Am Wochenende feierten die Kolonien II und III ihr traditionelles Koloniefest. Die Debatte über das Erholungshaus war dabei zentral.
ErholungshausAnwohner der Wiesdorfer Kolonien wollen für ihren „Kulturtempel“ kämpfen

Wie jedes Jahr feierten die Anwohner der Kolonie II und III im Park des Erholungshauses das Koloniefest.
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Traditionell ist das Koloniefest das Ereignis im Jahr, das die Zusammengehörigkeit der Kolonien deutlich macht wie kein anderes Fest. Im Erholungspark sitzen die Anwohnenden zusammen, tauschen sich über jegliche Veränderungen aus, über Politik, über ihr Viertel. Die Kolonie ist für die Anwohnenden mehr als nur ein Wohnort.
Kolonie bedeutet Heimat
Die meisten, die das Fest besuchen, sind hier aufgewachsen, wohnen seit 40 oder 50 Jahren dort. „Kolonie bedeutet Heimat“, sagt ein Mann. Es ist eine tiefe Zusammengehörigkeit. Dieses Gefühl verbindet die Anwohnenden allerdings nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Erholungshaus, das prominent in ihrem Viertel steht. Und so ist auch dieses Leverkusener Kulturzentrum viel diskutiertes Gesprächsthema auf dem Koloniefest.
Hintergrund dessen ist die Problematik, dass Bayer Kultur Ende des Jahres das Erholungshaus verlässt, die Stadt sich die Betriebskosten von jährlich 750.000 Euro aufgrund der derzeitigen Haushaltslage allerdings nicht leisten kann. Offen ist nun, wie Leverkusen sein Erholungshaus vor einem Leerstand bewahren kann. Dana Kuckelsberg, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Bürgervereinigung Kolonie II und III Wiesdorf/Manfort zuständig ist, erklärt, welchen Stellenwert das Erholungshaus für die Kolonien hat: „Historisch gesehen ist das Erholungshaus ein Begegnungshaus der Arbeiter. Das haben die früheren Werkarbeiter aufgebaut. Es ist ein sehr bedeutender Kulturtempel für die Kolonien.“
Historisch gesehen ist das Erholungshaus ein Begegnungshaus der Arbeiter
Wenn im Erholungshaus keine Veranstaltungen mehr stattfänden, würde das auch die Außenwirkung der Kolonien dämpfen. „Die Kolonie lebt von den Veranstaltungen“, so Kuckelsberg. Außerdem würde auch Wiesdorf als Stadtteil an Bedeutung verlieren ohne eines seiner beiden Kulturzentren. Aus diesen Gründen steht für die ehemalige Kassierin der Bürgervereinigung fest, dass die Kolonien für den Erhalt des Erholungshauses „kämpfen“ werden: „Wir werden aggressiv an die Öffentlichkeit gehen in der Hoffnung, dass sich die Stadt und Bayer Kultur einig werden.“

Die Debatte über den Erhalt des Erholungshauses war zentrales Thema auf dem Koloniefest.
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Politik im Allgemeinen ist laut Kuckelsberg immer ein beliebter Gesprächsgegenstand auf dem Koloniefest. Zudem sind jedes Jahr auch Vertreter aus der Stadtpoltik als Ehrengäste geladen. Ein solches Fest bietet außerdem Gelegenheit, um in Erinnerungen zu schwelgen – bei dem Thema Erholungshaus verbindet wohl beides „Ich bin hier im Park schon als Kind Schlitten gefahren“, sagt eine Anwohnerin. Eine andere erzählt: „Ich habe im Erholungshaus meine Hochzeit gefeiert.“ Es ist für die Nachbarn mehr als ein Veranstaltungsort, es ist Teil ihrer Biographien.
Sie haben auch eine Petition für den Erhalt des Erholungshauses unterzeichnet. „Eines ist klar: Wir gehen auf die Straße. Das lassen wir uns nicht so einfach nehmen“, macht eine Gruppe langjähiger Kolonie-Anwohnerinnen nochmal deutlich, was Kuckelsberg ebenfalls angesprochen hatte.
Leverkusener OB ist „optimistischer“ bezüglich des Erholungshauses
Einige aus den Kolonien hätten schon die Petition unterschrieben, berichtet Dana Kuckelsberg. Sie spricht auch davon, dass ein Förderverein als potentielle Finanzierungsmöglichkeit im Gespräch sei. OB Stefan Hebbel, der das Koloniefest am Freitagabend ebenfalls besucht, nimmt in seiner Ansprache auch auf das Erholungshaus Bezug. Er betont sein Interesse daran, das Haus nicht sterben zu lassen. „Ich kann noch nichts Konkretes sagen, aber ich bin deutlich optimistischer“, wendet er sich an die Gäste.
Diesem Optimismus scheinen einige der Anwohnenden zu vertrauen. „Man muss Hoffnung haben nach der Rede von Hebbel“, sagen sie.
