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150 aus 150Josef Haubrich rettete Kunst vor den Nazis und schenkte sie der Stadt

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Portrait von Josef Haubrich

Josef Haubrich im Jahr 1956 auf einem Porträt des Kölner Fotografen Chargesheimer

Die Sammlung von Josef Haubrich befindet sich heute im Museum Ludwig.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 142. Teil der Serie geht es um den Kunstsammler Josef Haubrich.

Bedeutung

Josef Haubrich war ein bedeutender Kunstsammler. Bereits als Schüler interessierte er sich für Kunst. Er studierte an mehreren Universitäten Jura, promovierte und ließ sich als Rechtsanwalt 1915 in Köln nieder. Beeinflusst von der Sonderbundausstellung 1912, begann er nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Aufbau einer eigenen Sammlung moderner Kunst. 1923 kam er in den Vorstand des Kölnischen Kunstvereins und übernahm 1945 den Vorsitz. Hier bestimmte er die Ankäufe mit. Gleichzeitig schrieb er für die „Rheinische Zeitung“ unter einem Pseudonym Kunstkritiken.


Josef Haubrich

Geboren: 15. Juni 1889 in Köln

Gestorben: 4. September 1961 in Bad Münstereifel


Haubrich war mit vielen Künstlern bekannt, so mit Marc Chagall, bei dem er in Paris persönlich Bilder für die erste große Ausstellung des Künstlers 1925 im Kunstverein auswählte. In der NS-Zeit erwarb Haubrich privat Werke von Expressionisten, die als „Entartete Kunst“ aus den Museen verbannt wurden. Er erlitt Repressalien durch seine dritte Ehe mit der Kinderärztin Alice Gottschalk, einer Jüdin. Sie nahm sich 1944 vor einer Vernehmung durch die Gestapo das Leben.

Wirken in Köln

Haubrich gelang es in der NS-Zeit, seine Sammlung mit Werken von Picasso, Nolde, Kokoschka, Dix und anderen zu verstecken. 1946 schenkte er sie der Stadt, die sie im neu erbauten Wallraf-Richartz-Museum unterbrachte, und erweiterte sie durch Zukäufe. Für die Errichtung des Gebäudes hatte sich Haubrich im Stadtrat, dem er seit 1946 für die SPD angehörte, und als stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses eingesetzt. 1956 wählte ihn der Rat zum dritten Stellvertreter des Oberbürgermeisters.

Bemerkenswert

1951 zog Haubrich in eine von Wilhelm Riphahn entworfene Villa in Müngersdorf, die eine umfangreiche Kunstbibliothek beherbergte. In fünfter Ehe heiratete Haubrich 1960 in Caracas Willy Millowitschs Schwester Lucy, eine Schauspielerin. Er liebte gutes Essen und Trinken, reiste aber aus Sparsamkeit immer in der „Touristenklasse“.

Spuren in der Stadt

Der Josef-Haubrich-Hof in der Altstadt-Süd und eine Ratsturmfigur erinnern an ihn. Seine Sammlung befindet sich heute im Museum Ludwig. Die 1979 nach ihm benannte Kunsthalle wurde 2003 abgebrochen.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.