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Komplizierte RegierungsphaseIm „Kölner Treff“ wagt Robert Habeck eine düstere Prognose bis 2033

Im WDR spricht der Ex-Wirtschaftsminister aber auch über sein Leben nach der Spitzenpolitik.

Robert Habeck war im „Kölner Treff“ unter anderem neben Sängerin Stefanie Heinzmann zu Gast.

Robert Habeck (r) war im „Kölner Treff“ unter anderem neben Sängerin Stefanie Heinzmann zu Gast.

Der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat am Freitagabend bei seinem Auftritt in der WDR-Talkshow „Kölner Treff“ gelöst über seinen veränderten Alltag als Privatmann gesprochen und zugleich eine langfristige politische Prognose abgegeben.

Gegenüber Moderator Micky Beisenherz zog der Grünen-Politiker einen deutlichen Schlussstrich unter die Belastungen seiner Regierungszeit. In dieser Phase habe man sich in einem Kokon befunden und sei aus Sicherheits- sowie Effizienzgründen von der Umwelt abgeschirmt worden. Das normale Leben sei damals ein Stück weit verloren gegangen.

Habeck im WDR: Mehr Selbstbestimmung und wachsende Zustimmung

Nun empfinde er es als Entlastung, selbstbestimmt zu handeln, Reisen eigenständig zu organisieren und ohne Rücksicht auf Regierungskoalitionen oder diplomatische Vorgaben die eigene Meinung zu äußern. Nach Angaben von Habeck schlage ihm in der Öffentlichkeit inzwischen wieder überwiegend Wohlwollen mit ansteigender Tendenz entgegen.

Auch auf die früheren Debatten um das Heizungsgesetz schaue er ohne Groll zurück: Einst sei gefragt worden, was das für eine komische Technik sei, und heute seien die Geräte ausverkauft. Dazu ergänzte er schmunzelnd auf Deutsch: „Ich habe es euch doch gesagt.“

Geopolitische Lage und Kritik an der Debattenkultur

Neben autobiografischen Rückblicken stellte Habeck in der Sendung sein neues Buch vor, das sich inhaltlich mit der Arktis befasst. An diesem Ort träfen militärische sowie wirtschaftliche Interessen aufeinandertreffen, insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden Präsenz von Russland und China. Dies werfe unweigerlich die Frage nach den europäischen und deutschen Interessen auf.

Solange sich Deutschland nicht auf eine klare strategische Rolle festlege, könne auch Europa keine einheitliche Linie finden. Der aktuelle Diskurs in der Bundesrepublik sei laut Habeck bislang nicht weit genug fortgeschritten, um das Ausmaß der bestehenden Krisen adäquat zu erfassen.

Prognose für gesellschaftlichen Wandel bis zum Jahr 2033

Dass ein solches Umdenken dennoch eintreten werde, stehe für den früheren Minister fest. „Wann?“, wollte Micky Beisenherz wissen und Robert Habeck hatte eine sehr konkrete Antwort darauf: „Noch sechs Jahre, fünfeinhalb vielleicht.“

Es brauche nach seiner Einschätzung voraussichtlich noch einen Urnengang sowie eine komplizierte Regierungsphase, bis die Notwendigkeit grundsätzlicher Veränderungen allgemein akzeptiert werde.

Eine Zäsur verortet er um das Jahr 2033, genau ein Jahrhundert nach der nationalsozialistischen Machtergreifung. Zu diesem Zeitpunkt bestehe die Aussicht auf einen grundlegenden Erkenntnisprozess in der Gesellschaft: „Dann schaffen wir es auch wieder, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.“ (jag)