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Stadt- und Eisenbahngeschichte OpladenDie verschwundene Fußgängerbrücke über die Bahn

Eisenbahnhistorie ist ein schier unendliches Spielfeld für Spezialisten. Der bekannte Historiker Kurt Kaiß aus Leichlingen hat  ein neues kleines Buch zur verschwundenen Fußgängerbrücke in Opladen herausgebracht.

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2003: eines der letzten Bilder von der Fußgängerbrücke, die die Opladener Neustadt und die Werkstättenstraße verband. Bild: Ralf Krieger

2003: eines der letzten Bilder von der Fußgängerbrücke, die die Opladener Neustadt und die Werkstättenstraße verband. Kurt Kaiß hat ihr ein kleines Heft gewidmet.

Bevor der Bahnhof Opladen mit seinem Güterbahnhof und das Ausbesserungswerk nach der Jahrtausendwende an Bedeutung verloren, war dort viel los. Am besten beobachten konnte man den Betrieb von der alten Fußgängerbrücke aus, die in der Verlängerung der Wilhelmstraße aus der Neustadt über die riesige Gleisanlage zur Werkstättenstraße führte.

1910 eingeweiht, stand sie keine 100 Jahre. 1990 entschied sich die Bahn, nichts mehr an der Brücke zu restaurieren. 1994 ging sie in den Besitz der Stadt Leverkusen über. 2004 wurde sie, in wesentlichen Teilen komplett vom Rost zerfressen, demontiert und von der Firma Bender verschrottet. Akute Baufälligkeit, hieß es. Der Leichlinger Eisenbahnhistoriker Kurt Kaiß hat ihr jetzt eine kleine Publikation mit historischen Fotos gewidmet, darunter einige vom Fotografen des „Leverkusener Anzeiger“.

Die Brücke nach dem Krieg. Foto: Stadt Leverkusen

Die Brücke nach dem Krieg.

Kaiß’ erste Gehversuche in der Eisenbahnfotografie, im Alter von 13 Jahren, sind mit dieser Brücke verbunden: Als Schüler habe er von dort Aufnahmen gemacht. Er habe samstagsvormittags zur Schule gemusst, danach sei er auf die Brücke und habe den interessanten Rangierbetrieb auf der großen Opladener Gleisharfe beobachtet und Schwarz-Weiß-Aufnahmen gemacht. Einige sind in seinem neuen Buch veröffentlicht, etwa von einer heftig qualmenden Dampflok. Überhaupt habe man sich als Kind auf der Brücke schön vom Dampf einhüllen lassen können.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wiederaufgebaut, dann verrostet

Im Zweiten Weltkrieg wurde die ursprüngliche Brücke, die aus fünf einzelnen Stahlfachwerk-Elementen bestanden hatte, beim Luftangriff auf Opladen am 28. Dezember 1944 in vier von fünf Teilen zerstört. Erst Anfang der 1950er-Jahre wurde sie wieder aufgestellt. Auch, weil viele Opladener die kilometerweiten Umwege vermieden und illegal die Gleise überquerten, über die inzwischen schon wieder schnell fahrende Züge rollten.

Ludwig Rehbock, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Opladen, soll sich für den Wiederaufbau eingesetzt haben. Aber die reparierte Brücke sah gestückelt aus. Man verwendete etwa eine vorgefertigte Vorratsbrücke, die sich irgendwo bei der Bahn auftreiben ließ. Die Brücke wurde beim Wiederaufbau hochgesetzt und musste 1958 wegen der Elektrifizierung der Strecke noch einmal hochgebockt werden. Die nächsten 45 Jahre reichten dem Rost, um sein zerstörerisches Werk zu tun: Am 28. Februar 2004 war es mit der 165 Meter langen Fußgängerbrücke endgültig zu Ende, die Stahlteile wurden von den Stützen heruntergehoben und später verschrottet.

Im Zuge der neuen Bahnstadt-Entwicklung entstanden zwei neue Fußgängerbrücken, die die Gleise überqueren. Geplant waren ursprünglich drei, eine sollte wie eh und je in Verlängerung der Wilhelmstraße entstehen. Dazu kam es aber nie.

Die alte Fußgängerbrücke erfüllte eine wichtige Funktion. Millionenfach überquerten Eisenbahner sie auf dem Weg zur Arbeit; viele wohnten in der Neustadt. Die Frauen nutzten die Brücke und brachten ihren Männern mittags das Essen zur Arbeit in die Werkstätte, womöglich auch im Henkelmännchen, aber „Henkelmännchenbrücke“ wurde die Überquerung in alten Zeitungsartikeln oder anderen Publikationen nie genannt, hat Kaiß herausgefunden. Deshalb hat auch die Bezeichnung „Henkelmännchenplatz“ eigentlich keine Berechtigung, die die neue Bahnstadt einem Platz in der Bahnstadt West im Bereich der ehemaligen Brücke gegeben hatte. Aber die Information kommt etwas zu spät: Der nette, aber falsche Name steht längst in der amtlichen Leverkusener Stadtkarte.


Vortrag: Am 26. November 2026, 19 Uhr, referiert der Historiker Kurt Kaiß über die Fußgängerbrücke als ein Stück Opladener Eisenbahn- und Stadtgeschichte. Ort: Sängerheim des Chors Germania Opladen, Campusallee 15, Opladen. Eintritt 3,50 Euro, das Heft, mit vielen Bildern, kostet 15 Euro.