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Folgenschwerer FC-TestDer Albtraum von Höhenberg

5 min
FC-Stürmer Thijs Dallinga wurde am Samstagnachmittag vom Platz geführt. Am Abend folgte die Diagnose Kreuzbandriss.

FC-Stürmer Thijs Dallinga wurde am Samstagnachmittag vom Platz geführt. Am Abend folgte die Diagnose Kreuzbandriss. 

Der 1. FC Köln verliert beim 2:2 im Test gegen Viktoria Köln eine Woche vor dem Derby gegen Mönchengladbach gleich zwei Stürmer mit Verletzungen. 

Thijs Dallinga brachte das Drama dieses Wochenendes am Sonntagmorgen auf den Punkt. „Leider wurde gestern ein Albtraum Wirklichkeit“, schrieb der Niederländer bei Instagram. Der Stürmer des 1. FC Köln hatte tags zuvor beim Testspiel gegen Viktoria Köln (2:2) einen Kreuzbandriss erlitten. Die MRT-Untersuchung in der Mediapark-Klinik hatte am Samstagabend die Diagnose bestätigt, die viele der 5000 Stadionbesucher gleich befürchtet hatten.

In der 28. Minute hatte Dallinga im gegnerischen Strafraum eine Drehung vom Tor weg versucht, wobei sein rechter Fuß stehengeblieben war. Ohne gefoult worden zu sein, brach der 26-Jährige, den die Kölner im August aus Bologna ausgeliehen hatten, zusammen und blieb liegen. Dallinga hatte sich gleich ans Knie gefasst und war später nur mit Hilfe vom Platz gehumpelt. „Ich kann immer noch nicht glauben, was passiert ist, und es fällt mir schwer, es zu akzeptieren – aber ich werde alles dafür tun, so schnell wie möglich zurückzukommen“, schrieb er.

„Wir hoffen auf das Beste“, sagte FC-Trainer René Wagner nach dem Schlusspfiff – offenbar hatte er den Hergang der Verletzung in diesen Momenten so weit hinter sich gelassen, dass er nicht über mögliche Schreckensszenarien spekulieren wollte. Doch die bittere Realität holte ihn bald ein.

Der FC richtete am Sonntag aufmunternde Worte an den Spieler, der beim Bundesliga-Auftakt mit zwei Treffern zum 3:2 gegen die TSG Hoffenheim einen Traumstart in seine Kölner Zeit erlebt hatte. „Lieber Thijs, wir werden Dich in den nächsten Monaten unterstützen und sind in Gedanken bei Dir. Du wirst noch stärker zurückkommen. Wir werden Dich wieder so jubeln sehen, wie am ersten Spieltag“, schrieb der Klub bei Instagram.

Ich kann immer noch nicht glauben, was passiert ist, und es fällt mir schwer, es zu akzeptieren – aber ich werde alles dafür tun, so schnell wie möglich zurückzukommen
FC-Stürmer Thijs Dallinga bei Instagram

Damit war der prächtige Herbsttag in Höhenberg deutlich weniger glimpflich ausgegangen als erhofft. Der FC war ohne zahlreiche Nationalspieler nach druckvollem Start durch ein Eigentor der Gastgeber in Führung gegangen. Sebastian Sebulonsen, der nach längerer Verletzungspause offenbar zur Form der Sommervorbereitung zurückfindet, setzte sich auf der rechten Seite durch und spielte nach innen. Meiko Sponsels als Befreiungsschlag gedachter Versuch traf Kloss, von dem der Ball ins eigene Netz sprang.

Dallingas Verletzung in der 28. Minute sorgte für einen spürbaren Bruch im Spiel, in Unterzahl kassierte der FC durch Lucas Wolf das 1:1 (33.) – per Kopfball, den die Kölner unkonzentriert verteidigt hatten. Minuten später leiteten Borna Sosa und Ellyes Skhiri durch zwei indiskutable Abwehraktionen das 1:2 ein. Erst traf Wolf den Pfosten, Niklas Castelle staubte zum 2:1 ab. Nach weniger als zehn Minuten auf dem Platz griff sich dann Ragnar Ache an den hinteren Oberschenkel, nach der Pause ging es für den Mittelstürmer ebenfalls nicht weiter. Für Ache kam Imad Rondic, Kölns eigentlich längst ausgemusterter Angreifer, der sich nach Kräften mühte, jedoch keine Torgefahr schuf.

Die Viktoria hatte zur zweiten Halbzeit durchgewechselt, der Drittliga-Zweite spielte nun mit einer B-Mannschaft, zog sein Konzept jedoch weiter durch. Der flache Aufbau aus der eigenen Defensive ist ein Merkmal, das schon Zweitligist 1. FC Nürnberg in der ersten Pokalrunde vor Probleme stellte. Nun sahen Trainer Marian Wilhelm und seine Leute, dass ihr Fußball selbst eine Erstligamannschaft vor Probleme stellt. Der FC wirkte zeitweise hilflos, Ron-Robert Zieler musste mehrfach retten. Ein 1:3 gegen einen klassentieferen Gegner hätte den Nachmittag noch mehr verdorben.

Imad Rondic bejubelt den 2:2-Ausgleich seines Kollegen Marius Bülter.

Imad Rondic bejubelt den 2:2-Ausgleich seines Kollegen Marius Bülter.

So traf Bülter nach zwei Abschlüssen ins Seitenaus und einem insgesamt bedenklichen Auftritt noch zum 2:2, Sosa hatte per Eckball vorbereitet. Imad Rondic fiel hinterher besonders auf, weil er den Treffer ausgiebig feierte. Der Bosnier scheint ein gutes Gespür für die Stimmungen im Team zu haben und mühte sich, seine Kollegen zu motivieren. „Imad macht sein Ding. Bei ihm ist es eine besondere Situation, weil er eigentlich bei uns keine Aufgabe hatte, er sich aber mit brutalem Willen und Charakter zurückgearbeitet hat. Er kennt seine Rolle hier, gibt aber jeden Tag Gas. Er gibt der Kabine jeden Tag Energie“, sagte Wagner.

Ob Rondic am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) im Heim-Derby gegen Borussia Mönchengladbach gefragt sein wird, wollte Wagner nicht erläutern – zu dem Zeitpunkt kannte er die Diagnosen des Samstagabends noch nicht. „Erstmal ist Imad noch nicht gefragt“, sagte der Trainer – und schien sich keine Sorgen über Dinge machen zu wollen, die noch in der Schwebe waren. Trotz der Vorzeichen.

So war jedenfalls zu erklären, dass der 38-Jährige von einem „guten Test“ sprach und damit wie gewohnt streng bei den Fakten blieb. Für Wagner war das kein Schönreden, es ist sein Standardmodus: Ergebnisse werden knapp abgeheftet, alle Energie gehört dem, was gestaltbar bleibt. An diesem Nachmittag war das Muster erkennbarer als sonst – vor allem wegen der späteren Nachrichten aus dem Krankenhaus. Die gefühlte Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Platz passiert war, und dem Ton, in dem er darüber sprach, war noch größer als gewohnt.

Man habe „ein Standardtor gemacht und keins bekommen – schon mal gut“, sagte Wagner und nannte die Viktoria einen „wirklich guten Gegner“. Wilhelms Spielprinzip, unabhängig vom Personal auf dem Platz über 90 Minuten durchgezogen, hatte die Zuschauer einmal mehr beeindruckt. „Viktoria kann echt gut Fußball spielen, das hat man gesehen. Die haben Bock zu zocken“, sagte Wagner an die Adresse seines gleichaltrigen Kollegen.

Es sei nicht leicht gewesen, gegen die mutig durch den eigenen Fünfmeterraum passenden Rechtsrheinischen Bälle zu gewinnen – dennoch habe es immer wieder geklappt, außerdem habe er Spielern aus dem eigenen Nachwuchs Zeit auf dem Platz bescheren können. Losgelöst vom wackligen Resultat und den Verletzungen seiner Spieler, über die er zu diesem Zeitpunkt noch keine Gewissheit hatte, war es für Wagner tatsächlich ein erkenntnisreicher Test. Schließlich ist er ein Trainer, für den der Prozess vor dem Ergebnis steht.

Die Gedanken der Fans nahm er dann aber doch noch auf, für die das Derby nun am Horizont auftaucht – nach den Eindrücken des Tests in Höhenberg vorerst eher als Sorge denn als Vorfreude. Als Wagner nach dem Spiel das Stadion verließ, rief ihm ein Zuschauer von der Tribüne nach: „Was machen wir im Derby?“ Wagner antwortete mit nur einem Wort: „Gewinnen.“