-westfälische Kollegen können ihre Aussagen statistisch belegen. Ein scheinbarer Widerspruch, der sich bei genauer Betrachtung der Zeitabläufe auflösen lässt.

Grafik Corona-Zahlen (1)

Nach vorläufigen Informationen von IT.NRW starben im März landesweit 18800 Menschen. Damit liege die Zahl der Gestorbenen voraussichtlich niedriger als im März 2019. Damals waren 19100 Menschen gestorben. Da die Einwohnerzahl (17,9 Millionen) nahezu gleich geblieben sei, lasse sich keine erhöhte Sterblichkeit aufgrund von Corona ableiten.

Vor allem wegen der Grippeerkrankungen sind die Sterbefallzahlen von Dezember bis März üblicherweise höher als im Rest eines Jahres. „Für März 2018 ermittelten die Statistiker mit 24000 Sterbefällen beispielsweise den höchsten Monatswert der letzten fünf Jahre“, heißt es in der Mitteilung der Statistiker des Landes. Im zurückliegenden März starben rund 5200 Menschen weniger.

Das könnte Sie auch interessieren:

Das Robert Koch-Institut führt für NRW bis Ende März 148 Gestorbene auf, die nachgewiesenermaßen mit dem Corona-Virus infiziert waren. Da sich tödliche Krankheitsverläufe mehrere Wochen bis zum Tod hinziehen können, geben die Zahlen das Bild deshalb nur mit zeitlicher Verzögerung wieder. Bislang sind landesweit 1290 mit dem Virus infizierte Personen gestorben.

Schwache Grippewelle im Jahr 2020

Um einen Vergleich zu früheren Jahren zu ermöglichen, hat das Statistische Bundesamt ebenfalls eine Auszählung veröffentlicht. „Die Auswirkungen der Grippewelle im Jahr 2020 waren den vorläufigen Sterbefallzahlen zufolge im Vergleich zu den Vorjahren sehr gering“, teilte die Behörde mit.

Im Januar 2020 starben etwa 85 000 Menschen, im Februar 79 400. Auch im März 2020 mit 85900 Sterbefällen sei „bei einer monatsweisen Betrachtung kein auffälliger Anstieg der Sterbefallzahlen“ erkennbar. Seit der letzten Märzwoche jedoch „liegen die tagesgenauen Zahlen tendenziell über dem Durchschnitt“ der zurückliegenden vier Jahre.

Da die Grippewelle seit Mitte März als beendet gelte, dürften die vergleichsweise hohen Werte im Zusammenhang mit dem Covid-19-Virus stehen.