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Rundgang mit ThermometerWo es in Leverkusen besonders heiß ist

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Hans-Martin Kochanek und Stefanie Bias messen Temperaturen in der Stadt

34,7 Grad am Busbahnhof: Hans-Martin Kochanek und Stefanie Bias messen Temperaturen an mehreren Stellen in der Stadt. 

Im Namen des Nabu und BUND hat Hans-Martin Kochanek an ausgewählten Orten der Stadt die Lufttemperatur gemessen.

Am Donnerstag war wieder einer dieser heißen Tage. Hans-Martin Kochanek hat an diesem Tag eine seit Längerem geplante Rundfahrt durch Leverkusen unternommen, um die Temperatur an mehreren Stellen zu messen, auch um zu sehen, was jeder weiß: Wenn auch nur ein Baum in der Nähe steht, lässt es sich besser aushalten.

Die Messungen bestätigen das: Während die flirrende Luft am Busbahnhof nahezu 35 Grad heiß ist, hat seine Messreihe ergeben, dass an den Stellen in Straßen mit Bäumen zwar auch heiß, aber mehr als zwei Grad kühler ist. Kochanek, der über Jahrzehnte das Schulbiologiezentrum Naturgut Ophoven geleitet hat, plädiert angesichts der Hitzewellen und Trockenheit in diesem Sommer für einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung.

Die Forderung nach mehr Bäumen resultiert aus der Hitzewelle. Das ist keine Naturromantik.
Hans-Martin Kochanek

„Jeder gepflanzte Baum muss wichtiger sein als jeder Parkplatz. Bisher ist es so, dass erstmal geplant wird und dann guckt man vielleicht, wo kann hier ein Baum hin?“ Das müsse sich doch umdrehen lassen, findet der Biologe. „Diese Forderung resultiert aus der Hitzewelle, das ist keine Naturromantik. Die Hitzetoten sollten für uns eine Mahnung sein, dass wir unsere Stadtgestaltung verändern“, sagt der Ökologe, „und dieser Sommer ist erst der Anfang“. Kochaneks Nabu-Kollegin Stefanie Bias sagt, sie sei neulich bei der Eröffnung des Hitdorfer Hafens gewesen und ihr sei aufgefallen, dass dort nach der Erneuerung viel weniger Grünes und Bäume gegenüber früher stünden: „Warum eigentlich? Wir wissen es doch besser!“

Busbahnhof Opladen. Bild: Ralf Krieger

Spitzenreiter bei der Temperatur in der messreihe Kochaneks: der Busbahnhof Opladen.

Kochanek sagt, ihm sei bei seiner Rundfahrt noch mal aufgegangen, dass Potenzial verschenkt werde. Ihm sei etwa ein Trafohäuschen an der Robert-Blum-Straße mit einem Metallstabzaun aufgefallen. An solchen Zäunen könnten Pflanzen wachsen. Kurz gemähter Rasen sei zwar besser als Asphalt, bringe aber weniger als Büsche. Weshalb etwa das Gelände, auf dem früher die Bullenklöster an der Peschstraße und Ludwig-Erhard-Platz gestanden haben, immer wie ein Golfrasen gemäht wird und dort nicht wenigstens Büsche stehen, sei unklar. Am besten wirkten großkronige Bäume, sagt er. Das Gelände, auf dem früher große Bäume standen, gehört Gernot Paeschke. Eine seit Jahren geplante Vermarktung fällt dem Investor schwer.

Begrünung: In der Stadt gibt es Potenzial

Die Redaktion trafen Kochanek am Busbahnhof in Wiesdorf, wo der heiße Wind in der Sonne einen schnell aufheizt. Auch der alte Busbahnhof war, genauso wie der alte Vorplatz vor dem grünen Rathaus, von vielen Bäumen bestanden. Ein Baum im Vorgarten spare ein oder zwei Klimaanlagen, so der Naturexperte.

Birkengartenstraße, Titanstraße, Paeschke-Grundstück, ehemals Bullenklöster Montanusquartier. Foto: Ralf Krieger

Birkengartenstraße, Peschstraße: das Feld mit Potenzial für mehr Grün, zumindest bis zur Vermarktung.

Kochanek versucht, seine Messreihe, die er im Namen des BUND und Nabu vornimmt, nach seinen Möglichkeiten wissenschaftlich korrekt auszugestalten. Die Messorte hat er am Nachmittag um 15 Uhr möglichst schnell hintereinander aufgesucht. Für das Thermometer hat er etwas tiefer in die Tasche gegriffen; es hat Industriestandard und registriert elektronisch, blitzschnell dreimal in der Sekunde die Temperatur. Das Thermometer wird immer in knapp zwei Metern Höhe an einem Stativ angebracht. Mit einem hundertprozentig lichtdichten Reflektor aus dem Fotostudio wird Schatten aus die Messapparatur geworfen.

Fahrradparkhaus Opladen. Foto: Ralf Krieger

Das Fahrradparkhaus Opladen wird kaum genutzt.

Die Messungen haben ergeben, dass die Plätze ohne Bäume, etwa die Elsbachstraße im Durchschnitt 35,3 Grad heiß sind, die mit Bäumen 33,2 Grad. Am kühlsten war die schattige Balkantrasse mit 33 Grad, den Spitzenplatz erreicht der Opladener Busbahnhof mit 36 Grad, wo auch das große Fahrradparkhaus steht, das Kochanek sofort mit Efeu bepflanzen würde, wenn er das dürfte.

Kochanek ruft die Leverkusener auf, das Grünflächenamt zu unterstützen und sich nicht über Laub zu beschweren. Es gebe auch knallharte wirtschaftliche Gründe, das alles zu tun: Im heißen Süden sei die Wirtschaft wegen der Hitze nie so gut gelaufen wie bei uns.

Kochanek sagt, er sei jetzt auch fast 70: „Die Messorte mit dem Fahrrad abzufahren, hat mich schwer geschlaucht.“ Die Stadt und Nabu und BUND sammeln Spenden für Bäume.