Es gibt einige unerfreuliche Kapitel des Wiederaufbaus nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021. Eines betrifft die Brücken im Gebiet der Stadt Schleiden, die von den Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Gleich zwei, die wichtig für den Verkehr in den beiden Kernorten sind, sind derzeit für den Autoverkehr gesperrt: Die Brücke an der Dreiborner Straße in Gemünd und die in Schleiden an der Straße Am Markt. Bei letzterer ist nun ein Ende der Sperrung in Sicht, doch der Weg dahin war im wahrsten Sinne des Wortes holprig.
Feierliche Eröffnung und neue Baustellen
Denn nachdem vor rund anderthalb Jahren mit viel Pomp und Ehrengästen die Brücke feierlich eröffnet wurde, war die Erleichterung in der Stadt groß. Schließlich war mit der Überfahrt über die Olef mehrere Jahre lang eine der beiden Zufahrten in die Schleidener Innenstadt gesperrt. Doch damit waren die Arbeiten in dem Bereich entlang der Olef noch nicht beendet.
Verzögerungen bei der Neugestaltung der Straße Am Driesch
Neu gestaltet werden sollte die Straße Am Driesch. Nachdem diese für den Straßenverkehr gesperrt und entwidmet worden war, sollten die Flächen mit Pflaster versehen und als Promenade der Außengastronomie am Olefufer zur Verfügung stehen. Doch der Plan, diese Baustelle bis Ende April 2026 abzuschließen, habe sich nicht realisieren lassen, führt Waldemar Brost, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, aus. Denn in die Ufermauer sollte bei der Gelegenheit eine Hochwasserschutzwand eingebaut werden. Allerdings habe es dabei Lieferschwierigkeiten des Herstellers und Probleme bei den Fundamenten gegeben, so Brost. Auch habe es personelle Wechsel auf der Baustelle gegeben, teilte er mit.
Erneute Sperrung wegen Arbeiten der Versorger
Im August 2026 wurde die Olefbrücke erneut gesperrt. Grund waren Tiefbauarbeiten, bei denen verschiedene Versorger ihre jeweiligen Kabel oder Rohre in den Untergrund bringen sollten. Bereits im Jahr 2025 sei mit den verschiedenen Versorgungsunternehmen gesprochen geworden, um sicherzustellen, dass die Arbeiten auch miteinander koordiniert werden.
Innenstadt als Sackgasse: Eifeler Lösung der Schleidener

Gemünd: nur für Fußgänger.
Copyright: Archiv/Wolfgang Kirfel
Besonders die Arbeiten an der Wasserversorgung sorgten für Verdruss bei den Bewohnern der Innenstadt. Denn durch die mehr als zwei Wochen andauernde Sperrung der Sleidanusstraße war die Innenstadt zur Sackgasse geworden. Allerdings ohne Rückweg, denn die Straße Am Markt ist für rund 100 Meter eine Einbahnstraße. Als offiziell einzig vertretbaren Weg aus der Stadt heraus verfügte das Straßenverkehrsamt des Kreises Euskirchen eine mehrere Kilometer lange Umleitung durch den Wald nach Bronsfeld.
Doch die Schleidener entwickelten schon nach wenigen Tagen eine Eifeler Lösung: So wurde kurzerhand die Einbahnstraßenregelung ignoriert und die Fahrzeuge im Gegenverkehr über den Markt gefahren. Worüber sich niemand beschwerte, denn alle Verkehrsteilnehmer nahmen Rücksicht aufeinander, und auch Kontrollen blieben zu der Zeit aus.
Ein Versorger nutzt das Zeitfenster nicht
Doch dieses Zeitfenster für ihre Bauarbeiten zu nutzen, klappte nicht bei allen Versorgern. „Wie man sieht, ist ein Versorger nach wie vor nicht drin“, sagt Brost leicht angesäuert. Um diesem Telekommunikationsunternehmen letztlich die Möglichkeit zu geben, seine Kabel in den Boden zu bringen, sei die Baustelle in der ersten Herbstferienwoche komplett geräumt worden. Eine Woche lang ruhte der Baubetrieb, sehr zum Erstaunen der Anwohner, die feststellen mussten, dass sich gar nichts tat.
Stadt kündigt Ende der Rücksichtnahme an
„Die Rücksichtnahme hat jetzt ein Ende“, macht Brost deutlich. Ein halbes Jahr habe es schriftlichen und mündlichen Austausch gegeben, und es sei dafür gesorgt worden, dass der Versorger das Baufeld für sich hatte. „Das wurde nicht wahrgenommen“, so der Bauamtsleiter.
Asphaltierung für Ende der nächsten Woche geplant
Jetzt werde keine Rücksicht mehr genommen. Die Straße werde asphaltiert und fertiggestellt. Leerrohre seien eingebaut worden. „Alles andere wird erst mal nicht geduldet“, stellt er klar. Für Ende der nächsten Woche sei die Asphaltierung angesetzt, allerdings sei der Termin noch nicht bestätigt worden, so Brost. (sev)

