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2025Chef auf Abruf bilanziert bestes Jahr der Energieversorgung Leverkusen seit Langem

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qEine Übergabestation in Wiesdorf, bei der Strom von Überland- Hochspannungsleitungen in Erdkabel übergeleitet wird. Bild: Ralf Krieger

Ins Stromnetz wird die EVL in den nächsten zwei Jahrzehnten 573 Millionen Euro investieren müssen. Hier eine Übergabestation in Wiesdorf, bei der Strom von Überland-Hochspannungsleitungen in Erdkabel übergeleitet wird. 

Thomas Eimermacher liefert erneut ab: Seine EVL hat im Juli sechs Millionen Euro an den Sportpark überwiesen. 

Die Energiekrise ist so einigermaßen vorbei, aber in der Bilanz der EVL sieht man das vor allem im Umsatzvolumen. Das ist 2025 recht deutlich zurückgegangen, weil die Beschaffungspreise sich normalisiert haben. Allerdings auf einem höheren Niveau als vor der Ukraine-Krise. Der Energiemarkt, das sagte am Montagabend Thomas Eimermacher im Finanzausschuss, sei nach wie vor extrem volatil: „Ein Wort von Donald Trump – und alles kommt in Bewegung.“

In Bewegung gekommen ist bekanntlich auch vieles in seinem eigenen Haus. Thomas Eimermacher ist nur noch kaufmännischer Geschäftsführer auf Abruf. Sein Kollege Ulrik Dietzler ist im Ruhestand, die Nachfolge des technischen Geschäftsführers nur für den Übergang geregelt. Jan Meese habe trotzdem dafür gesorgt, dass die Energieversorgung Leverkusen ihre Strukturen unter die Lupe nimmt und sich neu aufgestellt. „Das war längst überfällig“, so Eimermacher.

20 Jahre mit gigantischen Investitionen

Tatsächlich habe der Versorger, der je zur Hälfte der Stadt Leverkusen und der Kölner Rhein-Energie gehört, viel vor sich: Bis 2045 müssten rund 870 Millionen Euro ins Netz investiert werden. Der Löwenanteil mit rund 573 Millionen ins Stromnetz. Dort ist am meisten zu tun, weil die Wärmewende vor allem mit Strom gelingen muss. „Wir werden nicht die ganze Stadt Leverkusen mit Fernwärme beglücken können“, so Eimermacher. Die derzeit laufende Erweiterung im Alkenrath, die rund 1200 Wohnungen von fossilen Heizungen befreit, sei sicher die Ausnahme.

Vor allem dort, wo Einfamilienhäuser stehen, wird in Zukunft die Wärmepumpe die Heizung der Wahl sein müssen, und dafür braucht man viel Strom. Derzeit investiert die EVL um die 20 Millionen Euro im Jahr in ihr Netz. Dieser Betrag dürfte sich in der Zukunft ungefähr verdoppeln müssen – und dann würde es wohl schwierig mit den hohen Ausschüttungen. In diesem Jahr waren es 12 Millionen Euro, was sich dem um rund eineinhalb Millionen besseren Jahresergebnis von reichlich 13 Millionen verdankt. Die Hälfte der Ausschüttung fließt nach Leverkusen, und zwar in den Sportpark. „Wir haben im Juli überwiesen“, so der EVL-Chef.

EVL-Geschäftsführer Thomas Eimermacher Bild: Ralf Krieger

Thomas Eimermacher rechnet auch in diesem und den nächsten Jahren mit hohen Überschüssen bei der EVL.

Auch dieses Jahr müssen sich die Anteilseigner keine Sorgen machen, kündigte Eimermacher an. 13,1 Millionen Euro Überschuss seien erreichbar. 2027 könnte etwas schlechter laufen, sodass nur gut zehn Millionen Euro Jahresüberschuss anfallen. Danach soll es aber wieder aufwärtsgehen und das übrigens steil: Für das Jahr 2028 prognostiziert die EVL ein Plus von 11,9, für 2029 dann 13,9 und für 2030 gar 14,8 Millionen Euro Überschuss.

Weil Investitionen auch Sachwerte gegenüberstehen, ist das Mammut-Investitionsprogramm durchaus zu stemmen. Dazu kommt die Eigenkapitalquote. Sie liegt im Moment bei 42,2 Prozent – „auch 30 Prozent wären immer noch solide“, kommentierte Eimermacher das.

Große Kunden brauchen weniger Strom

Aus dem Tagesgeschäft ist aber nicht nur Positives zu berichten. Das Stromgeschäft mit Großkunden „hat nachgelassen“, so der kaufmännische Geschäftsführer. Dabei sind es nicht nur Leverkusener Unternehmen, die von der EVL beliefert werden. Den nachlassenden Energieabsatz müsse man als klares Zeichen sehen, „dass die Wirtschaft darniederliegt“, so Eimermacher.

Claudia Wiese, Fraktionschefin der Grünen, blickt eher mit Bangen auf die Jahre bis 2045. Sie glaubt nicht, dass die EVL immer weiter zweistellige Millionenbeträge ausschütten kann und gleichzeitig enorme Summen investieren. Womöglich müsse man bei der Stadt umdenken.


WGL will größeren Anteil am Gewinn behalten

Bei der WGL würde man sicher lieber weniger an die Stadt abführen als jetzt üblich: Mit Blick darauf, dass die städtische Wohnungsgesellschaft weiterhin Stadtentwicklung betreiben und günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen soll, sagte Geschäftsführer Gerald Hochkamer am Montagabend im Finanzausschuss: „Die Überschüsse bleiben am besten im Unternehmen.“ Denn „Investitionen werden aus Gewinnen getätigt“.

Derzeit habe die WGL rund zwölf Prozent Anteil am Leverkusener Mietwohnungsmarkt – was sich überdies preisdämpfend auswirkt. Denn die durchschnittliche Kaltmiete sei in Leverkusen in diesem Jahr auf 12,47 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Wer hingegen bei der WGL mietet, zahle im Schnitt 6,86 Euro kalt. Allerdings sei dieses Preisniveau auf Dauer nicht zu halten, so Hochkamer. Im „Chancenbericht“ liest sich das dann so: „Die Gesellschaft sieht Mietsteigerungspotenzial vor allem in der laufenden Modernisierung des Bestands.“

Traditionell investiert die städtische Wohnungsgesellschaft in die laufende Modernisierung ihrer rund 7000 Wohnungen. 2025 lag das Budget dafür bei 13,3 Millionen Euro. Der Lohn: Die CO₂‑Belastung durch eine WGL-Wohnung liege im Schnitt nur rund halb so hoch wie im Bestand des Großvermieters Vonovia, so Hochkamer. Darauf dürfe man sich aber nicht ausruhen, so der WGL-Chef. Aber: Auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität „sind wir gut unterwegs“. (tk)