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Nach abgebrochenem RotorblattWindpark in Bedburg vorsorglich gestoppt

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Das Bild zeigt die beschädigte Windkraftanlage. Eines der Rotorenblätter ist nach unten abgeknickt. Auf der Anlage ist der Schriftzug „RWE“ zu sehen.

Ein Rotorblatt eines Windrads in Bedburg an der A44n ist abgeknickt.

Die Autobahn A44n, die neben dem Windpark verläuft, war zeitweise gesperrt worden. Es ist nicht der erste Vorfall mit Windrädern in Bedburg.

Nachdem an einem Windrad an der A44n ein Rotorblatt abgeknickt ist, sind auch die anderen vier Anlagen im Windpark in Bedburg gestoppt worden. Es handelt sich um eine vorsorgliche Sicherheitsmaßnahme, wie die Herstellerfirma Nordex berichtet. „Die Auswertung der Daten der betroffenen Anlage und der vier anderen im Windpark ergeben keine Auffälligkeiten“, so ein Sprecher von Nordex.

Ein Expertenteam arbeite daran, den Schaden aufzuarbeiten. Über die ihm zugrunde liegende Ursache lasse sich nach wie vor keine verlässliche Aussage treffen. Ebenso ungewiss ist, wann das Rotorblatt abmontiert wird. Nordex erklärte hierzu lediglich, dass der Rückbau zeitnah abgeschlossen werden soll. „Aufgrund der Abhängigkeiten von Witterungsverhältnissen können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber keine genaueren Zeitangaben machen.“

Bedburg: RWE hatte das Windrad noch nicht abgenommen

Bereits am Mittwoch (7. Januar) hatte der Schaden Feuerwehr und Polizei auf den Plan gerufen. Rund um das Windrad war eine Sicherheitszone von 400 Metern festgelegt worden. In diesem Bereich liegt auch ein Abschnitt der A44n zwischen dem Autobahndreieck Jackerath und dem Autobahnkreuz Holz, der am Mittwoch ab 10.30 Uhr voll gesperrt war.

Laut Nordex steht die defekte Anlage circa 270 Meter von der Autobahn entfernt. Die Sperrung der Autobahn sei rein vorsorglich erfolgt. Die Strecke wurde etwa um 17 Uhr am selben Tag wieder freigegeben, nachdem Nordex das Maschinenhaus des Windrads und damit auch das beschädigte Rotorblatt von der Autobahn weggedreht hatte. Die Hoffnung war zunächst, dass das gebrochene Rotorblatt zum Absturz gebracht werden kann, wenn Nordex den Kopf des Windrads per Fernsteuerung bewegt. Eine andere Idee war es, den Flügel über die Treppe innerhalb des Turms oder mit einem Kran zu erreichen und abzusägen.

Das Drohnenfoto zeigt das defekte Windrad, im Hintergrund weitere Windräder und die verschneite Gegend.

Drohnenbilder der Feuerwehr Bedburg zeigen das abgeknickte Rotorblatt.

Laut Angaben der Hersteller ist die betroffene Anlage Teil eines Windparks, der aus fünf Anlagen des Typs N149/5.X besteht. Die Windräder haben eine Rotorblattlänge von über 74 Metern und eine installierte Nennleistung von 5,8 MW. Die Anlage ist 2022 errichtet worden. Ein Pressesprecher von RWE erklärte, dass das Unternehmen die Anlage noch nicht abgenommen und übernommen hat.

Laut Nordex war die Übernahme für das Jahr 2026 geplant gewesen. „Bei Projekten dieser Größenordnung sind längere Phasen der technischen Übernahme üblich. Bis Ende des vergangenen Jahres wurden an der betreffenden Windenergieanlage noch Arbeiten an der Fassade abgeschlossen“, so ein Sprecher von Nordex auf Anfrage.

Die Pressestelle der Stadt Bedburg erklärte auf Anfrage, als Mitgesellschafter der Besitzgesellschaft auch Miteigentümer der Anlage zu sein. Zu möglichen finanziellen Risiken oder Folgekosten könne sie noch keine Aussagen machen, da die Ursachenforschung noch aussteht. „Abgebrochene oder beschädigte Rotorblätter gehören nicht zu den alltäglichen Vorkommnissen“, heißt es von der Pressestelle. Die Stadt sei bei gemeinsamen Windparkprojekten mit RWE für die einmalige bauaufsichtliche Abnahme zuständig. „Die regelmäßigen Inspektionen der Anlagen übernimmt Nordex“, sagt der Stadtsprecher.

Es gab bereits kleinere Vorfälle mit Windrädern in Bedburg

In Bedburg gab es in der Vergangenheit bereits einzelne Vorfälle mit Windrädern. Im Mai 2024 war bei Kaiskorb ein Windrad stillgelegt worden, nachdem ein Mann an einem Feld ein Metallteil gefunden hatte, das offenbar von der Anlage heruntergefallen war. 2022 war wegen einer Leckage am Getriebeölfilter Öl aus einer Windanlage ausgetreten, 2021 gab es einen ähnlichen Vorfall wegen eines geplatzten Schlauchs der Getriebeölpumpe.

Die Stadt erklärte dazu: „Bei den Windenergieanlagen am Gut Kaiskorb handelt es sich um private Anlagen, die rund 20 Jahre alt und somit mit den Anlagen des Windparks A44n nicht vergleichbar sind. Daher gibt es aktuell auch keine Bedenken seitens der Stadt bezüglich der Sicherheit der Windräder.“

Nordex-Windräder schon 2022 an der A44n wegen Baumängeln abgebaut

Auch Nordex-Windräder hatten in der Vergangenheit schon Probleme. 2022 vermeldete das Unternehmen, sechs Anlagen an der A44n wegen baulicher Mängel abbauen zu müssen. Im Oktober 2025 stürzte in Havixbeck der Kopf einer Windkraftanlage von Nordex samt Rotorblättern auf einen Acker.

Auf die Nachfrage, ob die Windräder des in Bedburg beschädigten Modells strukturelle Probleme haben, erklärte Nordex: „Die N149-Anlagen sind sehr robust und weltweit im Einsatz. Insgesamt drehen sich weltweit heute über 3600 Anlagen dieses Typs mit unterschiedlichen Konfigurationen, weitere 2600 werden errichtet.“ In den oben genannten Vorfällen seien Turmkomponenten das Problem gewesen, sie seien daher nicht mit einem gebrochenen Rotorblatt vergleichbar. „In Herkentrup (Havixbeck) hat eine Kombination aus Installations- und Qualitätsabweichungen an einem Turmflansch zum Vorfall beigetragen.“

Die A44n ist als Windautobahn berüchtigt. Laut einem Gutachten, das die Autobahn GmbH des Bundes in Auftrag gab, kam es bereits mehrfach zu Unfällen aufgrund des starken Windes in der Gegend. Die Autobahn GmbH hat bereits Maßnahmen ergriffen: Bei entsprechenden Lagen weist sie durch Anzeigen an der Strecke auf Gefahr durch Starkwind hin. Außerdem wurde an der A44n eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Lkw und Pkw mit Anhängern angeordnet. 2024 erklärte die Autobahn GmbH, dass der Streckenabschnitt trotz temporär starker Windverhältnisse kein Unfallschwerpunkt ist.