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„Lieblingsorte“Der Park an der Villa Römer: Opladen nobel

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Die Villa Römer im August 2026 mit Gerüsten

Ausnahmsweise geht es am Dienstag, 11. August, sehr geschäftig zu rund um die Villa Römer: Das Denkmal wird eingerüstet, die „großbürgerliche Repräsentationsarchitektur“ ist pflegebedürftig.

Klein und fein: Auf dem Frankenberg entfaltet sich historische Pracht. Und man sieht: Auch Landräte wussten zu leben.

Na schön: Echte Höhenluft schnuppert man hier nicht. Dabei steht die Villa Römer an der höchsten Stelle des Frankenbergs. Hier schlug einst das Verwaltungsherz des untergegangenen Rhein-Wupper-Kreises. Inzwischen ist auch der brutalistische Betonbau schräg gegenüber an der Miselohestraße weitgehend untergegangen. Die Stadtverwaltung Leverkusen hat ihn fast komplett aufgegeben.

Dorthin zieht es mich nicht. Jedenfalls, wenn ich es mir aussuchen kann. Auf der Suche nach einem kleinen Erholungsshot lenke ich meine Schritte Richtung Villa Römer. Aber sie führen mich nicht in das Haus der Stadtgeschichte. Das wäre an diesem heißen Donnerstagvormittag auch gar nicht möglich: Es ist zwar viel los dort, aber die Betriebsamkeit beschränkt sich auf das Außengelände. Die Fassade des Prachtbaus, den der Solinger Architekt Paul Linder vor ziemlich genau 120 Jahren dem Unternehmerpaar Antonie und Max Römer als Wohnstatt errichtete, muss aufgefrischt werden. Also führen hier Mitte August nicht belesene Lokalhistoriker des Opladener Geschichtsvereins das Wort, sondern kernige Gerüstbauer.

Der hochsommerlich trockene Park an der Villa Römer.

Ein kleiner Park, trotzdem viele schöne alte Bäume: das Gelände an der Villa Römer

Wirklich gebaut wird noch nicht. Deshalb ist es noch recht ruhig im Park des Anwesens. So ähnlich wie sonst auch. Und darum geht es mir. Im Sommer wird der Verkehrslärm der doch recht nahen Düsseldorfer Straße durch das Blattwerk von Büschen und Bäumen ganz gut abgeschirmt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man sich selbst im verkehrsdurchtosten Leverkusen akustisch im Auge des Taifuns befinden kann. 

Sogar auf der Bank in der Südecke des Parks ist es recht still, obwohl man dort der Düsseldorfer Straße am nächsten kommt. Die Ausrichtung der Sitzgelegenheit bereitet allerdings grundsätzlich Kopfzerbrechen: Von dort schaut man ins Gebüsch, vom Park der Villa Römer sieht man nichts. Dafür müsste man sich seitlich an den Rand setzen und versuchen, um einen Strauch herum zu lugen. Rätselhaft.

Bank im Park an der Villa Römer

Diese Bank steht eindeutig falsch. Der Blick richtet sich auf die Böschung an der Düsseldorfer Straße, nicht in den Park

Die Anordnung der Bäume im Park ist da schon wesentlich schlüssiger. Ein Brunnen und ein Kutscherhaus fehlen ebenfalls nicht: englischer Landschaftsstil für schwer reiche Leute. Heute ist die schwer arme Stadt Leverkusen Eigentümer des Ensembles. Dass es in diesem Sommer etwas trist wirkt, hängt aber nicht mit Geldmangel zusammen, sondern mit Temperaturrekorden: trockene Blätter überall. Und englischer Rasen sieht eigentlich anders aus als der weitgehend braune Teppich, der sich um die alten Bäume legt. Kurz frage ich mich: Ist in dem Brunnen da noch Wasser? Dann könnte man ja fast ... 

Immerhin: Direkt neben dem Brunnenhaus sprießt es geradezu unkontrolliert. Eine reine Augenweide ist das allerdings auch nicht. Man denkt tatsächlich eher an eine Gartenschere.

Das Brunnenhaus im Park der Villa Römer

Das Brunnenhaus ist noch da. Ob darunter auch noch Wasser ist? Man weiß es nicht.

Wäre es nicht so heiß – man könnte sich sehr schön auf der weiten Rasenfläche niederlassen und die Repräsentationsarchitektur der Villa auf sich wirken lassen. Zwischendurch könnte man den Blick ins Geäst lenken. Aber auch dort oben sieht es relativ trocken aus. Im Herbst wird sich das ändern, hoffentlich.

Der wirklich kurze Rundgang führt an der Villa vorbei auf deren Rückseite. Hier kommen eine neuere metallene Sitzgruppe und ein richtiger Aussichtspunkt. Die Ausrichtung der Bänke ergibt hier wesentlich mehr Sinn: Man schaut hinunter Richtung Wupper. Ein echter Miraduro, der allerdings gerade ein wenig unter den sprießenden Brennnesseln leidet. Immerhin: Die machen keinen vertrockneten Eindruck. Auch ein Fußweg führt von dort hinunter zum frischen Wasser. Selbst wenn es wenig ist. 

Aussichtsbank Richtung Wupper unweit der Villa Römer

Diese Aussicht ist besser, nämlich in den Park an der Wupper

Kreispark heißt die Gegend ursprünglich. Nebenan stand mal das Finanzamt in ähnlicher bevorzugter Lage wie heute noch die Straßenverkehrsbehörde. Von der Villa Römer aus stört der Betonbau gar nicht mal so sehr: leicht wirkende Pavillon-Architektur, zumindest auf einer Seite. Auf der Rückseite hat das abschüssige Gelände einen Parkplatz ermöglicht. Der passt freilich nicht so in einen Park. Dafür aber an ein Haus, in dem Autos für den Verkehr zugelassen werden.

Das Finanzamt ist schon vor einer ganzen Reihe von Jahren aufgegeben worden. Im Ursprungsbau sind jetzt Wohnungen, aber damit war das Potential des Grundstücks bei weitem nicht ausgenutzt: Nebenan hat der Langenfelder Baumogul Gernot Peschke ein paar recht hohe Häuser errichtet. Wer oben wohnt, profitiert natürlich erst recht von der schönen Aussicht auf die Wupper.

Hinweisschild auf die Villa Römer

Hier entlang geht es nicht nur ins Haus der Stadtgeschichte, sondern auch in ein bezauberndes Grüngelände.

Das alles nehme ich im Vorbeigehen zur Kenntnis, bevor ich mich in Richtung des früheren Landratsamts wende. Ursprünglich war das auch mal prächtige Architektur, doch die Verbindungsgänge zur später errichteten Betonkiste beeinträchtigen die Gestalt dieses Gebäudes schon von außen. Immerhin fällt so die Ernüchterung nicht so heftig aus, wenn man das Stadtarchiv, das dort inzwischen untergebracht ist, betritt. Da hat sich das Innere der Villa Römer weitaus besser gehalten, auch unter kommunaler Eigentümerschaft.

Aber hier und heute soll es ja um Äußerlichkeiten gehen. Der Park ist immer einen kurzen Besuch wert.