In Deutschland infizieren sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus, obwohl sie vollständig geimpft waren. Bisher gab es rund 150.000 Impfdurchbrüche, wie aus dem neuen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Seit Februar registrierte das RKI 145.185 Fälle, davon entfallen etwa zwei Drittel auf Menschen mit einer BioNTech-Impfung.
Außerdem sei die Inzidenz in allen Altersgruppen deutlich angestiegen, auch in den höheren Altersgruppen. Besonders eine Gruppe sticht heraus: „Ein sprunghafter Anstieg ist in der aktuellen Woche in der Altersgruppe zwischen 10 und 14 Jahren von 240 auf 356 pro 100.000 zu beobachten“, heißt es im RKI-Wochenbericht. Nimmt man die jüngeren Menschen zwischen 5 und 24 Jahren in den Blick, so liegt die 7-Tage-Inzidenz bei über 200 pro 100.000 Einwohnern.
RKI zur Corona-Lage: Fallzahlen höher als im Vorjahr
Das RKI warnt im Bericht zur epidemiologischen Lage in Deutschland: „Die diesjährigen Fallzahlen sind deutlich höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“. Außerdem sei auch der Anteil positiver PCR-Tests deutlich höher als in den vergangenen Wochen.
Laut Robert-Koch-Institut müssen immer mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt werden. 2226 Personen befinden sich demnach in intensivmedizinischer Behandlung (Stand: 3.11.2021). Es handelt sich um eine Zunahme um mehr als 450 Patienten im Vergleich zur Vorwoche. Gleichzeitig betonen die Experten aber auch: „Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs mit Krankenhauseinweisung ist bei den älteren Altersgruppen weiterhin am höchsten.“
Impfquote steigt fast gar nicht mehr - „Lage ist sehr besorgniserregend“
Derzeit sind 70 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, den vollständigen Impfschutz haben 67 Prozent der Deutschen (Stand 2.11.2021). „Damit ist der Anteil geimpfter Personen in den letzten Wochen kaum noch gestiegen“, so das RKI.
„Die aktuelle Entwicklung der Lage ist sehr besorgniserregend“, heißt es im Bericht. Das RKI befürchtet, dass immer mehr Menschen schwer erkranken, die Zahl der Todesfälle zunimmt und die intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten überschritten werden könnten. Die Fachleuten betonen, dass die bekannten Maßnahmen – Masken, Mindestabstand, Kontaktreduktion und Lüften – zu deutlich weniger Übertragungen führen. „Diese Maßnahmen sind in der aktuellen Situation aufgrund des hohen Infektionsdrucks auch für Geimpfte und Genesene (auch bei Veranstaltungen oder Treffen unter 3G- und 2G-Bedingungen!) wichtig“.
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Damit spricht sich das RKI dagegen aus, dass bei 2G-Zusammentreffen auf bestimmte Corona-Maßnahmen verzichtet wird. Außerdem betont es, die Menschen sollten Situationen insbesondere in Innenräumen meiden, bei denen sogenannte Super-Spreading-Events auftreten könnten.
WHO warnt Europa
Angesichts der alarmierend steigenden Corona-Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kurskorrekturen angemahnt. „Im Moment scheinen wir versessen darauf zu setzen, dass (....) wir nur noch ein paar Leute impfen müssen und dann ist alles vorbei. Das ist aber nicht der Fall“, warnte WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan am Donnerstag in Genf. „Um den Kurs zu halten, muss man auch manchmal den Kurs ändern.“. Dazu gehöre, sämtliche Schutzmaßnahmen wie Maske tragen und Abstand halten rigoros umzusetzen, aber womöglich auch das Testen auszuweiten. Ryan nannte kein Land beim Namen.
„Dies ist ein Warnschuss für die ganze Welt, was in Europa trotz der Verfügbarkeit von Impfungen geschieht“, sagte Ryan. Er verstehe, dass Regierungen die Bevölkerung nicht enttäuschen wollten, und dass jeder Schritt zurück zu schärferen Maßnahmen wie ein Rückschritt wirke. Aber jedes Land müsse seine Corona-Pläne nun genau überprüfen, um sicherzustellen, dass die Gesundheitssysteme in den nächsten Monaten nicht an die Belastbarkeitsgrenze kommen.



