Die fünf Jahre, in denen das Fluthilfe-Team der Diakonie Euskirchen Betroffene nach der Hochwasserkatastrophe begleitet hat, waren arbeitsreich und fordernd.
Emotionaler AbschiedFluthilfe-Team der Diakonie Euskirchen stellte Arbeit ein

Fünf arbeitsreiche und emotionale Jahre liegen hinter dem Team der Euskirchener Fluthilfe.
Copyright: Cedric Arndt
Sichtlich bewegt blickte sich Dorothee Meidling im Gemeindesaal der evangelischen Kirche um, in dem sich zahlreiche Personen versammelt hatten, um der Verabschiedungsfeier des Fluthilfe-Teams der Diakonie Euskirchen beizuwohnen. „Ich bin sehr glücklich, dass so viele Menschen, die uns durch die letzten fünf Jahre begleitet haben, trotz der Hitze hier bei uns sind.“ Fünf Jahre, die für einige Beteiligten zu den ereignisreichsten und emotionalsten ihres Lebens zählen dürften.
Die Bilder der zerstörerischen Gewalten der Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hatten sich bei Betroffenen und Helfenden gleichermaßen ins Gedächtnis gebrannt und kehren nach wie vor schnell zurück, sobald die Gedanken in diese Zeit zurückschweifen.

Zahlreiche Gäste nahmen Abschied von der Fluthilfe der Euskirchener Diakonie.
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Doch auch die darauffolgende Solidarität unzähliger Helferinnen und Helfer in Form körperlicher Arbeit bei den Aufräumarbeiten, mit Geld- und Sachspenden zur Soforthilfe oder auch durch psychologische Unterstützung in Gesprächen bleibe unvergessen, wie Pfarrer Gregor Weichsel betonte. „Die Flut hat uns gezeigt, wie unwichtig es ist, welches Logo wir auf der Brust tragen. Was wirklich zählt, ist, in Zeiten der Not zusammenzuhalten, und das konnten wir im Rahmen der Fluthilfe Tag für Tag beobachten.“
Nun jedoch hieß es während der Abschiedsfeier in der evangelischen Kirche, das Team der Diakonie wieder in seinen Alltag zu entlassen und für die geleistete Arbeit zu danken.
353 Millionen Euro für private Haushalte im Kreis bewilligt
„Für viele Menschen in unserem Kreis ist das Geschehene nicht einfach Vergangenheit. Es ist Teil ihres Lebens geworden, Teil dessen, was sie nicht vergessen können und vielleicht auch nie ganz vergessen werden“, betonte Landrat Markus Ramers: „Und zugleich haben diese Nacht und die Zeit danach etwas sichtbar gemacht, das mich bis heute tief bewegt. Ich habe in diesen Tagen und Wochen vielleicht die größte Leistung an Menschlichkeit gesehen, die ich je erlebt habe.“
Dazu, so Ramers weiter, gehöre die finanzielle Unterstützung, mit der allein im Kreis Euskirchen 10.970 Anträge mit einer Summe von 353 Millionen Euro für private Haushalte bewilligt werden konnten.

Mehrfach kämpfte Dorothee Meidling während der Abschiedfeier mit den Tränen. Neben ihr Pfarrer Gregor Weichsel.
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Mit Blick auf die geleistete Arbeit der Diakonie sei es jedoch insbesondere die persönliche Hilfeleistung, die viele Betroffene durch die Krise begleitet habe. „Geld kann keine Erinnerungen zurückholen. Geld kann keine Angst auslöschen. Geld kann das Leid der Menschen nicht ungeschehen machen. Dafür braucht es etwas anderes: Zeit, Zuwendung, Geduld, ein offenes Ohr und ein offenes Herz.“ Genau dies habe das Beratungsteam der Diakonie den Menschen gegeben.
Geld kann keine Erinnerungen zurückholen. Geld kann keine Angst auslöschen. Geld kann das Leid der Menschen nicht ungeschehen machen. Dafür braucht es etwas anderes: Zeit, Zuwendung, Geduld, ein offenes Ohr und ein offenes Herz.
Worte und Gesten, mit denen die Anwesenden am Montag immer wieder ihre Dankbarkeit gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakonie zum Ausdruck bringen wollten – und die auch an Dorothee Meidling nicht spurlos vorübergingen.
„Die Flut und die Zeit danach haben bei mir persönlich kein Trauma ausgelöst, aber die Bilder, die ich selbst gesehen habe und die mir geschildert wurden, werden mir wohl nie mehr aus dem Kopf gehen.“ Die Frage, ob sie mit ihrem Team, bestehend aus Markus Körfer, Astrid Lauscher und Katharina Kann sowie zahlreichen weiteren Helferinnen und Helfern, Unterstützung für Betroffene leisten wolle, habe sich nie gestellt. Zugleich habe sie aber auch niemand auf all die Schicksalsschläge und Herausforderungen vorbereiten können, die eine solche Aufgabe mit sich bringe.
Das Team hat sich immer wieder auch selbst Halt gegeben
Vom ersten Schritt der Soforthilfe, die den Beginn der Aufräumarbeiten überhaupt erst ermöglichte, bis zu den beratenden und persönlichen Gesprächen seien die letzten fünf Jahre von unglaublich vielen Emotionen gekennzeichnet gewesen. Dabei habe sich das Team immer wieder selbst Halt gegeben, um neue Hürden nehmen zu können.
Und auch die Zusammenarbeit der Institutionen mit Land und Ministerien habe viel Kraft in dieser bewegenden Zeit gegeben. „Einen solchen zwischenmenschlichen Umgang über alle Grenzen hinaus habe ich noch nie erlebt“, berichtete Dorothee Meidling. „Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, bei der Arbeit ein solches Maß an Solidarität miterleben zu können.“
Als ebenso emotional stellte sich nun auch die Verabschiedung heraus, als sie und ihr Team von ihren Aufgaben entbunden wurden, um nach fünf Jahren aufopferungsvoller Hilfe wieder selbst zur Ruhe zu kommen und – so gut es die gesammelten Erinnerungen zulassen – zu einem gewohnten Lebensalltag zurückkehren zu können.
