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Neue S-Bahn zwischen Aachen und der ErftachseAuf der Suche nach der perfekten Trasse

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RWE-Braunkohle-Werkbahn RWE Braunkohle Werkbahn Rheinbraun Führerstand Lokomotive Lokführer Walter Scholz Bergheim Niederaußem rheinisches Braunkohlerevier 28.08.2018 Foto: Uwe Weiser

Eine Trasse der RWE-Braunkohle-Werkbahn am Kraftwerk Niederaußem. Ob das RWE-Streckennetz in die geplante neue Schieneninfrastruktur einbezogen werden kann, ist noch unklar. Foto: Uwe Weiser

Nach dem Kohleausstieg soll das Rheinische Revier mit einer durchgehenden S-Bahn-Linie erschlossen werden, die von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann.

Ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zur Erschließung des Rheinischen Braunkohlereviers zwischen Aachen, Jülich und dem Rhein-Erft-Kreis mit neuen Bahnverbindungen nach dem Ende des Kohleausstiegs ist getan. Die Verkehrsverbünde go.Rheinland und Rhein-Ruhr (VRR) haben am Mittwoch in Jülich ihre vorläufigen Ergebnisse über mögliche Trassenverläufe der Revierbahn West vorgestellt, die jetzt näher untersucht werden sollen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Worum geht es genau?

Grundsätzlich um den Bau einer teilweise neuen, zweigleisigen elektrifizierten Bahntrasse quer durch das Revier als Erweiterung des S-Bahn-Netzes zwischen Aachen, Jülich und dem Rhein-Erft-Kreis. Sie soll direkte Verbindungen und kürzere Fahrzeiten möglich machen und vor allem die bestehenden Lücken im Schienennetz schließen. Eine Machbarkeitsstudie ist bereits beauftragt und soll im Jahr 2027 vorliegen.

Bisher ist das Rheinische Revier bei den Bahnverbindungen deutlich unterversorgt. Wie soll sich das ändern?

Auf Basis einer Raumanalyse des gesamten Reviers haben die Planer fünf grobe Trassenvorschläge entwickelt, die jetzt näher untersucht werden. Dabei geht es um zwei Varianten: Wie müsste die Trassenführung verlaufen, um zwischen den Hauptverkehrsknoten möglichst schnell unterwegs zu sein und kurze Fahrzeiten zu erreichen? Oder sind viele Haltepunkte wichtiger, auch wenn sich dadurch die Fahrzeiten verlängern?

Für die sogenannte schnelle Variante wurde das gesamte Revier in zwei „Lupenräume“ aufgeteilt. Der erste umfasst den Bereich zwischen Aachen und Jülich, der zweite den Raum zwischen Jülich und der Erftachse mit Bergheim und Bedburg.

Die zweite Planungsvariante legt den Schwerpunkt auf eine engmaschige Erschließung der Region, um möglichst viele Siedlungen und Wirtschaftsbereiche ans Bahnnetz mit vielen Haltepunkten anzuschließen.

Die violettfarbenen Linien zeigen die schnellen, die blauen die regionalen Streckenvarianten. Quelle: go.Rheinland

Kommen wir zu den beiden „Lupenräumen“. Was wird da genau geprüft?

Zwischen Aachen und Jülich sollen jeweils zwei regionale und zwei schnelle Varianten und eine mögliche Anbindung von Baesweiler untersucht werden, das alternativ aber auch mit einer Regiotram ans Schienennetz angeschlossen werden könnte.

Beim Lupenraum Jülich-Erftachse wird ähnlich verfahren. Hier geht es um die Frage, ob der Brainenergy Park und das Forschungszentrum in Jülich angeschlossen werden sollen. Die genaue Einbindung der neuen Revierbahn West im Stadtgebiet Jülich und entlang der Erftachse (Bedburg und Bergheim) wird nicht von go.Rheinland vorgegeben. Der Gutachter soll einen Vorschlag erarbeiten, der technisch, städtebaulich und für den Bahnbetrieb optimal ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Haltepunkte und Grobtrassen bilden die Grundlage für eine Vertiefung der Machbarkeitsstudie. Sie sollen von go.Rheinland gemeinsam mit den Kommunen überprüft und die Varianten verglichen werden. Die Frage, ob die schnelle oder die Variante mit möglichst vielen Haltestellen zu bevorzugen ist, wird anhand verkehrlicher, wirtschaftlicher, ökologischer und städtebaulicher Kriterien beantwortet.

Wer wird am Ende entscheiden?

Der Zweckverband go.Rheinland. Anschließend müssen die beiden „Lupenräume“ daraufhin untersucht werden, ob die bevorzugten Varianten betrieblich und technisch umsetzbar sind.

Wie sieht es grundsätzlich mit der Finanzierung der Revierbahn West aus?

Dass ein S-Bahn-Netz für das Rheinische Revier ausgebaut werden soll, ist im Investitionsgesetz für die Kohleregionen festgehalten. Bisher sind aber nur fünf Machbarkeitsstudien  finanziert. Weitere Gelder sind noch nicht bereitgestellt. Um eine Förderung beim Bund beantragen zu können, muss vorab der Nutzen-Kosten-Faktor geprüft werden. Er muss bei allen Strecken größer als 1 sein, sonst gibt es kein Geld. Es könnte sein, dass nur Teile der Revierbahn diesen Anforderungen genügen.

Wann wird die erste S-Bahn durchs ehemalige Braunkohlerevier fahren?

Diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. Das nächste Etappenziel soll spätestens Ende 2026 erreicht werden. Dann dürften die beiden Vorzugsvarianten für die Streckenführung zwischen Aachen und Jülich sowie Jülich und der Erftachse (Bedburg und Bergheim) feststehen. Im ersten Quartal 2027 wird dann die Wirtschaftlichkeitsprüfung anstehen.

Muss der öffentliche Nahverkehr im Rheinischen Revier nicht schon deutlich früher ausgebaut werden?

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur kann sich vorstellen, vorübergehend mit Schnellbussen mögliche Bedarfe kurzfristig zu decken.