Fenster auf oder zu – das ist ein ewiges Streitthema im Sommer. Ein Experte für Raumlufttechnik klärt auf.
Tipps vom Kölner ExpertenSo lüftet man richtig an Tagen mit extremer Hitze

Direkte Sonneneinstrahlung sollte an heißen Sommertagen vermieden werden (Symbolbild).
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Draußen herrscht brütende Hitze, und auch in den Häusern und Wohnungen wird es immer wärmer. Die derzeitige Welle mit extremen Werten stellt die Menschen vor gesundheitliche Herausforderungen. Wie schaffe ich es, mein Zuhause möglichst kühl zu halten? Die wenigsten Haushalte haben eine Klimaanlage, daher ist das richtige Lüften von besonderer Bedeutung. Wir haben Felix Hausmann, Professor für Raumlufttechnik an der TH Köln, nach Tipps gefragt.
Gerade in den sozialen Medien kursieren unterschiedliche Thesen, wie man die Innenräume vor Hitze schützen kann. Besonders prägnant äußert sich hier jedes Jahr Jörg Kachelmann. Er vertritt die These, dass die Fenster generell geöffnet bleiben sollen, um Luftzirkulation zu ermöglichen. Damit wendet der Meteorologe sich entschieden gegen die häufig gesehene Empfehlung, tagsüber Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zuletzt entbrannte bei X ein Streit über einen entsprechenden Post des ZDF.
Der Kölner Experte Felix Hausmann betrachtet das Thema differenziert. Er unterscheidet, ob die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zu Hause sind oder ob die Wohnung tagsüber leer ist. Ist dies der Fall, sollte man alles geschlossen halten, Rollläden oder Vorhänge dichtmachen und nur nachts lüften, denn dann bleiben die Wohnräume am kältesten. Ventilatoren können helfen, kühle Luft durch die geöffneten Fenster in die Wohnung zu holen.
Auch bei Hitze lüften, sonst steigt CO2-Konzentration
Ist man allerdings tagsüber zu Hause und sind die Räume möglicherweise auch nicht besonders groß, empfiehlt Hausmann die Methode Stoßlüften. Denn wenn keine Luft von außen hereinkommt, steigt der CO2-Gehalt der Raumluft. Daher sollte man immer mal wieder zwischendurch die Fenster aufmachen – allerdings nicht zu lange, damit sich der Raum durch die warme Luft nicht zu stark aufheizt. Wichtig ist grundsätzlich, quer zu lüften und möglichst nicht Fenster an der Sonnenseite zu öffnen.
Empfohlen wird ein CO2-Gehalt von bis zu 1000 ppm („parts per million“). Steigt er auf 2000 ppm, wird man müde, es ist nicht mehr gesund. Den CO2-Gehalt kann man mit einfachen Geräten auch selbst messen.
Ventilatoren können in Innenräumen Linderung verschaffen. Allerdings kühlen sie die Luft nicht herunter, sondern bewegen sie nur und sorgen so für einen Kühleffekt auf der Haut. Die Wärme wird so besser abtransportiert.
Alt- oder Neubauten – was ist besser im Sommer?
Grundsätzlich ist es laut Hausmann so, dass sich massiv gebaute Häuser wegen der größeren Speichermasse nicht so schnell aufheizen und daher im Sommer zunächst im Vorteil sind. Ziehen sich die sehr hohen Temperaturen aber über mehr als drei Tage hin wie in der aktuellen Hitzewelle, lässt der Kühleffekt durch die Wände nach. Wenn es draußen wieder kühler wird, speichert ein massives Gebäude auch noch länger die Wärme.
Daher lässt sich laut Hausmann auch nicht klar sagen, ob Alt- oder Neubauten im Sommer grundsätzlich im Vorteil sind. Generell lässt sich ein modern gedämmter Neubau bei Hitze gut kühl halten.
Gut ist es, wenn man eine Wärmepumpe hat. Die modernen Geräte können im umgekehrten Betrieb inzwischen immer auch kühlen, so Hausmann. Ein paar Grad weniger im Haus könne man so schon erzielen.
Externe Klimageräte verbrauchen deutlich mehr Strom, können aber angesichts des Klimawandels in Deutschland auch immer sinnvoller werden, so Hausmann. Wenn sie beispielsweise mit Solarstrom betrieben werden, sei dies ideal. Fotovoltaik-Anlagen produzieren bei starker Sonneneinstrahlung so viel Strom, dass dieser an Sommertagen gar nicht im Haushalt verbraucht werden kann.
