Nach dem holprigen Saisonstart beginnt für Bayer 04 in Mainz die dichteste Phase des Herbstes. Sportchef Simon Rolfes erwartet mehr Lust auf Wettbewerb.
„Die drei Punkte müssen wir uns jetzt wiederholen“Bayer 04 vor sieben Spielen in 22 Tagen

Bayers Trainer Carles Martínez an der Seitenlinie in der BayArena beim Spiel gegen Leipzig.
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Es gibt Pausen, die Fragen beantworten, und solche, die sie nur vertagen. Die dreiwöchige Unterbrechung der Bundesliga gehörte für Bayer 04 zur zweiten Sorte. Das 2:0 gegen RB Leipzig hat die Stimmung im Klub aufgehellt, die Zwischenbilanz der ersten Wochen aber nicht abschließend geklärt. Nun beginnt in Mainz der Abschnitt, der sie prüft: sieben Pflichtspiele in 22 Tagen, kaum Zeit zum Durchatmen.
Der Kalender lässt wenig Spielraum. Auf das Spiel am Samstag beim 1. FSV Mainz 05 (15.30 Uhr, RTL) folgen Freiburg, Hoffenheim und Stuttgart in der Bundesliga sowie Lech Posen und OFI Kreta in der Europa League. Hinzu kommt das Duell mit dem 1. FC Nürnberg im DFB-Pokal.
Sieben Punkte aus vier Ligaspielen stehen bisher zu Buche, nach dem 2:3 in Elversberg, dem 4:0 gegen Union Berlin, dem 2:2 in Augsburg und dem Sieg gegen Leipzig. Mainz hat nach vier Spielen ebenfalls sieben Zähler. Ein Auswärtssieg in der Liga fehlt Bayer noch, und das Spiel in Mainz bietet die erste Gelegenheit. Simon Rolfes, Bayers Geschäftsführer Sport, spricht von einem Start mit Lücke. „Uns fehlen die Zähler aus Elversberg, um von einem rundum gelungenen Start zu sprechen. Die drei Punkte müssen wir uns jetzt in den nächsten Spielen wiederholen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Forderung nach Stabilität
Das Muster ist bekannt, und es zog sich durch die ersten Wochen: Auf die Niederlage in Elversberg folgte eine überzeugende Reaktion gegen Union, die in Augsburg ohne Stabilität blieb. „Wir haben besser gespielt, aber in fünf oder acht Minuten aufgehört, Fußball zu spielen“, hatte Rolfes damals gesagt. Trainer Carles Martínez formulierte den Anspruch nüchtern: „Vier Punkte aus drei Spielen sind nicht genug, wenn wir oben in der Tabelle stehen wollen.“
Gegen Leipzig zeigte die Mannschaft, wie es besser geht. Sie überstand eine zähe erste Halbzeit, steigerte ihre Zweikampfquote nach der Pause von 30 auf mehr als 45 Prozent und entschied die Partie durch Tore von Schick, seinem vierten in vier Ligaspielen, und Miguel Gutiérrez. Rolfes nannte das 2:0 „unser konzentriertestes und konstantestes Spiel in dieser Saison“. Daran soll sich nun alles messen. „Die Arbeit aus der Vorbereitung und dem Saisonstart wollen wir immer mehr zeigen“, sagt Rolfes. „Wir wollen mit immer mehr Stabilität und auf immer höherem Niveau spielen.“
Die kommenden Wochen bieten dafür reichlich Gelegenheit, und sie verlangen unterschiedliche Antworten. Rolfes beschreibt es so: „„Es gibt Spiele, die fallen einem leicht. Es gibt Spiele, die sind eng und knifflig. Wir wollen uns in allen unterschiedlichen Bereichen als Team stärker entwickeln.“ Der Sport-Geschäftsführer formuliert einen klaren Anspruch ans Team: „Die Mannschaft soll Lust darauf haben, sich auf höchstem Niveau zu messen.“ Auf diese Haltung kommt es an. Beim 2:0 gegen NK Celje zum Auftakt der Europa League genügte der Pflichtsieg, begeistert hat er nicht. „Damit können wir uns heute nicht mit Ruhm bekleckern, aber unterm Strich stehen die drei Punkte“, sagte Robert Andrich. Klubchef Fernando Carro hat den Gewinn des Wettbewerbs als Ziel ausgegeben. Mit solchen Auftritten wird sich das kaum erreichen lassen.
Personell ist die Lage besser als vor der Pause, aber nicht entspannt. Rechtsverteidiger Guéla Doué fehlt nach seiner Wadenverletzung in Mainz, eine Rückkehr ins Mannschaftstraining wird nach Informationen dieser Redaktion frühestens in der kommenden Woche erwartet. Auf dieser Position ist Jarell Quansah derzeit die Stammkraft. Nathan Tella und Montrell Culbreath, die zuletzt verletzt fehlten, arbeiten sich zurück. Culbreath wird diese Woche noch individuell trainieren und in der kommenden Woche ins Teamtraining einsteigen. Tella kehrte im Testspiel gegen Fortuna Köln (6:0) zurück. Im Angriff ist die Konkurrenz mit Moussa Diaby, Afonso Moreira, Ibrahim Maza und Christian Kofane ohnehin groß. Für Martínez ist das ein Luxus, den er in sieben Spielen brauchen wird.
Kapitän Edmond Tapsoba hatte nach Augsburg die Richtung vorgegeben: „Jeder von uns muss mehr machen. Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn wir zwei Gegentore bekommen haben.“ Der Satz gilt für die kommenden Wochen mehr denn je.
Nach den ersten vier Ligaspielen musste Bayer erklären, was fehlte. Bis Ende Oktober muss die Mannschaft zeigen, was sie kann – nicht an einem Tag, sondern über mehr als drei Wochen. In Mainz beginnt dieser Nachweis. Die Antwort auf die Frage, ob es ein Goldener Oktober war, gibt es nach dem 31. Oktober, wenn Stuttgart in die BayArena kommt.

