Flut in BurscheidSo will sich die Stadt gegen extremes Hochwasser künftig schützen

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Flut in Burscheid Großhamberg

 In Großhamberg war das Hochwasser im Juli besonders stark.

Burscheid – Als ein „seltenes Ereignis“, ein „Katastrophenhochwasser“, „HQextrem“ in der Fachsprache, beschreibt der Wupperverband seine höchste Kategorie an Hochwasserereignissen. Doch was am 14. Juli passiert war, lag dennoch darüber. Marlene Liebeskind, promovierte Wasserwirtschaftlerin, hat Burscheid besucht, über das Starkregenereignis und seine Folgen gesprochen – und macht Vorschläge zum künftigen Schutz der Stadt.

82 der 830 Schadensmeldungen des Einzugsgebiets des Wupperverbands sind für das Stadtgebiet eingegangen. Doch nur zwei „schwere Schäden“ hat der Wupperverband für Burscheid festgestellt: In Großhamberg und an der Irlermühle. Damit sei Burscheid im Vergleich zum Umland „nicht so stark betroffen“, was der quellnahen Lage auf der Höhe, statt im Tal, zu verdanken sei.

Der Bach suchte sich seinen Weg

Was kann nun getan werden? Die erste konkrete Maßnahme zum Schutz vor derartigen Wassermassen stellte die Bereichsleiterin Gewässerentwicklung des Wupperverbands für den Stadtteil Großhamberg vor. Der Bornheimer Bach wird dort kurz vor der Siedlung in ein Rohr geleitet. Im Juli reichte dessen Durchmesser nicht mehr aus, der Bach suchte sich seinen Weg oberhalb und riss eine Garageneinfahrt mit.

Alles zum Thema Hochwasser, Überschwemmung und Flut

Die SPD-Fraktion hatte schon einen Antrag vorbereitet, einen ökologischen Staudamm vor der Siedlung zu erstellen. Dies erübrigte sich jedoch durch das Vorhaben des Wupperverbands: In Zukunft soll der Bach durch ein weiteres Rohr in der Straße K2 in Zusammenarbeit mit Straßen NRW um Großhamberg herumgeführt werden. Die Sanierung der K2 hatte das Amt für Kreisstraßen sowieso geplant.

Wasser staute sich massiv an

Im Fall der Irlermühle gehe der Verband davon aus, dass sich im Quellbereich des kleinen Konesiepen massiv Wasser angestaut habe, das bei einer Art Dammbruch plötzlich freigesetzt wurde und eine zusätzliche Flutwelle im Murbach erzeugt habe. Schuld könnte etwa vermutlich älterer dort illegal entsorgter Hausmüll sein, dessen Überreste die Stadt inzwischen entfernt hat.

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Am vom Hochwasser ebenfalls betroffenen Gut Landscheid sei ein Straßendurchlass des dortigen Bachs zu klein, der Baulastträger müsse nun nachbessern. Auch am Denkmal Bruchermühle müsse der Eigentümer zunächst Gefahrenholz beseitigen, bevor der Wasserweg renoviert werden könne. Die Gerstenmühle hingegen verzeichnete geringere Schäden. Marlene Liebeskind hob die dortige naturnähere Gestaltung am Gewässer positiv hervor, die vermutlich Schlimmeres verhindert habe.

Besonders Mühlen sind bei Starkregen gefährdet

Deutlich wird, dass besonders die Mühlen bei Starkregen gefährdet sind. Schutzmöglichkeiten werde der Wupperverband in Abstimmung mit der Stadt und dem Kreis diskutieren. Während der Verband für den sogenannten „grünen und technischen Gewässerausbau“ zuständig ist, stellen die Städte den technischen Hochwasserschutz und leiten Bauplanungen. Der Kreis verantwortet Warnungen und die Bezirksregierung erstellt Hochwassergefahrenkarten und weist Risikogebiete aus.

Überdies betonte Marlene Liebeskind die Eigenverantwortung der Bürger und Bürgerinnen. Auch Sebastian Nocon, Technischer Vorstand der Technischen Werke Burscheid, mahnt, jeder müsse mitmachen bei der Entsiegelung von Flächen.

Eigeninitiative zum Schutz vor Hochwasser

Der Wupperverband bietet auf seiner Internetseite ein Portal rund ums Thema Hochwasser an und der „Hochwasser-Pass“ ist ein präventives Angebot des Klimavorsorgeportals der Bundesregierung.

Eine erste Übersicht von Gebieten, die Überschwemmung befürchten könnten, ist auf der „Starkregengefahrenkarte“ des Rheinisch-Bergischen-Kreises zu finden. Das erwartete Fließverhalten bei Starkregen – es entspricht nicht zwingend der Realität, aber zeigt den durch die Topographie wahrscheinlichen Weg des Wassers auf – ist ebenfalls online abrufbar.

Die Technischen Werke sind für das Abwassernetz der Stadt zuständig, das vor allem durch Rückhaltebecken Regenwasser bremst, bevor es in nahegelegene Gewässer geleitet wird. Die Dimensionierung dieser Stauräume stellt jedoch ein Problem dar: Für welchen Pegel sollte das Volumen ausgelegt werden? Die prognostizierte zukünftige Zunahme von Starkregenereignissen stellt bisherige Grenzwerte in Frage.

Eine weitere Maßnahme, um Wassermassen aufzuhalten, ist ebenjener Bau von Umleitungen, wie sie in Großhamberg geplant ist. Und auch die Renaturierung bezieht der Technische Leiter als Präventionsmaßnahme gegen Hochwasser mit in seine Planung ein. „Es findet ein Umdenken statt“, bestätigt Sebastian Nocon.

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