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Fünf Jahre nach der ExplosionStaatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Leverkusener Mitarbeiter ein

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Explosion im Tanklager der Sondermüllverbrennungsanlageim Entsorgungszentrum Bürrig des Chempark  Bild: Ralf Krieger

Das Bild zeigt die Rauchsäule beim Brand der Verbrennungsanlage 2021 im Entsorgungszentrum in Leverkusen-Bürrig.

Bei der Explosion starben sieben Menschen und 31 wurden verletzt. Fünf Jahre danach steht nun die Unglücksursache fest.

Die Ermittlungen gegen Currenta-Mitarbeiter von der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen-Bürrig sind fast fünf Jahre nach der Explosion im Tanklager mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden, teilt die Zentralstelle für die Verfolgung der Umweltkriminalität in Nordrhein-Westfalen (ZeUK NRW) mit. Die Dortmunder Spezial-Staatsanwaltschaft schreibt in einer Mitteilung, die Einstellung der Ermittlung betreffe die Beteiligten am Annahmeprozess des Stoffs in Leverkusen. Bei dem Unglücksfall waren sieben Menschen getötet und 31 Personen zum Teil schwer verletzt worden.

„Die aufwendigen Ermittlungen zu dem komplexen Geschehen betreffend die Annahme und Lagerung des fraglichen Abfallstoffs haben nicht zu einem hinreichenden Tatverdacht gegen die Verantwortlichen vor Ort geführt“, wird der Dortmunder Oberstaatsanwalt Kilimann zitiert.

Ermittlungen gegen Müll-Händler laufen weiter

Andere Ermittlungen laufen weiter: Ob Verantwortliche des dänischen Abfallerzeugers und Mitarbeiter eines beteiligten Hamburger Abfallmaklers Informationen zu den gefährlichen Eigenschaften des Abfallstoffes vorwerfbar nicht an die Betreiberfirma weitergegeben haben, dauerten an, so der Staatsanwalt.

Technische Ursache und Ausgangspunkt der Explosion sei nach dem Ergebnis der Ermittlungen aus Dänemark stammender Abfall gewesen, der in dem Tanklager der Anlage über der sogenannten Selbsterwärmungstemperatur gelagert worden sei. Hierdurch seien Selbsterwärmungseffekte eingetreten, die am 27. Juli 2021 um 9.37 Uhr zu einem exponentiellen Temperatur- und Druckanstieg und letztlich zu einer Explosion mit einem sich anschließenden Brandereignis geführt hätten.

Allerdings sei nach dem Ermittlungsergebnis die für die Explosion ursächliche selbstzersetzende Eigenschaft des Stoffs für die Mitarbeitenden nicht erkennbar und das Schadensereignis damit auch nicht vorhersehbar gewesen. Die zum Abfallstoff vorgelegten Daten und Unterlagen, mit denen die mit der Annahme und Lagerung des Abfalls befassten Verantwortlichen gearbeitet hätten, sollen keine derartigen Informationen enthalten haben.

Ein feuer an einem Lastwagen nach der Explosion im Tanklager der Sondermüllverbrennungsanlage im Entsorgungszentrum Bürrig des Chempark.  Foto: Ralf Krieger

Ein Feuer brennt an einem Lastwagen nach der Explosion im Tanklager der Sondermüllverbrennungsanlage im Entsorgungszentrum Bürrig.

Das NRW-Umweltministerium hat zum fünften Jahrestag der Explosion in Leverkusen einen Bericht an den Landtagspräsidenten verfasst. Der Titel lautet: „Erkenntnisse und Konsequenzen aus dem Explosions- und Brandereignis in der Sondermüllverbrennungsanlage der Currenta GmbH“. Das Fazit: In dem neunseitigen Papier wird deutlich, dass man im Ministerium mit der Wiederinbetriebnahme der Bürriger Anlage zufrieden ist.

Das „Schadensereignis“ in Bürrig sei eines der schwersten und folgenreichsten der letzten Jahrzehnte in der Bundesrepublik gewesen, so der Bericht: Sieben Tote, 31 Verletzte, der Sachschaden an der Anlage habe 28 Millionen Euro betragen plus die Mehrkosten durch den Ausfall des Ofens.

Inzwischen habe man organisatorische Verfahren entwickelt, um solche Unfälle künftig „nach menschlichem Ermessen sicher auszuschließen“ Das sei durch die bessere Deklaration und Analyse der angelieferten flüssigen Abfälle erreicht worden. Ein besonderes Augenmerk liege auf der thermischen Stabilität. Die Selbsterhitzung eines Stoffs aus der dänischen Firma FMC Agricultural Solutions a/s über Nacht war ursächlich für die Explosion.

Die für Leverkusen neu entwickelten Standards würden von den NRW-Bezirksregierungen auf vergleichbare Anlagen angewendet – inzwischen würden sie sogar bundesweit beachtet.

Nach der Explosion durfte Currenta ausschließlich Abfälle aus NRW annehmen, inzwischen aber wieder aus den EU-Staaten, also auch aus Dänemark und zusätzlich Großbritannien. Als letzten Schritt hat die Bezirksregierung Köln die Verbrennung von Flüssigkeiten zugelassen, die erst in besonderen Kesseln erhitzt werden müssen, etwa, weil sie kalt zu dickflüssig sind. Gut brennbare flüssige Abfälle sind für die Anlage praktisch der eigentliche Brennstoff: Sie werden durch Düsen in die Drehrohröfen eingespritzt, in denen nicht brennbare giftige Abfälle durch die Hitze entgiftet werden.

Der „Begleitkreis Bürrig“ zur Wiederinbetriebnahme sei aus Transparenzgründen wichtig gewesen, heißt es in dem Papier. Verloren gegangenes Vertrauen in die Sicherheit der Anlage und die Akzeptanz habe man so zurückgewonnen.

Auch der „Leverkusener Anzeiger“ konnte an den Sitzungen teilnehmen, aber nicht von Anfang an; zunächst war die Presse ausgeschlossen.