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Lachgas-Kartuschen, Diebesgut, StraßenpollerBeim Putztag in Siegburg kommt ordentlich Müll zusammen

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Mädchen und Jungs des DLRG-Nachwuchses blicken in die Kamera.

Mühlengraben saubergemacht. Für den Nachwuchs der DLRG aus Sankt Augustin auch eine Übung.

Bei einer ersten Bilanz am Nachmittag spricht Bürgermeister Stefan Rosemann von rund 15 Kubikmetern Müll, die bei der Aktion gesammelt wurden.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Rettungsschwimmer Tobias Schmidt von der DLRG Sankt Augustin war jedenfalls überrascht, dieses Jahr eine Computer-Tastatur, eine Leiter und einen Straßenpoller im Siegburger Mühlengraben zu finden. Auch eine Matratze hat er entdeckt, mit Wasser vollgesogen - damit waren dann 40 Kilogramm zu schleppen. Zum Stadtputztag waren mehr als 70 Menschen allein für die Gewässer im Einsatz.

Etwa weitere 2000 Leute aus Heimatvereinen, Kindergärten und Sportvereinen sammelten Müll und räumten auf. Darunter sind immer wieder kuriose Funde, etwa eine Waschmaschine, ein Teppich oder ein Rucksack mit Schulsachen. Solche persönlichen Wertsachen oder auch ein gefundener Fahrzeugschein und ein Autoschlüssel übergibt die Stadt Siegburg dann an die Polizei.

Putztag: Bürgermeister Rosemann stolz auf Engagement

Um 8 Uhr zogen die ersten los, um 15 Uhr gab es eine erste Bilanz mit Bürgermeister Stefan Rosemann. Er dankt den Kollegen vom Bauhof, die am Wochenende den gesamten Müll auf dem Betriebshof sammelten und zur Verwertung an die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) weitergaben.

Das Beste wäre, wenn wir keinen Grund zum Stadtputztag hätten.
Bürgermeister Stefan Rosemann

Rund 15 Kubikmeter Müll seien zusammengekommen, dazu kämen grobe Sachen, wie Fahrräder und Reifen. Rosemann zeigte sich stolz auf das Engagement in seiner Stadt, betonte aber auch: „Das Beste wäre, wenn wir keinen Grund zum Stadtputztag hätten.“

Siegburg: Viel Plastik und immer mehr Lachgas-Kartuschen

Doch es bleibt nicht aus, dass etwa von sommerlichen Grillabenden an der Sieg Spuren bleiben. So war auch dieses Jahr wieder ein Grill dabei, der am Ufer gefunden wurde, abgesehen von zahlreichen Plastikverpackungen von Grillgut. Der Fischschutzverein Siegburg kümmerte sich um die gepachteten Abschnitte der Sieg sowie den Mühlengraben im Siegburger Stadtzentrum. Dort half die DLRG, die Retter spazierten durch das etwa 80 Zentimeter tiefe Wasser und reichten Fundstücke an den Uferrand.

Eine dreckige Tastatur und eine Lachgas-Kartusche liegen vor einem blauen Müllbeutel.

Die Tastatur war ein Überraschungsfund im Siegburger Mühlengraben, Lachgas-Kartuschen allerdings werden immer mehr.

Wie jedes Jahr wurde viel Plastik aufgesammelt, auch Diebesgut, wie etwa leere Geldkassetten seien dabei, erzählte Volker Schmidt, Geschäftsführer der DLRG-Ortsgruppe Sankt Augustin. Auffällig häufig treffe man in den vergangenen Jahren auf Lachgaskartuschen. Die Trend-Partydroge, die meist mittels Luftballons eingeatmet wird, hinterlässt also auch im Mühlengraben ihre Spuren. Drei Kartuschen habe man auf dem etwa 800 Meter langen Abschnitt entdeckt, an der Sieg seien es acht gewesen.

DLRG nutzt Trockenschutzanzüge –Die Montur war auch bei der Ahrtal-Flutkatastrophe im Einsatz

Schmidt erklärte, sein Einsatz am Mühlengraben sei auch eine gern genutzte Übung für den jugendlichen Nachwuchs. Mit Notfallwesten ausgestattet, standen sie nah am Uferrand und nahmen den Müll entgegen. Vom Kreishaus aus ging es zunächst flussabwärts bis zum Gymnasium Alleestraße, die andere Hälfte flussaufwärts bis zur Wasserentnahmestelle am Mühlentorplatz. „Ich versuche, vor allem mit den Füßen zu tasten“, schilderte Tobias Schmidt angesichts des trüben Wassers im Mühlengraben. So konnte der Rettungsschwimmer das meiste aufspüren, mit Unterstützung von Frank Bucher, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Sankt Augustin.

Die beiden Männer waren in Trockenschutzanzügen unterwegs, seit der Ahrtal-Flutkatastrophe 2021 verfügt die Ortsgruppe über solche Monturen. Anders als bei Neoprenanzügen findet hier überhaupt kein Kontakt mit Wasser statt. Wegen der Verunreinigung durch Öle und andere Schadstoffe bestand im Ahrtal eine erhöhte Verletzungsgefahr für die Retter, am Stadtputztag schützten die Anzüge vor allem vor kaltem Wasser. Lediglich Schweißflecken waren danach bei den Rettern zu sehen.