Marc Kretkowski hat seinen neuen Vertrag unterschrieben. Er gilt bis Ende 2030 und bringt ihm eine Gehaltserhöhung von rund zehn Prozent.
Öffentliche UnternehmenLeverkusen legt Streit um Gehalt des Wupsi-Chefs bei

Wupsi-Busse in Leverkusen Mitte: Das Unternehmen wird mindestens bis Ende 2030 von Marc Kretkowski geführt.
Copyright: Ralf Krieger
Die Kuh ist vom Eis; der neue Vertrag „wurde vorige Woche unterschrieben“, sagt auf Anfrage Marc Kretkowski. Der Wupsi-Geschäftsführer bleibt mindestens bis zum 31. Dezember 2030, dann ist er 64 Jahre alt. Doch um seine erneute Bestellung hatte es erhebliche Irritationen gegeben. Es brauchte mehr als ein Jahr, um sie auszuräumen.
Dabei ging es nie um das Ob, sondern immer nur um das Wie: Die beiden Eigentümer – das sind die Stadt Leverkusen und der Rheinisch-Bergische Kreis zu je 50 Prozent – wollten auf jeden Fall mit Kretkowski verlängern. Er führt das Unternehmen seit 20 Jahren und hat es seitdem deutlich umgebaut. Aus dem öffentlichen Busbetrieb ist ein Mobilitätsdienstleister geworden: mit einem flächendeckenden Leihsystem für normale, elektrische und Lastenfahrräder sowie einem Car-Sharing-System. Nebenbei hat die Wupsi unter Kretkowski die Elektrifizierung ihres Bus-Fuhrparks energisch vorangetrieben.
Doch der eigentlich nicht sonderlich spektakuläre Akt einer erneuten Bestellung fiel im vorigen Spätsommer in eine Zeit, in der in Leverkusen intensiv über Geschäftsführer-Gehälter bei den städtischen Töchtern diskutiert wurde. Unter anderem, weil wegen der tiefgreifenden Finanzkrise der Stadt über Stellen, aber eben auch über Bezahlung nachgedacht wurde.
Höchstens doppelt so viel wie der OB
Zur selben Zeit wurde der Leverkusener Public Corporate Governance Codex verabschiedet. Er enthält auch eine Gehälter-Regel, und die ist konkret: Geschäftsführer städtischer Tochtergesellschaften sollen fortan nicht mehr als doppelt so viel verdienen wie der Oberbürgermeister. Das bedeutet: maximal 320.000 Euro im Jahr, wenn man von der Grundbesoldung des OB ausgeht. Er ist nach B9 eingruppiert. Das sind derzeit 13.342,81 Euro monatlich, also 160.113,72 Euro im Jahr. Dazu kommt eine zehnprozentige Aufwandsentschädigung, wodurch das Gesamtbrutto auf rund 176.125 Euro im Jahr steigt.

Nach einem Jahr der Irritationen hat Marc Kretkowski gerade seinen neuen Vertrag als Wupsi-Geschäftsführer unterschrieben.
Copyright: Charlotte Breidohr
Als es im vorigen Spätsommer um die Wiederbestellung von Marc Kretkowski ging, spielte der Corporate Governance Kodex explizit keine Rolle. Trotzdem wurden die Leverkusener Vertreter im Aufsichtsrat der Wupsi mit der Maßgabe losgeschickt, zwar einen neuen Vertrag für den Wupsi-Chef abzusegnen, aber nicht zu besseren Konditionen.
Zehn Prozent mehr
Eine spürbare Gehaltserhöhung hatte Kretkowski allerdings schon mit den Wupsi-Aufsehern ausgehandelt. Sein Gehalt sollte um weitere rund zehn Prozent auf 300.000 Euro im Jahr erhöht werden; außerdem die Pauschale für seine Altersversorgung um 25.000 Euro im Jahr steigen. Zum zweiten Punkt muss man wissen, dass der Wupsi-Geschäftsführer nicht, wie es früher üblich war, mit hohen Pensionszusagen ausgestattet wurde. Stattdessen hilft der Arbeitgeber beim Aufbau einer Rente, die in einem ordentlichen Verhältnis zum letzten Gehalt steht.
In den Wupsi-Gremien hielt man das Paket der Bezüge für angemessen – aber die missverständliche Weisung aus dem Leverkusener Stadtrat sorgte für Ärger: Unter anderem herrschte die Meinung vor, dass Kretkowski bereits ab Juni 2025 das höhere Gehalt zusteht. Dabei war das mit dem neuen Vertrag verbunden, der erst ab 1. Juni diesen Jahres in Kraft treten sollte.
Nach eigener Aussage hat der Wupsi-Geschäftsführer sich das höhere Gehalt auch nicht auszahlen lassen. Erst mit dem Juni-Gehalt gab es den Zuschlag. Dieser war in einer vertraulichen Vorlage als „erklärungsbedürftig“ dargestellt worden: Der Vergleich mit Kretkowskis Grundgehalt ergab eine Steigerung von satten 27 Prozent. Die Erklärung: Die rund 236.500 Euro im Jahr waren das Jahresgrundgehalt zu Beginn seines vorigen Vertrags. In dem sei – wie auch jetzt wieder – eine Steigerung verabredet, so Kretkowski auf Anfrage. Das Entgelt des Geschäftsführers steigt während der Vertragslaufzeit im selben Maß wie die Gehälter aller Beschäftigten im Öffentlichen Dienst.
Im Vergleich mit anderen Geschäftsführern öffentlicher Unternehmen scheint Kretzkowskis Bezahlung im Rahmen. Trotzdem wird die Diskussion um Gehälter weitergeführt. Und so macht die Stadtverwaltung in der jüngsten und vom Stadtrat vor der Sommerpause verabschiedeten vertraulichen Vorlage einen Vorschlag: „Der grundsätzliche Wille des Rates der Stadt Leverkusen zur Reduzierung der Geschäftsführungskosten kann von der Stadt Leverkusen gerne frühzeitig für die nächste Wiederbestellung bzw. vor allem für einen Neustart mit einem neuen Geschäftsführer hinterlegt und frühzeitig an den anderen Gesellschafter adressiert werden.“
