Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst nimmt zu. Einen solchen Fall meldete in der vergangenen Woche auch die Stadt Leverkusen.
TBL-Mitarbeiter angegriffenWas die Stadt Leverkusen gegen Gewalt an ihren Mitarbeitern tut

Die Gewalt gegen öffentlich Beschäftigte wächst.
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Jede vierte im öffentlichen Dienst beschäftigte Person hat einer Studie des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2022 zufolge schon einmal Gewalt erlebt. Wie so ein Angriff aussehen kann, erlebte in der vergangenen Woche ein Mitarbeiter der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) in der Opladener Fußgängerzone. Er wurde von etwas am Kopf getroffen. Die Polizei fasste einen Tatverdächtigen, bei dem sie unter anderem Softair-Waffen und eine Steinschleuder fand. Der Schluss liegt also nahe, dass er auf den TBL-Mitarbeiter geschossen habe.
Dass Gewalt gegen Personen im öffentlichen Dienst sich auch in Leverkusen niederschlägt, dürfte leider keine Überraschung sein. Ein paar weitere Zahlen: Laut dem Bundeslagebild „Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamte 2024“ des Bundeskriminalamts sind zwischen 2015 und 2024 die Fallzahlen von Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten um 38,5 Prozent gestiegen, im Jahr 2024 zählte das BKA 46.367 solcher Gewalttaten an 105.708 betroffenen Polizeikräften (plus zehn Prozent).
Einen Höchststand seit 2018 meldet das BKA auch für Angriffe auf den Rettungsdienst: 2916 Opfer. Die 687 Fälle bei der Feuerwehr bedeuten einen Anstieg von 5,7 Prozent gegenüber 2022. Insgesamt, so stellt es der Deutsche Gewerkschaftsbund dar, hat es im Jahr 2024 111.496 Gewalttaten gegen Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr gegeben (plus fünf Prozent zu 2023).
Zwei Fälle in Leverkusen
Das Haufe-Institut zählt 1283 Fälle von vorsätzlicher Körperverletzung gegen Lehrkräfte im Jahr 2024, fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Bei der Bahn wurden laut DGB im Jahr 2024 3324 Fälle von angedrohter, versuchter und tatsächlich ausgeübter Gewalt gemeldet.
Laut einer Forsa-Umfrage, die der Deutsche Beamtenbund beauftragt hatte, haben 30 Prozent von rund 2000 befragten Bürgerinnen und Bürgern im Jahr 2025 beobachtet, wie Beschäftigte des öffentlichen Diensts behindert, belästigt, beschimpft oder angegriffen wurden. 2019 waren es 26 Prozent der Befragten.
„Wir betrachten das Thema auf verschiedenen Ebenen“, teilt dazu auf Anfrage Oberbürgermeister Stefan Hebbel mit. Denn Gewalt gegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spielt sich nicht immer am gleichen Ort und nicht immer auf die gleiche Weise ab. In ihren Räumen setzt die Stadt auf einen Sicherheitsdienst. Gleichzeitig versuche man, „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sensibilisieren und sie auch zu befähigen, Gefahrensituationen zu entgehen“.
Aber es ist definitiv schon länger auf der Tagesordnung – unabhängig von dem Vorfall.
Zweimal hätten in den vergangenen beiden Jahren Bürgerinnen und Bürger „ein übermäßig unkooperatives oder verbal aggressives Verhalten“ gezeigt, sagt die Stadt. Es sei noch mal gut gegangen, weil der Sicherheitsdienst früh und konsequent eingeschritten sei. Zweimal mussten aber auch der KOD und die Polizei kommen, weil die Unruhestifter sich nicht einsichtig gezeigt hätten.
Und im Außendienst gehe es auch um technische Fragen. Der Kommunale Ordnungsdienst zum Beispiel trägt Bodycams und eine Schutzausrüstung. Und im Falle des TBL-Mitarbeiters hat die Stadt sofort reagiert und schickt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst mal nur zu zweit in den Außendienst. Grundsätzlich, so Hebbel, sei man noch nicht überall „durch die Tür“, was das Thema angeht. „Aber es ist definitiv schon länger auf der Tagesordnung – unabhängig von dem Vorfall. Es gibt auch eine Arbeitsgruppe zu dem Thema.“
Die heißt „Beschäftigtensicherheit“. Darin überprüfe man regelmäßig die bestehenden Maßnahmen, so die Stadt. Man wolle Sicherheitsressourcen effizient und kostengünstig gestalten, aber ohne Qualitätsverlust. 540.000 Euro brutto im Jahr 2025 hatte die Stadt für den Sicherheitsdienst ausgegeben. Aber die Verwaltung stellt klar: „Bei allen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen stehen ein sicheres Arbeitsumfeld für die Belegschaft und ein reibungsloser, geschützter Publikumsverkehr zu jeder Zeit an erster Stelle und sollten vollumfänglich garantiert bleiben.“
73 Gewaltmeldungen im Jahr 2025
Im Oktober 2024 hatte die Stadt die Grundsatzerklärung „Null Toleranz – Nein zur Gewalt“ unterschrieben. Und: „Aufgrund des steigenden Aggressionspotentials gegenüber Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst ist die Stadt Leverkusen zudem bereits 2023 dem Netzwerk #sicherimDienst beigetreten, einer Landesinitiative zum Schutz von Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst.“ Gewaltvorfälle erfasst die Stadt durch Meldebögen, auf die jeder Mitarbeiter Zugriff hat. Damit schaffe man eine Datengrundlage. Aus dem Arbeitskreis heraus sollen ein Sicherheitskonzept für die Verwaltung erarbeitet werden.
73 Gewaltmeldungen habe es im vergangenen Jahr über die Meldebögen gegeben, so die Stadt. Größtenteils sei es dabei um verbale Angriffe gegangen, dann kamen Bedrohungen und körperliche Angriffe. Davon seien besonders Mitarbeiter im Außendienst betroffen, zum Beispiel in den Bereichen Ordnung, Straßenverkehr und Soziales. Für das laufende Jahr hat die Stadt bisher 39 Gewaltmeldungen registriert. Weitere Ideen der Stadt sind Schulungsangebote, Gewaltschutztrainings und ein internes Notrufsystem.
OB Hebbel hatte sich nach dem Vorfall um den TBL-Mitarbeiter empört gezeigt: „Der Vorfall verdeutlicht in besorgniserregender Weise, welchen Anfeindungen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes teilweise ausgesetzt sind. Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe dürfen nicht als Begleiterscheinung der täglichen Arbeit hingenommen werden.“
Ähnlich formulieren das Daniela Finkenwirth und Jens Schmickler, die Vorsitzenden des Komba-Ortsverbands Leverkusen. Komba ist eine Gewerkschaft für unter anderem Beamtinnen und Beamte in Kommunen. Finkenwirth und Schmickler sagen: „Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist ein Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft. Wer sich täglich für das Gemeinwohl einsetzt, muss seine Arbeit sicher und ohne Angst ausüben können.“ Deshalb lädt die Gewerkschaft für Donnerstag, 2. Juli, 9 Uhr, zur Mahnwache vor dem Rathaus in Wiesdorf ein.
