Von Ampeln bis ZebrastreifenDie 15 wichtigsten Regeln für Fahrradfahrer

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Der Straßenverkehr funktioniert nur dank zahlreicher Regeln und Verbote. Was Radfahrer dürfen und was nicht.

Bei Rot über die Ampel fahren, weil gerade keiner kommt. Betrunken nach Hause radeln, weil Auto wäre ja noch schlimmer. Und während der Fahrt mit dem Handy telefonieren? Ach, auf dem Fahrradweg geht das schon. Falsch gedacht. Nicht nur Autofahrer müssen sich im Verkehr an strikte Regeln halten – auch Radler. 

Wir geben einen Überblick, an welche Regeln sich auch Fahrradfahrer halten müssen. 

Gelten für Radler die gleichen Rechte auf dem Zebrastreifen wie für Fußgänger?

Nein. „Fahrradfahrer führen Fahrzeuge im Straßenverkehr und sind damit keine Fußgänger. Autofahrer müssen nur dann anhalten, wenn der Radfahrer am Zebrastreifen vom Fahrrad absteigt und schiebt", erklärt Rechtanwalt Nils Kassebohm von der Kanzlei Eimer Heuschmid Mehle.

Und wer trägt die Schuld, wenn der Fahrradfahrer nicht absteigt und es zu einem Unfall kommt? „Genau wie der Kraftfahrer haftet er natürlich für alle Schäden, die er mit seinem Fahrrad anrichtet. Anders als der Kraftfahrer ist er leider nicht pflichtversichert, sodass er mit seinem Privatvermögen haftet. Das heißt, er selber bekommt von seinen Schäden nichts ersetzt und muss sämtliche Schäden an dem fremden Fahrzeug tragen“, so Kassebohm.

Dürfen Radfahrer die Busspur benutzen?

Für Radfahrer ist es verlockend, die Busspur zu benutzen. Doch das ist nach Angaben des Auto- und Reiseclubs Deutschland (ARCD) verboten. Radler müssen genauso wie Autofahrer 15 Euro Strafe zahlen, wenn sie einen Busfahrstreifen befahren. 35 Euro werden fällig, wenn Busse dabei behindert werden.

Eine Ausnahme gibt es aber: Radfahrer dürfen auf diese Spur ausweichen, wenn sich unter dem Verkehrszeichen 245, das einen weißen Bus auf blauem Grund zeigt, ein Zusatzschild mit der Aufschrift „Fahrrad frei“ befindet.

Darf man mit Rennrädern am Straßenverkehr teilnehmen?

Im Prinzip ja. Dazu muss das Fahrrad jedoch einige Mindestanforderungen erfüllen. „Das heißt die Räder müssen zum Beispiel zwei voneinander unabhängige Bremsen haben, und sie müssen Schallzeichen geben können, also eine Klingel haben“, erklärt der Verkehrsexperte. Darüber hinaus seien auch die Beleuchtungsvorschriften zu beachten.

Mit dem Mountainbike in die Alpen. Aber darf man mit Sporträdern auch am Straßenverkehr teilnehmen?

Gelten Tempolimits auch für Radfahrer?

Vor allem Rennradfahrer nutzen gerade Strecken gerne dazu, um mal ordentlich in die Pedale zu treten. Aber Vorsicht! „Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten für alle, die mit Fahrzeugen unterwegs sind, das heißt auch für Rennradfahrer. So müssen sie sich zum Beispiel auch bei rasanten Bergabfahrten an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Und auch in einer Zone 30 darf ein Rennradfahrer nicht schneller fahren als die Autofahrer“, warnt Kassebohm.

Gelten Tempolimits auch für Radfahrer?

Dürfen Radler manche Ampeln ignorieren?

Ja. Wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) mitteilt, dürfen Fahrradfahrer die Fahrbahnampel an T-Kreuzungen ohne rechts einmündende Straße unter Umständen ignorieren.

Und zwar dann, wenn es sich um einen baulich von der Fahrbahn getrennten Radweg handelt und kein kreuzender Verkehr vorhanden ist, also etwa ein Fußgängerüberweg. Dann dürfen Radler geradeaus weiterfahren und sogar eine eventuell vorhandene Haltelinie ignorieren.

Was gilt in Spielstraßen, an Ampeln und beim Thema Helmpflicht?

Was müssen Radfahrer in Spielstraßen beachten?

In Spielstraßen gelten besondere Regeln und Verbote – auch für Radfahrer. Laut Straßenverkehrsordnung dienen verkehrsberuhigte Zonen dazu, um dort das Unfallrisiko zu minimieren. Die Pflicht zum Schritttempo gilt dabei auch für Radfahrer. Sie haben sich gleichermaßen an die dort geltenden Vorsichtsmaßnahmen zu halten, denn in einer Spielstraße sollen Kinder nach Herzenslust toben, Fußgänger die Straße in ihrer gesamten Breite nutzen können, ohne durch Auto-, Motorrad- oder auch Radfahrer gefährdet zu werden.

Verkehrsteilnehmer müssen nicht nur jederzeit rechtzeitig bremsen können, sie haben im Zweifel sogar anzuhalten und zu warten, so das oberste Gebot. Gegebenenfalls muss ein Fahrzeug so lange stehen bleiben, bis auch in ihr Spiel vertiefte Kinder ihn wahrgenommen haben und die Fahrt freimachen.

Gibt es eine Helmpflicht für Radfahrer?

Eine Helmpflicht gibt es für Fahrradfahrer in Deutschland nicht. Der ADFC lehnt eine solche Vorgabe auch weiterhin ab. Der Verband befürchtet, dass dann möglicherweise weniger Menschen aufs Rad steigen. Je weniger Radfahrer unterwegs seien, desto weniger achteten andere Verkehrsteilnehmer auf sie, und die Unfallgefahr steige.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt beim Thema Helm weiter auf Freiwilligkeit. „Fahrradfahren wird immer beliebter. Wir wollen, dass der Helm hier mitzieht. Dabei setzen wir auf Aufklärung statt Verbote“, teilte der Minister mit.

Eine Helmpflicht gibt es trotz steigender Unfallzahlen bei Radfahrern nicht.

Dürfen Radler sich an der Ampel vordrängeln?

Die Ampel ist rot, die Autos stehen Stoßstange an Stoßstange und zwischen den stehenden Pkw schlängelt sich ein Radfahrer bis nach vorne durch. Unverschämt! Nein, bloß sein gutes Recht. Radfahrer dürfen mit geringer Geschwindigkeit an den Autos vorbei rollen, um bis zur Haltelinie vorzufahren – aber nur vorsichtig und auf der rechten Seite. Sobald der Verkehr wieder in Bewegung ist, ist dies nicht mehr erlaubt.

Frei Fahrt für Radfahrer. Dürfen sich Radler an Ampeln vordrängeln?

Dürfen Radler rote Ampeln umfahren?

Wer auf dem Radweg unterwegs ist und eine rote Ampel umkurvt – in dem er etwa über den Gehweg fährt –, dem droht ein saftiges Bußgeld. „Denn dazu müsste der Radweg verlassen und der Gehweg befahren werden – und das ist in diesem Fall nicht erlaubt“, erklärt Roland Huhn, Rechtsreferent beim ADFC. Wer absteigt und die rote Ampel umschiebt, kommt ohne Bußgeld davon.

Ist der Bürgersteig immer tabu?

Ja, doch es gibt eine Ausnahme. Rad fahrende Kinder bis zur Vollendung des achten Lebensjahrs dürfen auf Gehwegen durch eine Aufsichtsperson auf dem Fahrrad begleitet werden. Bei Kindern unter acht Jahren ist es sogar umgekehrt, sie dürfen nicht auf der Straße fahren. Wichtig: Wenn es einen ausgewiesenen Radweg gibt, dürfen Radler nicht auf der Straße fahren. Ausnahme: Wenn der Radweg durch Frost oder Überwucherung unpassierbar ist, dürfen Radfahrer auf die Straße ausweichen.

Kinder unter acht Jahren haben auf der Straße nichts zu suchen. Bis zehn dürfen sie auf dem Gehweg fahren.

Und wer verbotenerweise in der Fußgängerzone Fahrrad fährt und dann stürzt, weil ein Fußgänger einen plötzlichen Schritt zur Seite macht, kann diesen nicht für Schmerzensgeld in Anspruch nehmen. Das hat das Oberlandesgericht München klargestellt.

Was gilt auf Radwegen, beim Telefonieren und in puncto Alkohol?

Sind Radwege Pflicht?

Nein! Radfahrer müssen nicht automatisch auf Radwege ausweichen. „Oftmals sind sie auf der Straße sicherer unterwegs, weil sie dort für andere Verkehrsteilnehmer schneller und besser zu sehen sind. Dies gilt besonders an Einmündungen und Zufahrten – hier kommt es zu besonders vielen Unfällen, weil Autofahrer die Radfahrer auf dem Radweg schlicht übersehen”, erklärt Michaela Zientek, Rechtsexpertin der „DAS Rechtsschutzversicherung“.

Ausnahme: „Sind Radwege jedoch mit einem weißen Fahrrad auf blauem Grund gekennzeichnet, müssen Radfahrer diese benutzen – es sei denn, der Weg ist beispielsweise wegen Scherben oder parkenden Autos nicht befahrbar.“

Dürfen Radfahrer Musik hören?

Musik auf dem Ohr ist prinzipiell erlaubt: Die Straßenverkehrsordnung (StVO) lässt das Tragen von Kopfhörern zu, solange der Radfahrer noch den Verkehr um sich herum akustisch wahrnehmen kann.

Ist das Telefonieren auf dem Fahrrad erlaubt?

Zur Rechenschaft gezogen werden hingegen Radler, die sich mit einem Handy am Ohr erwischen lassen: Hierfür ist ein Bußgeld von 25 Euro fällig.

Ist Telefonieren oder das Schreiben von Nachrichten auf dem Fahrrad erlaubt?

Ist freihändiges Fahren erlaubt?

Nein. Um die Gefahr von Stürzen zu verringern, ist freihändiges Fahren verboten. Wer es riskiert, dem droht ein Bußgeld von fünf Euro.

Dürfen Radler auch betrunken fahren?

Radfahrer sind im Vergleich zu Autofahrern die schwächeren Verkehrsteilnehmer und werden daher auch rechtlich geschützt. Dennoch droht ihnen bei einem Unfall gegebenenfalls eine Mitschuld. Das betrifft vor allem Radfahrer, die mit zu viel Alkohol im Blut erwischt werden. Auf sie kann bei einem Unfall oder erkennbaren Ausfallerscheinungen schon bei 0,3 Promille eine Geldstrafe zukommen.

Dürfen Radfahrer auch betrunken fahren?

Wer mit über 1,6 Promille Blutalkohol Rad fährt, wird – wie im Auto – als absolut fahruntüchtig eingestuft und begeht eine Straftat. Neben einer entsprechenden Strafzahlung kann der Radfahrer dann auch zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) verdonnert werden. Wer an dem „Idiotentest“ nicht teilnimmt, ist seinen Lappen los. (mit Material der dpa und Ampnet/rk)

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